„Geht doch hin,wo euch keiner sieht!“ Wird neue Route zum CSD-Desaster in Berlin?

In Berlin haben die Organisatoren des CSD die Route für die Parade im Juni vorgestellt – und ernten heftige Kritik.  Ein Gastkommentar von Lars Ziethmann:

„Stell Dir vor, in Berlin ist CSD und keiner geht hin.“ So, oder so ähnlich wird es sein, wenn in diesem Jahr am 23. Juni die Demonstration von Schwulen und Lesben unter dem Motto „Wissen schafft Akzeptanz“ stattfindet. Nachdem durch das Zusammentreffen von Fashion Week, Fußball-EM und CSD die traditionelle Route nicht möglich war bzw. durch einen CDU-Stadtrat verhindert wurde, mussten die Organisatoren des Berliner CSD  eine neue Route wählen. Statt der traditionellen Verbindung von Ku’Damm, KaDeWe und Schöneberger Szene verzichtet man in diesem Jahr gänzlich auf schwule Hotspots – es war mal von Alexanderplatz und Unter den Linden die Rede – und lässt die Parade durch größtenteils leerstehende Gewerbegebiete und Plattenbausiedlungen ziehen.
Die Strecke führt von der Prinzenstraße in Kreuzberg über die Gitschiner Straße zur Wilhelmstraße und dann mit ein paar Abzweigungen am Homo-Mahnmal vorbei, überquert östlich des Brandenburger Tors die Straße Unter den Linden, um über die Dorotheenstraße westlich des Brandenburger Tors zu enden.
Das Signal an die Szene ist einfach: „Schwule, geht doch dahin, wo Euch keiner sieht!“
Die Organisatoren sehen sich zwischenzeitlich im Rechtfertigungszwang und versuchen, diese Entscheidung zu vermitteln. Jedoch ist das Echo aus der Szene verheerend. Bei Facebook muss man z.B. lange suchen, um einmal eine positive Resonanz zu finden.  Es ist zwar löblich, dass die russische Botschaft dieses Jahr auch mal wieder im Mittelpunkt stehen darf, aber auch hier werden die Anliegen sicher von niemanden vernommen werden, mangels anwesender Zaungäste, wie sie am Ku’Damm oder Potsdamer Platz üblich waren.
Bleibt zu hoffen, dass die Sponsoren insgesamt dies nicht so sehen. Erste Absagen aufgrund des Sponsorenmangels gibt es schon. Der Verein Big Bears&Buddies e.V., der im letzten Jahr für viel Stimmung sorgte, wird in diesem Jahr aufgrund erneut gestiegener Teilnahmegebühren und eines Totalausfalls von Sponsoren nicht dabei sein. (LZ)

Links: Internetseite des CSD Berlin e.V.

2 Responses to “„Geht doch hin,wo euch keiner sieht!“ Wird neue Route zum CSD-Desaster in Berlin?”


  1. 1 Ben Mai 10, 2012 um 3:39 pm

    Natürlich kann man die Route sehr kritisch sehen, aber wenn man im Berliner CSD etwas mehr sieht als eine reine Spaßveranstaltung, dann ist das eigentlich eine sehr politische Strecke: Topographie des Terrors, Homo-Mahnmal, Holocaust-Mahnmal, Regierungsviertel – das bietet extrem viel Potential für einen CSD im Gedenken an die Unterdrückung der Schwulen und Lesben.

  2. 2 skorpionberlin Mai 10, 2012 um 9:25 pm

    @Ben: Der CSD ist aber eher kein Gedenktag (also in sich gekehrt sein), sondern eine Demonstration (für andere sichtbar sein). Insofern ist die Strecke eine Katastrophe.
    Das Regierungsviertel wird ja auch wohl eher nur aus der Ferne zu sehen sein und am Wochenende ist eh keiner da.
    Gespannt kann man sein, wie sehr der CSD e.V, auch wieder die Abschlusskundgebung vergeigt.
    Die Reden werden eh nur wieder die Leute mitbekommen, die mit dem ersten Wagen ankommen; also wieder keine Chance für die Leute, die den CSD eigentlich bezahlen auf den Trucks mit den höheren Startnummern.


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