Dickes Pausenhofopfer

Die Debatte um Peter Altmaier hält an – die Meinungsmacher bemühen einiges, um ihren Furor „sachlich“ zu rechtfertigen. Was sie verschweigen: Jemand wie Altmaier eignet sich schon rein äußerlich zum perfekten Opfer – er ist der dickleibige Typ, den man in der Schwulenkneipe ignorieren würde!

Diese Woche hat uns eine alberne Debatte um das Single-Dasein Peter Altmaiers gebracht, um die Frage, ob er schwul ist, und um die Frage, ob ein Denunziations-Artikel, der ihn outen wollte, aber sich nicht traute, das Wort schw… auszuschreiben (ein Umstand, der mich jetzt noch zum Lachen bringt), von der Chefin der „taz“ von der Internetseite gelöscht werden durfte – mit dem Verweis auf die Privatheit der sexuellen Orientierung (ein Umstand, der eher traurig stimmt).
Wer glaubt, es ginge den diversen Meinungsmachern um sachliche Erörterungen von theoretischen Grundfragen des Journalismus irrt. Wie stets spielen auch hier persönliche Eitelkeit und Befriedigung des eigenen Egos eine Rolle. Die Freude, ein Opfer auf diese perfide Weise „journalistisch“ in die Ecke getrieben zu haben – denn so oder so, Altmaier kann nur noch falsch reagieren –, ist kaum zu überlesen.
Dabei ist Wort Opfer absichtlich gewählt – das Verhalten einiger Journalisten gleicht exakt dem einer Schülertruppe, die den vermeintlich schwulen Loser als Opfer auserkoren hat, ihn auf dem Schulhof erst verprügelt, um ihn dann – unter den Augen der Lehrer – seelenruhig abzuzocken.
Es gehört zu den Verlogenheiten der schwulen wie heterosexuellen Welt, dass man (vor allem: Mann) seine aggressiven Motivationen hinter sachlichen, rationalen Argumenten verbirgt. Im Falle Altmaier wird dann die „Das Private ist politisch“-Debatte vorgeschoben oder die community-interne Frage, ob ein Schwuler denn gegen die Schwulen-Ehe stimmen darf.
Eine „fette Sau“ wie Altmaier würde als Teenager auf heutigen Schulhöfen keine drei Minuten heil überstehen. Er wäre das uncoole Schweinchen, das man während der Schulstunde mit Gegenständen bewirft, das man im Sportunterricht auslachen und als Letzten in die Fußballmannschaft wählen würde. Sein dümmliches Gefasel vom lieben Gott, der irgendwas gefügt hat, würde von den Lehrern belächelt und anschließend von den Mitschülern mit Extra-Dresche auf dem Pausenhof bedacht werden. Und dass man ihm „Schwuli“ oder „Schwule Sau“ nachrufen würde, gehört ja eh zum Standard.
In der Schwulenkneipe würde man sich befriedigt über den Sixpack streicheln, bevor man die dicke Schwuchtel mit verächtlichem Blick stehen lassen würde. Im Fitnessstudio würde man mit dem besten Hetero-Freund witzeln, während der Fleischbrocken auf dem Laufband vor sich hinkeuchte.
Rein äußerlich ist Altmaier der, den man nicht haben will, das ideale Mobbing-Opfer! Und für die schwulen Zeitgenossen die ideale Möglichkeit, sich auf seine Kosten gemein zu machen. Vor der Folie des Opfertyps kann man sich elegant als der bessere Homosexuelle beweisen. Wie gut es sich da fügt, dass Altmaier sich nicht nur inhaltlich, sondern schon rein äußerlich zur Zielscheibe anbietet.
© RH / veröffentlicht: 20.7.2012

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