„It’s okay to marry gay“ Westerwelles peinliches Lob

Guido Westerwelle hat Obamas Äußerungen zur Ehe-Öffnung für Schwule und Lesben gelobt. In Deutschland begnügt sich der Außenminister derweil mit der zweitklassigen Lösung. Ein Kommentar:

Soviel Unverfrorenheit muss man besitzen – und sie ist typisch für die schizophrene Haltung der Liberalen zur Frage der Homo-Ehe: Guido Westerwelle, seines Zeichens Außenminister, schwul und eingetragen verpartnert, lobt US-Präsident Barack Obama für dessen gestrige öffentliche Unterstützung für eine gleichgeschlechtliche Ehe. Explizit hat Obama gesagt, er habe immer geglaubt, zivilrechtliche Partnerschaften würden ausreichen. Aber nun sehe er, dass auch schwule und lesbische Paare die Möglichkeit haben müssten zu heiraten. Das sei ein mutiger Schritt, kommentiert der deutsche Außenminister und – weil er ja jetzt Englisch kann – hat Westerwelle hinzugefügt: „It’s okay to marry gay!“
Ja, Guido Westerwelle, das finden wir auch! Komisch nur, dass   die Vertreter von Westerwelles Partei am Mittwoch im Rechtsausschuss des Bundestages noch fröhlich gegen einen Gesetzentwurf zur Ehe-Öffnung für homosexuelle Paare gestimmt haben. (Und nur nebenbei sei erwähnt, dass auch das vollmundige Versprechen steuerlicher Gleichheit von Lebenspartnerschaften mit Hetero-Ehen von Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger bereits in den Papierkorb geschmissen wurde – ebenso wie eine Gleichstellung im Adoptionsrecht.)
Für ihren permanenten Verrat schwul-lesbischer Interessen hat die FDP eine gute Ausrede – die CDU/CSU spiele nicht mit. Das stimmt! Aber das weiß man schon seit Jahren – und deswegen muss man nicht marktschreierisch den Großkotz geben, wenn die Realitäten doch klar sind. Die FDP und auch Westerwelle kümmert das wenig. Für jemanden, der bis vor Kurzem noch den Schrankschwulen gab und im Bundestag die durch SPD und Grüne eingeführte Lebenspartnerschaft NICHT unterstützt hat, wagt er sich weit vor. Er lobt Obama für die Unterstützung einer Homo-Ehe, die Westerwelle im eigenen Land konsequent hintertreibt. Welche Schizophrenie!
Vielleicht fällt Westerwelles Hurra ja auch so laut aus, weil er weiß, dass auch in den USA noch viel, viel Zeit bis zu einer Ehe für Homosexuelle vergehen wird. Denn selbst wenn Obama es fertig brächte, die nationale Definition von Ehe auch für homosexuelle Paare umzuschreiben, das letzte Wort haben in den USA die Bundesstaaten. Sie können eigene Gesetz erlassen. Es ist „okay“, wenn sich Guido Westerwelle persönlich mit einer zweitklassigen Partnerschafts-Lösung arrangiert hat, es ist nicht „okay“, wenn er sich nicht aktiv für eine Ehe-Öffnung in Deutschland (!) einsetzt, sondern bloß davon redet – und es ist unverschämt, dass er mit seinem Lob für Obama Lorbeeren für etwas ernten will, für das er selbst nichts tut. (RH)

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