„sehr bunt bis kaum bekleidet“ IHK Stuttgart hat nichts gegen Homos, aber gegen ihren CSD!

In Stuttgart suchen die CSD-Organisatoren händeringend und PR-beflissen wie sie nun mal sind nach einem Schirmherren wahlweise einer Schirmherrin für die diesjährige Parade. „Gleichbeschäftigt / Lesben und Schwule aus dem Schrank“ lautet ihr Motto. Damit soll Homosexualität am Arbeitsplatz thematisiert werden und was liegt näher, als einen Vertreter aus der Wirtschaft als Patron zu gewinnen. Bislang allerdings wurden alle gestellten Anfragen negativ beschieden. Auch der PR-Gag einer öffentlichen Stellenausschreibung brachte keine BewerberInnen auf den Plan. Voran das liegen mag? Eine Äußerung des Geschäftsführers der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart gibt erste Hinweise:
Andreas Richter, so der Name des Geschäftsführers, ist die Sache schlicht zu bunt – und zu nackig obendrein. Aus Anlass des CSD in Karlsruhe wird er von den „Badischen Neuesten Nachrichten“ mit der Aussage zitiert, prinzipiell hätten Firmen keine Berührungsängste mit Schwulen und Lesben, ABER bei einer Schirmherrschaft komme es sehr darauf an, wie man auf die Firmen zukäme. „Die Parade mit Leuten, die sehr bunt bis kaum bekleidet sind, ist nichts, mit dem Unternehmen viel anfangen können.“
Die Organisatoren des CSD Stuttgart sahen sich darum genötigt, das etwas einseitige Bild des Herrn Richter zurecht zu rücken. Weder bei der Parade noch bei anderen CSD Veranstaltungen sei die Mehrheit der Teilnehmer ausschließlich bunt oder wenig bekleidet, heißt es in einem offenen Brief. „Mit einer solch pauschalen Bewertung des CSD und der Polit-Parade tun Sie der Vielzahl der gut 3.000 aktiven Parade-TeilnehmerInnen, die das Festival sittlich  bekleidet und mit konkreten gesellschaftspolitischen Forderungen prägen, schlicht Unrecht. Von den BesucherInnen und TeilnehmerInnen der anderen CSD Termine ganz zu schweigen.“
Die Buntheit der heutigen Paraden sei geschichtlich begründet: „Noch vor wenigen Jahren war es nur durch solche farbenprächtigen Kostüme überhaupt erst möglich, Homosexualität und die vorhandenen Diskriminierungen in der Öffentlichkeit und den Medien präsent zu machen. Gleichzeitig ist die Verkleidung teilweise noch immer ein Sinnbild des Versteckens des eigenen Lebensentwurfs im Alltag von Lesben, Schwulen, Transgender, Bi- und Intersexuellen.“
Man wünsche sich, „dass die lesbisch-schwule Bewegung differenziert betrachtet wird und man bei Unklarheiten mit historischen Referenzen und Traditionen nachfragt, statt einfache, oberflächliche Bewertungen vorzunehmen“.
Weiterhin bleibe Herr Richter zu allen Veranstaltungen des CSD in Stuttgart eingeladen, um sich ein vor Ort eine „eigene, fundierte Meinung“ zu bilden.
Die CSD-Parade in Stuttgart findet am 28. Juli 2012 statt. Mehr Infos auf der Internetseite des CSD Stuttgart.

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