Mit gespaltener Zunge Steuer – 10 Gedanken zum Ehegattensplitting für Homo-Paare

Ein Häuflein mutiger CDU-Politiker hat eine Debatte zum Thema Ehegattensplitting für gleichgeschlechtliche LebenspartnerInnen entfacht. Damit sind wir dicht dran am a) Untergang des Abendlandes oder b) dem finalen Triumph der Rechte Homosexueller. Zehn Gedanken zwischen Steuerbescheid und einem DVD-Abend mit „Kramer gegen Kramer“ …

1. Homosexualität ist endlich so normal geworden, dass auch Homo-Themen das mediale  Sommerloch füllen können. (Sommerloch – Honi soit qui mal y pense!) Möglicherweise wird mit dem Sommerloch auch das Thema wieder zugeschüttet, bis ein Urteil vom Verfassungsgericht das Loch wieder aufreißt.

2. Schön, dass einige CDU-Politiker anfangen an Schwule und Lesben zu denken – zumindest wenn’s ums Geld geht! Schön wäre, wenn die CDU auch an uns gedacht hätte, weil es um Menschenrechte geht. Aber man soll nicht undankbar sein!

3. Glückwunsch dem LSU, der zum Thema endlich auch mal Pressemitteilungen mit erfreulichem Inhalt verschicken konnte. LSU – zu Erklärung – ist der Verband der Lesben und Schwulen in der Union, in dem so wenig Lesben vertreten sind, dass selbst der lesbenarme LSVD dagegen wie ein Frauenverband erscheint!

4. Bislang wurde das Ehegattensplitting von heterosexuellen PolitikerInnen mit Klauen und Zähnen verteidigt. Die Aussicht, dass nun auch was für Homos abfallen könnte, ist für manche aber so furchtbar, dass sie es lieber gleich ganz abschaffen würden. Es wird abgeschafft! Spätestens in fünf Jahren – und den enttäuschten Hetero-Paaren wird man sagen: „Könnt euch bei den Homos bedanken! Hätten die das nicht auch gewollt, gäbe es das Splitting noch!“

5. Zwischendurch eine Nachfrage: Heißt das Ehegattensplitting eigentlich nicht deshalb Splitting, weil sich die meisten Paare nach einem Streit ums Geld und um die Steuer trennen? Wie wird das bei Homo-Paaren sein, wenn auch sie splitten können? Wir haben ja keine Erfahrungswerte mit gemeinsamer Steuer.

6. Das Splitting bringt uns DINKYS (Double income no kids) doch nichts! Mal ehrlich: Ich bin als Blogger so erfolgreich wie reich, ebenso mein Designer-Freund, der auch was mit Medien macht. Kurzum: Wir Schwule haben doch alle Geld wie Heu. Was soll also die Peanuts-Zählerei beim Ehegattensplitting. Auch den Heteros mal was gönnen!

7. Den Heteros geht’s einfach zu gut!

8. Defacto Kanzler Schäuble ist einer der übelsten Antidemokraten, die es gibt! Aber in Sachen Gleichstellung kann man ihm nichts nachsagen! Er stellt Homo-Paare mit Griechen gleich! Denen will er eigentlich auch kein Geld geben – und tut es gezwungenermaßen irgendwann doch!

9. Ausweg Familiensplitting, also steuerliche Vorteile nur, wenn Kinder da sind. Wenn das die Homo-Paare mitkriegen, dann besorgen die sich alle Kinder in Indien oder den Niederlanden! Also Vorsicht liebe PolitikerInnen der CDU/CSU!

10. Wer möchte mich heiraten sich mit mir verpartnern?

© RH (Veröffentlich August 2012)


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