Hans Werner Henze gestorben

Der Komponist Hans Werner Henze ist tot. Der 86-Jährige starb heute in Dresden. Henze zählt zu den meistgespielten deutschen Komponisten. Berühmt wurde er Anfang der sechziger Jahre vorallem durch seine Zusamenarbeit mit der Dichterin Ingeborg Bachmann bei den Opern „Der Prinz von Homburg“ (1958/59) und „Der junge Lord“ (1964). Neben zahlreichen Bühnenwerken komponierte er zehn Sinfonien. Von 1988 bis 1994 war er künstlerischer Leiter der   von ihm auch gegründeten Münchener Biennale, ein „Internationales Festival für neues Musiktheater“. Für sein Schaffen erhielt er unzählige Preise, zuletzt wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und mit dem KulturPreis Europa ausgezeichnet. In der Spielzeit 2012/2013 hat die Dredner Semperoper dem Komponisten einen eigenen Schwerpunkt  gewidmet.
Henze, 1926 in Gütersloh geboren, zog 1953 nach Italien. Dort lebte er auch mit seinem Partner. Henzes Musikverlag Schott fasst dies im Nachruf so: „In seiner selbst gewählten mediterranen Lebenswelt in der Nähe von Rom fand er gemeinsam mit seinem langjährigen Lebensbegleiter Fausto Moroni die harmonische Balance von Kunst und Leben.“
Foto: (c) Schott Promotion / Peter Andersen

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3 Responses to “Hans Werner Henze gestorben”


  1. 1 Ralf Oktober 28, 2012 um 10:27 am

    Bezeichnend ist, dass ich gestern in keiner Fernseh- oder Radiomeldung (Das Erste, ZDF, SWR) und heute ebenfalls nicht in der Sonntagszeitung auch nur eine Silbe zu Henzes sexueller Ausrichtung gehört oder gelesen habe. Hätte er einer anderen Minderheit angehört, wäre das nicht unerwähnt geblieben. Hinterließe er Witwe und Kinder, hätte man auch das dokumentiert. Dass er Deutschland einst Richtung Italien verließ, wurde zwar vermerkt, nicht aber, dass er dies wesentlich wegen der Verfolgung in seiner Heimat tat. Auch der leider früh verstorbende Fausto blieb unerwähnt. Gerne denke ich an ein Interview mit dem Komponisten, das vor einigen Jahren gesendet wurde und in dem Henze selbst sowohl von seiner Vertreibung aus Deutschland durch den Staat, vom Hass des eigenen Vaters als auch von seinem Leben mit Fausto sprach. Kaum ist er tot, wird das alles verschwiegen.

  2. 2 RH Oktober 28, 2012 um 11:27 am

    Ich habe eben ein bisschen online gestöbert: Welt und SZ erwähnen Henzes Homosexualität, Tagesschau.de und die ZEIT dagegen nicht (der dortige Text ist aber, soweit ich sehen kann, nur die übliche Kurzversion der Nachrichtenagenturen).
    Schade finde ich es, dass selbst schwule „Nachrichten“seiten mit angeblich Millionen von Klicks das dumpfe Gebrabbel eines Lothar Matthäus lieber verbreiten als die Nachricht vom Tod eines schwulen Komponisten, der weltweit bekannt war.

  3. 3 Ralf November 1, 2012 um 8:55 am

    Ja,das ist leider so. Mag man zu Henze stehen, wie man will (ich kann seiner Musik und seiner politischen Einstellung wenig abgewinnen), aber seine Bedeutung für die Kultur der Menschenheit ist doch wohl höher einzuschätzen als die der Promi-Homo-Fernsehulknudeln vom Schlage Kerkeling, Hermanns, Morgenstern usw. Da ist man vom Tode Dirk Bachs (den ich damit nicht kleinreden will) in Deutschland mehr erschüttert worden.

    Immerhin hat man sich in der hiesigen regionalen Zeitung im Feuilleton einen oder zwei Tage später doch noch dazu durchgerungen, einen recht ausführlichen Artikel über Henzes musikalisches Schaffen sowie seine politischen Ansichten und Taten mit klaren Worten über den hassenden Vater, das giftige Klima in den 50ern und die Beziehung zu seinem Lebensgefährten einzuleiten.


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