Personalia der Woche: Wer den „Happy Dance“ tanzt und wer die Flinte nicht ins Korn wirft

Ein bekannter Schauspieler tanzt im Wohnzimmer wegen 150.000 Dollar. Ein anderer Schauspieler führt sicher keinen Happy Dance auf, wenn er in der Presse schon wieder lesen muss, er sei schwul. Ein berühmter Modemacher tanzt zwar nicht selbst, sorgt aber dafür, dass eine Teilnehmerin des ESC beim Tanzen elegant gekleidet ist. Die Personalia der Woche beginnen aber mit einem tapferen „Flintenweib“, das die Flinte nicht ins Korn wirft wegen eines dämlichen Beschlusses …

Margret Derksen, Vorstandsmitglied der St. Lambertus Schützenbruderschaft in Rees, denkt nicht daran, sich einen Mann als Königspartner zu nehmen.

Rosa von Praunheim, Filmemacher, erhält für seine Doku „Wir Jungs vom Bahnhof Zoo“ den Grimme-Preis in der Kategorie Information & Kultur.

Michael Ebling, SPD-Politiker, geht als Favorit ins Rennen bei der Stichwahl zum Mainzer OB.

Klaus Wowereit, Bürgermeister von Berlin, hat sich für ein Verbot der NPD ausgesprochen.

Günter Ziegler, Mathematiker FU Berlin, beteiligt sich am Wissenschaftler-Boykott eines Großverlags wegen dessen Preispolitik.

Jens Krauße, Oberbürgermeister von Großharthau, unterlag 2010 bei der Wahl zum OB von Bischofswerda – angeblich wegen eines Flugblatts, das ihn als schwul outete. Der lesenswerte Beitrag der „Zeit“ kommt nicht ohne die Formulierung „bekennender“ Schwuler aus.

Harry Raymon, Schauspieler, erinnert sich an die Zeit im Nachkriegsdeutschland: „Als Jude hatte ich keine Probleme. Eher als Schwuler, weil man denen keine Heldenrollen zutraute“. (Ausstellung im Schwulen Museum Berlin noch bis 1.Mai 2012)

Ringo Rösener, Filmemacher, ist nicht der „Sauna-Typ“, wie er die „Zeit“ wissen lässt.

George „Sulu“ Takei, Schauspieler, freut sich so sehr, dass für ein geplantes Musical „Allegiance“, das das amerikanisch-japanische Verhältnis im 2.WK behandeln soll, mehr als 150.000 $ gesammelt wurden, dass er – mit Erlaubnis seines Ehemannes Brad – den „Happy Dance“ tanzt. Da tun sich unendliche Weite resp. Abgründe auf! Aber okay: Er ist sexy und er weiß es.

Barrie und Tony Drewitt-Barlow, britische Väter, bekamen vor 12 Jahren ihre Zwillinge mit Hilfe einer „Leihmutter“ (das Wort ist irgendwie nicht so nett, mir fällt aber kein anderes ein für „Surrogat-Mutter“) und haben nun ein Zentrum eröffnet, das homosexuelle Paare in Fragen der Leihmutterschaft berät und hilft.

Elio Di Rupo, belgischer Ministerpräsident, angesichts des Busunglücks in der Schweiz, bei dem 22 Kinder und sechs Erwachsene aus Belgien starben: „Wenn man einen Angehörigen verliert, ist es dramatisch. Wenn man ein Kind verliert, gibt es keine Worte.“

Howard Hardiman, Zeichner, hat #5 seines Comics „The Length“ veröffentlicht. Bestellen kann man das neue Heft hier – mehr über ihn gibt es im S.i.e.g.T.-Interview hier.

Daniel Zamudio, 24-jähriger Chilene und Opfer eines brutalen Überfalls (wie in den Personalia berichtet): Während ich über seinen Gesundheitszustand (er wurde von den Ärzten in ein Koma versetzt) keine weiteren Nachrichten fand, immerhin diese: Die Polizei hat vier mutmaßliche Täter verhaftet.

Tyler Clementi nahm sich 2010 mit 18 Jahren das Leben, nachdem ein Kommilitone ihm beim Sex mit einem Mann gefilmt und ihn via Twitter gemobbt hat – nun wurde Dharun R. wegen Einschüchterung schuldig gesprochen. Das gericht wertete das Mobbing als Hassverbrechen.

Jean-Paul Gaultier, Modemacher, ganz in seiner Rolle: Im Clip von Anggun „Echo“, dem französischen Beitrag für den ESC.

Shawn Loftis, wegen seiner Zeit als Porno-Darsteller Collin O’Neal gefeuerter Lehrer, darf wieder arbeiten.

New Yorks irische Lesben und Schwule sind auch in diesem Jahr bei der St. Patrick’S Parade unerwünscht – Aktivisten der „Irish Queers“ sagten, die Parade zur Feier des Nationalheiligen sei zur „Prozession der religiösen Rechten“ verkommen.

Tendenziöses Zwischenreich

George Clooney, Schauspieler, ist laut „Zeit“-Kommentatorin Tina Hildebrandt „vor allem eins: ziemlich clever“. Auf alle Fälle ist er engagiert: Bei einer Demonstration vor der sudanesischen Botschaft in Washington wurde er verhaftet.

John Travolta, Schauspieler, hat mal wieder ein Homo-Gerücht am Hals oder einer anderen Körperstelle. So souverän wie Clooney kann der Gute aber damit nicht umgehen.

UnterstützerInnen

Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury und in diesen Amt u.a. wegen seiner liberalen Haltung zur Homosexualität heftig kritisiert, tritt Ende des Jahres zurück.

Dieter Glietsch, früherer Polizeipräsident von Berlin, ist schon seit geraumer Zeit Ehrenmitglied bei VelsPol, dem Verein lesbisch-schwuler PolizistInnen.

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2 Responses to “Personalia der Woche: Wer den „Happy Dance“ tanzt und wer die Flinte nicht ins Korn wirft”


  1. 1 Fabian F. März 17, 2012 um 6:56 pm

    >>Jens Krauße … Beitrag der “Zeit” kommt nicht ohne die Formulierung “bekennender” Schwuler aus.<<

    Mein schwules Lieblingsportal queer.de befleissigt sich immer der Ausdrucks "offen schwul".

    Gibt es auch "geschlossene" Schwule?

    Und was bitte ist denn nun homopolitisch korrekt?

    LG

  2. 2 RH März 18, 2012 um 12:38 pm

    Auch S.i.e.g.T., was hoffentlich dein schwules Lieblingsblog ist, verwendet „offen“ schwul … Homopolitisch korrekt ist, was Lobby-Verbände durchsetzen, eventuell noch das, was der BLSJ zu diesem Thema vorschlägt und natürlich das, was ICH sage und schreibe 😉


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