Personalia der Woche: Wer etwas in Sachen Liebe klarstellt und wer sehr gut an einen Frauenkörper passt

Die Debatte über ein bisschen Gleichstellung bot diese Woche erneut reaktionären bis rechtsextremen CDU-PolitikerInnen Gelegenheit, auch mal was sagen zu dürfen und den deutschen Volkskörper zu retten. Wir konzentrieren uns in den Personalia auf Repliken von Schwulen und Lesben. Ansonsten: ein „reingewaschener“ US-Sheriff, ein engagierter Briefeschreiber und ein Musiker, der Verwirrtes in Sachen Liebe entwirrt …

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister Berlins, hat den Überfall auf einen Rabbiner in Berlin verurteilt und als „Attacke auf die Religionsfreiheit“ bezeichnet.

Elmar Kraushaar, Journalist, in der „taz“ über die verbale Aufrüstung der CDU-„Rechtsauslegerin“ Katharina Reiche, die die Homo-Ehe als Zeugungsspaßverderber ausgemacht hat: „Mit dieser imaginierten Bedrohung durch mangelnden Nachwuchs steht Frau Reiche in schrecklicher Tradition. Schon die Nationalsozialisten warnten vor dem Aussterben des Volkes, würde die Homosexualität um sich greifen.“

Maren Kroymann, Schauspielerin, in der TV-Talk-Show von Maybrit Illner auf die Bemerkung, Mann und Frau passten zusammen wie Schlüssel und Schloss: „Ich finde, ich passe sehr gut an einen Frauenkörper.“

Volker Beck, Grünen-Politiker, in eben dieser Talk-Show zum Thema Gleichstellung der Homo-Ehe: „Ich würde so gerne schlauer aus der Sendung rausgehen, als ich reingekommen bin.“

Jan Stöß, Berliner SPD-Landeschef, sieht seine Partei zunehmend Angriffen von Nazis ausgesetzt. Man lasse sich aber „nicht einschüchtern“, so Stöß.

Ronny Pohle, LSU-Bundesgeschäftsführer, nennt Thomas Goppel von der CSU einen „geistigen Brandstifter“ und will sogar Anzeige gegen ihn erstattet – zuviel des Guten für die LSU (Lesben und Schwule in der Union): Mann will lieber innerparteilich diskutieren. Klar, sonst wird Mutti böse!!

Zwei Teilnehmer der „Positiven Begegnungen“ sind in der Wolfsburger Innenstadt angegriffen worden. Die Täter konnten festgenommen werden.

Matthias Gothe, Verein „QueerWeg“, hat für 15 Organisationen aus Thüringen einen Offenen Brief an Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht übergeben: Sie solle sich doch mehr für Gleichstellung einsetzen – und eine geplante Veranstaltung zum 100. Geburtstag des schwulen KZ-Überlebenden Rudolf Brazda am 26. Juni 2013 fördern. Brief als PDF via „Jenapolis“

Beate Batz ist neue Geschäftsführerin des Sozialwerks für Schwule und Lesben in Köln: „Meine Vision ist die soziale und politische Inklusion von Lesben, Schwulen und Trans*menschen.“

John Barrowman, Schauspieler, hat sich zur Eröffnung einer Diskussion auf der Fan Expo Canada erst einmal  den Moderator geschnappt.

Rufus Wainwright, Sänger, hat seinen Partner Jorn Weisbrodt geheiratet. Seit 2010, schreibt die „Gala“, waren die beiden bereits verlobt – ähm, neugierigerweise gefragt: Wie sieht schwules Verloben aus?

Judith Butler, Philosophin, soll den Franfurter Adorno-Preis erhalten. Der Zentralrat der Juden übte Kritik: Butler habe Hamas und Hisbollah als „legitime soziale Bewegungen“ bezeichnet. In einem in der „FR“ veröffentlichten Text setzt sie sich mit dem Vorwurf des Antisemitismus auseinander. „Wenn aber jede Kritik an Israel als Täuschung verdächtigt wird, als bloße Tarnung antisemitischer Motive, dann wird es bei einer Reihe von Themen keine aufrichtige Debatte geben.“

Yigit Pura, Gewinner der amerikanische Show „Top Chef: Just Desserts“ (Foto), lächelt süß hinter seinen Törtchen.

Paul Babeu, Sheriff aus Arizona, soll seinem früheren, mexikanischen Freund Jose Orozco mit Abschiebung gedroht haben, falls dieser das Schwulsein des Sheriffs öffentlich mache – ein Gericht sprach Babeu nun von den Vorwürfen frei.

In Memoriam

Dale Olson, Journalist, ist Anfang August mit 78 Jahren in Los Angeles gestorben – wie wir erst jetzt bei Blogger Ondamaris gelesen haben, soll er derjenige gewesen sein, der Rock Hudson überzeugte, wie wichtig es sei, seine Aids-Erkrankung öffentlich zu machen.

Allan Horsfall, britischer LGBT-Aktivist, ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

Unterstützer

Stevie Wonder, Musiker, hat in einem Interview verwirrtes Zeug über verwirrte Homosexuelle geredet, als er nach Frank Ocean gefragt wurde. Jetzt hat er in einem Statement für „Advocate“ klargestellt: „Liebe ist Liebe! egal ob zwischen Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau. Worüber ich keineswegs verwirrt bin, ist (allein) dieTatsache, dass die Welt mehr Liebe braucht, keinen Hass, keine Vorurteile, keine Bigoterie, sondern mehr Gemeinsamkeit, frieden und Verständnis. Basta!“

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6 Responses to “Personalia der Woche: Wer etwas in Sachen Liebe klarstellt und wer sehr gut an einen Frauenkörper passt”


  1. 1 Hans-Georg September 1, 2012 um 7:34 pm

    Zu Rufus Wainwright: Eine Verlobung ist eine Art von Eheversprechen. Insofern können sich doch auch Schwule verloben indem sie entscheiden, über kurz oder lang zu heiraten.

  2. 2 RH September 1, 2012 um 7:53 pm

    Ja, klar! Aber es ist doch sehr ungewohnt (für mich jedenfalls) – mir ist bislang kein schwules/lesbisches Paar begegnet, das gesagt hätte, es habe sich verlobt.

    • 3 Hans-Georg September 1, 2012 um 7:57 pm

      Ich habe eh lange nicht gehört, dass sich ein Paar offiziell verlobt hat, es sein denn in irgendwelchen Königshäusern. Vermutlich ist es out, sich zu verloben.

      • 4 RH September 1, 2012 um 8:09 pm

        Vielleicht wollte die Gala Rufus Wainwright damit adeln 😉 und zu out/in: Vielleicht beginnt ein neues-altes Ritual in der schwulen Welt und bald verloben wir uns was das Zeug hält??

  3. 6 Fg68at September 2, 2012 um 2:23 am

    angenommener Heiratsantrag. Also da habe ich in letzter Zeit einige bei Towleroad gesehen, darunter zwei Transmänner bei einem Empfang im weißen Haus und gesungen mit einem ganzen Chor. Stichwort: (marriage) proposal; Kategorie:Gay Marriage.

    Ab da ist man eigentlich verlobt. Das andere ist privat zu fragen oder die Ehe arrangieren zu lassen und es dann öffentlich bekannt zu geben.


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