Erster Berliner Gedenkort für eine im Nationalsozialismus verfolgte lesbische Frau

Im Berliner Bezirk Schöneberg, Ecke Eisenacher/Winterfeldtstraße wird künftig an Hilde Radusch erinnert. Vor dem ehemaligen Wohnhaus wird am 22. Juni 2012 Berlins erster Gedenkort für eine im Nationalsozialismus verfolgte lesbische Frau durch Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler eingeweiht. Das Projekt war maßgeblich von „Miss Marples Schwestern“, einem Netzwerk zur Frauengeschichte vor Ort vorangebracht worden. Drei beschriftete Emailletafeln auf verzinktenm Stahl-Gestänge schaffen einen Platz im Stadtraum, der zur „Begegnung“ mit der Kämpferin Hilde Radusch einlädt. Als Gestalterinnen zeichnen die Künstlerinnen Roswitha Baumeister und Anita Meier verantwortlich. Nachfolgend mehr zur Biografie von Hilde Radusch …
Radusch, 1903  in Altdamm bei Stettin geboren, kam mit 18 Jahren nach Berlin. Dort entdeckte sie ihr Lesbischsein, war von 1929 bis 1932 Abgeordnete für die Kommunistische Partei und wurde im April 1933 von den Nazis verhaftet. Nach fünf Monaten wird sie aus der „Schutzhaft“ entlassen, fortan aber von der Gestapo überwacht. 1939 lernt sie dann ihre langjährige Partnerin Eddy kennen. Gewarnt vor einer bevorstehenden Verhaftungswelle im August 1944 verstecken die beiden sich auf dem Land vor den Toren Berlins. Unmittelbar nach dem Krieg tritt Radusch aus der KPD aus, die ihrerseits dafür sorgt, dass diese einen Job beim Bezirksamt verliert: Man hat das Amt über ihr Lesbischsein informiert. 1960 stirbt ihre Partnerin. In den siebziger Jahren schließt sie sich der Frauenbewegung an, beteiligt sich an der Gründung der lesbischen Gruppe L74. 1994 stirbt Hilde Radusch. Sie habe sich niemals als Opfer betrachtet, sondern immer als Kämpferin, gibt die Historikerin Claudia Schoppmann das Motto Hilde Raduschs wieder.
Die ausführliche Biografie, die Schoppmann für das 1993 im Orlanda Frauenverlag erschienene Buch „Zeit der Maskierung. Lebensgeschichten lesbischer Frauen im ‚Dritten Reich'“ verfasst hat, ist auch online nachzulesen.

Termin Einweihung: Freitag, 22.6.2012, 17 Uhr, an der Ecke Eisenacher Straße/Winterfeldtstraße, Berlin-Schöneberg.

RH / veröffentlicht: 15.6.2012; 9 Uhr

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