Ivan Nagel gestorben

Er sagte von sich selbst, er gehöre „drei Minderheiten“ an – als Jude, als Staatenloser und als Homosexueller. Am Ostermontag ist der Theaterschaffende Ivan Nagel im Alter von 80 Jahren gestorben. Am 28. Juni 1931 in Budapest geboren, musste seine jüdische Familie 1944 vor den Nazis untertauchen, 1948 floh er vor den Repressalien der ungarischen Kommunisten in die Schweiz. In den fünziger Jahren kam Nagel als Staatenloser nach Deutschland. Hier studierte er bei dem Philosophen Adorno in Frankfurt am Main und – wie es die FAZ formuliert – „lebte seine Homosexualität aus, was damals noch existenzgefährdend war. Als 23-Jähriger stand er wegen einer Anklage aufgrund des § 175  auch vor Gericht. Er arbeitete als Journalist und Theaterkritiker, in den sechziger Jahren war er Chefdramaturg an den Münchner Kammerspielen, dann ab 1972 Indendant am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und von 1985-1988 Leiter des Stuttgarter Staatstheaters. Er arbeitete mit berühmten Regisseuren wie Peter Zadek, Luc Bondy oder Claus Peymann zusammen. Er erhielt zahlreiche Ehrungen für sein Wirken, 2003 überreichte ihm Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit das Bundesverdienstkreuz.
In seinem Nachruf für die FAZ nennt ihn Gerhard Stadelmaier einen „der klügsten Köpfe, die das Theater und der mit ihm zusammenhängende Kulturnachdenkjournalismus nach 1945 hervorbrachten“. Verlegerin Unseld-Berkewicz hatte Ivan Nagel in einem „FR“-Artikel zu Nagels 75. Geburtstag wie folgt charakterisiert: „Außenseiter, Einzelgänger, Reizfigur, jüdisch und schwul und frei“. Nagel hat in autobiografischen Gesprächen die zentrale Bedeutung seiner Identität als Homosexueller betont.

Advertisements

Das Buch zum Blog

Archiv

Kreuz-und-queer-Blog