Bloß nicht als Nachbar? Studie aus Nordirland zeigt, dass Vorurteile gegen LGBT besonders Transgender treffen

In Nordirland hat die Equality Commission (in etwa: Kommission für Gleichbehandlung) ihren Bericht für 2011 vorgelegt. Darin werden die Haltung der Nordiren gegenüber Gruppen wie Frauen, Travellers, Migranten, Menschen mit geistigen/körperlichen Behinderungen und auch Schwulen,  Lesben, Bisexuellen und Transgender abgefragt. Insgesamt beklagen die Macher eine Verfestigung der Vorurteile gegenüber Menschen aus den genannten Gruppen. Gestiegen ist dabei auch die Zahl derjenigen, die angaben, keinen Homo- oder Bisexuellen als Nachbar haben zu wollen. Waren es 2005   noch 14%, bejahten dies von den rund 1100 Befragten in 2011 mehr als ein Viertel, nämlich 27%. Und 42% wollen sie nicht in der Verwandtschaft haben. So zu lesen in der offiziellen Pressemitteilung der Kommission. Nicht schön! Blickt man jedoch in die Studie selbst, steht dort zugleich auch etwas ganz anderes, das vermuten lässt, dass Homo- und Bisexuelle verglichen mit anderen diskriminierten Gruppen insgesamt noch ganz gut dastehen – und dass eher die negative Beurteilung von Transgender wächst und Anlass zur Sorge gibt.
So steht gleich auf der ersten Seite der Zusammenfassung der Studie, dass bei der Befragung stets eine Mehrheit positive Gefühle gegenüber diskriminierten Minderheiten/Gruppen äußerte. Die stärksten negativen Reaktionen gibt es gegenüber Travellers** (30%), Arbeitsmigranten aus Osteuropa (21%) und – Transgender (22%). Hinsichtlich Schwulen, Lesben und Bisexuellen heißt es dagegen, sie seien die einzige Gruppe, gegenüber der ein Rückgang der negativen Haltung zu verzeichnen sei – um 6%, wobei nicht die positive Haltung gestiegen ist, sondern die Zahl derer, die sich „neutral“ verhielten. Und sind es, wie oben genannt, 27%, die Homos nicht als Nachbarn wollen, wird gleich 40% unwohl, wenn sie einen Transgender-Menschen nebenan wähnen. Die negative Meinung überwiegt schließlich bei der Frage, ob man sich sich daran stören würde, wenn ein enger Verwandter eine Transgender-Person heiraten würde. Die Ablehnung liegt bei 53%.
Die Gründe, warum Vorurteile und Ablehnung gegenüber Transgender stärker verbreitet sind als gegenüber LGB, sehen die Verantwortlichen der Studie in einem fehlenden Wissen und einer weitaus geringeren Aufmerksamkeit für das Thema Transgender bzw. für die speziellen Probleme, Lebensweisen etc. von Transgender-Menschen. (RH / veröffentlicht: 14.6.2012; 11 Uhr)

Link: Equality Awareness Survey 2011 (PDF via Internetseite http://www.equalityni.org)

** Zum Begriff der Traveller siehe Wikipedia; grob formuliert, sind „Traveller“ nomadische (Familien-)Verbände, in etwa mit dem vergleichbar, was hierzulande den „Zigeunern“ nachgesagt wird, wobei es keine ethnische Gemeinsamkeit von Travellern und Roma gibt.

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1 Response to “Bloß nicht als Nachbar? Studie aus Nordirland zeigt, dass Vorurteile gegen LGBT besonders Transgender treffen”



  1. 1 What the fuck is LSBTTI? | Steven Milverton Trackback zu Juni 15, 2012 um 6:41 pm
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