Personalia der Woche: Wer sich aus der Deckung gewagt hat und wer statt des Wetters seine Hochzeit ankündigt

Der plötzliche Tod von Dirk Bach bestimmte diese Woche. Verweise zu Nachrufen auf den engagierten Kämpfer für unsere Rechte finden sich am Ende der Personalia. Zuvor  notieren wir das Coming-out eines Boxers, Deutschlands schwulen Sex-Shop-Azubi, ein weiteres Promi-Paar, das sich mit einem Sohn das Leben schöner designt, und ein 35-jähriges Jubiläum …

Die HuK, ökumenische Gruppe Homosexuelle und Kirche, feiert auf ihrer Herbsttagung in Bielefeld ihr 35-jähriges Bestehen. Wir gratulieren und werden ein Dankopfer darbringen!

Elmar Kraushaar, Journalist, über den Deutschen Presserat, der in der lesben- und schwulenfeindlichen Tirade Franz-Josef Wagners in der „Bild“ („Niemand steckt euch ins Gefängnis. Wir sind ein besseres Deutschland geworden.“) keine Diskriminierung sieht: „Die Profis vom Presserat aber tun so, als könnten sie nicht lesen.“

queerhandicap, Gruppe für Schwule und Lesben mit Behinderung, wird auf der Rehacare-Messe in Düsseldorf erstmals mit einem eigenen Stand vertreten sein.

Kim Schicklang, Sprecherin des neugegründeten Netzwerkes Ba-Wü (S.i.e.g.T.-Bericht), im Interview auf die Frage nach den Gemeinsamkeiten von Trans- und Homosexuellen: „Die Schnittstelle ist der Wunsch nach geschlechtlicher Selbstbestimmung.“

Leslie Pumm, 18-Jähriger aus Berlin, ist vermutlich „der einzige Sexshop-Azubi Deutschlands“, schreibt „Spiegel Online“.

Orlando Cruz, puerto-ricanischer Profi-Boxer, ist schwul. Anders als viele Sportler-Kollegen, die ihr Coming-out erst zum Karriere-Ende wagen, hat sich Cruz vor seinem Kampf um den WM-Titel im Federgewicht „aus der Deckung“ gewagt. Tapfer!

Jack Mackenroth, Model & Designer, hat mit „Voltage“ ein Dating-Portal speziell für HIV-positive Männer, die Sex mit Männern suchen, gegründet. Das Schöne daran: Es unterscheidet sich ansonsten durch nichts von anderen Seiten!

Olalekan Ayelokun, in Großbritannien lebender Nigerianer, muss mit seiner Ausweisung rechnen. Er beantragte Asyl, weil er wegen seiner Homosexualität in Nigeria mit dem Tod rechnen müsse. Ein Gericht dagegen bezweifelt, dass  Olalekan Ayelokun schwul ist.

Sam Champion, Wettermann der Nachrichtensendung „Good Morning America“, hat angekündigt, seinen langjährigen Partner Rubem Robierb zu heiraten. Da wünschen wir doch vorab schon mal viel Sonnenschein.

Tom Ford, Designer, und Partner Richard Buckley haben sich nun auch einen Sohn gemacht.

Alexander McQueen, Designer, hat sich im Februar 2010 das Leben genommen. Die Fotografin Anne Deniau erinnert nun mit einem Fotoband an ihn und sagt im „Zeit“-Interview: „Es wurde zu viel über seine dunkle und makabre Seite gesprochen. Dabei war er eine sehr lebensfrohe Person, er lachte oft, war voller Energie und er hat hart gearbeitet. Sein Atelier war wie eine Kathedrale, ein Raum voller Licht, und für Lee war er heilig. Er durchlebte große Höhen und große Tiefen, aber ich verbinde mit ihm viel mehr Licht als Dunkelheit.“

Tania Witte, Schriftstellerin (Foto oben), hat zu ihrem neuen Roman „leben nebenbei“ einen sympathischen Werbe-Clip (Link zu YouTube) gedreht. Wer die Autorin leibhaftig erleben will: Sie liest im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober 2012 ab 20 Uhr auf der Büchernacht im Lesbisch-schwulen Kulturhaus, Klingerstraße 6. Berliner Buchpremiere ist am 17. Oktober 2012 um 19.30 Uhr im SchwuZ, Mehringdamm 61.

In Memoriam

Dirk Bach, Schauspieler und Menschenrechtaktivist, ist im Alter von 51 Jahren gestorben.

Domian, nächtlicher Moderator, widmete sich eine ganze Sendung dem Verstorbenen.

Elmar Kraushaar, Journalist, in der „Frankfurter Rundschau“: „Bei allem Respekt und aller Sympathie in der Schwulenszene, ein Außenseiter war er auch in der Welt der gut gebauten, schönen Männer. (…) Es war aber nicht sein Ding, sich einem ständig wechselnden Schönheitsideal anzupassen. “

Axel Hill, Journalist, in der „Kölnischen Rundschau“: „Als schwuler Mann, der viele Freunde durch AIDS verloren hat, setze er sich im Kampf gegen das Virus ein. So unterstützte er die Kölner Aids-Hilfe von Anfang an.“

Christian Scheuß, Redakteur, auf „queer.de“: „Bach hielt wesentlich engeren Kontakt zur Community und ihren inhaltlichen Anliegen als so mancher seiner Kölner Künstler- und Schauspielerkollegen.“

Jan Feddersen, Journalist, über den wir sonst nur mosern, hat in der „taz“ dankenswerterweise ein wenig tiefer nachgedacht: „Schrill hieß man ihn, grell – und nichts wäre zur Charakterisierung seiner Person falscher als eben dies. Eine Person, die schrill ist – das kann kein Mann sein. Dirk Bach wusste um diese freundliche Entmannung seiner Art – mit ihm nahm man seine Homosexualität hin, man sah sie ihm nach. Weil er doch, ich erinnere mich genau an den Kommentar einer Frau aus der fünften Reihe, so ein Netter, so ein Lustiger sei.“

Stefan Niggemeier, Journalist, findet, dass der Tod Dirk Bachs nur eine Randnotiz bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises war – eine Replik auf die von zahlreichen Medien übernommene Agenturmeldung, nach der die Show vom Tod Bachs „überschattet“ gewesen wäre.

Advertisements

Die Community unterstützen

Mit der Community feiern

Spirituelles (von mir und anderen)

Kreuz-und-queer-Blog

Das Buch zum Blog

Archiv