Die Gewinner des Teddy Award 2012

Traditionell wurde am Freitagabend, einen Tag vor der Bekanntgabe der Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der schwul-lesbische Filmpreis Teddy vergeben – in den Kategorien Bester Spielfilm, Bester Kurzfilm, Beste Doku. Die Jury vergab einen Spezialpreis und zwei Menschen wurden für ihr Lebenswerk geehrt … 

Bester Spielfilm
Als bester Spielfilm wurde „Keep the Lights On“ (USA 2012; Regie: Ira Sachs) ausgezeichnet. Die in New York spielende Geschichte einer sich entwickelnden Beziehung zwischem Eric, einem Filmemacher (Thure Lindhardt), und Paul, einem Rechtsanwalt (Zachary Booth), nannte die Jury „ein intimes Porträt der Schwierigkeiten beim Aufbauen liebervoller, unterstützender und ehrlicher Beziehungen. Präzise wird dabei die Waage gehalten zwischen genauer Beobachtung und kinematographischer Glanzleistung, so dass der Film universelle Themen mit einer einzigartigen visuellen Bandbreite zum Leben erweckt“.

Beste Dokumentation
„Call Me Kuchu“ (USA 2012; Regie: Malika Zouhali-Worrall / Katherine Fairfax Wright) – Die Doku über den ermordeten David Kato, Ugandas bekanntesten Aktivist für die Rechte von Schwulen und Lesben in einem Land, das immer noch plant, die Todesstrafe für Homosexuelle einzuführen. Aus der Jury-Begründung: „Ruhig beobachtend zeichnet der Film ein Bild extremer Homophobie, christlich-religiösen Fanatismus’ und einer gerade daraus erstarkende LGBT-Gemeinschaft.“

Bester Kurzfilm
„Loxoro“ (Spanien/Peru/Argentinien/USA 2011; Regie: Claudia Llosa) spielt in Lima und schildert die verzweifelte Suche der Mutter Makuti  nach ihrer 19-jährigen Tochter Mía. Diese will, wie es so neutral in der Filmbeschreibung heißt, „auf der Straße arbeiten“. Mutter und Tochter sind Transsexuelle, ihre Sprache heißt Loxoro. Der Jury gefiel „die meisterhaften Art, auf welche der Film das Leben einer kaum beschriebenen Gemeinde beleuchtet und ehrt“.

Spezialpreis der Jury
Auf formaler und narrativer Ebene herausragend, so die Jury, zeige der französische Film „Jaurès“ (Frankreich 2012; Regie: Vincent Dieutre ) den menschlichen Impuls das persönliche und emotionale mit dem politischen abzugleichen. Die Jury ehrt einen außergewähnlichen Essay-Film voller Tiefgang und Schönheit. Eine Art „Kammerspiel“, zeigt er, wie sich die Schauspielerin Eva Truffaut und der Filmemacher Vincent Dieutre in einem Apartment mit Blick auf die Pariser Metrostation Jaurès über die Liebe unterhalten. Das Studio gehört Simon, dem Geliebten des Filmemachers.

Spezialpreis für das Lebenswerk
Einer der beiden  Special Teddy geht in diesem Jahr an die deutsche Filmemacherin Ulrike Ottinger, die „zu einer kulturell und emanzipatorisch inspirierenden Ikone der deutschen Filmlandschaft“ geworden sei. Ihre Filme hätten herkömmlichen Darstellungen „eine Vielzahl von Facetten hinzugefügt, die die Dualismen wie Mann-Frau oder Schwarz-Weiß armselig erscheinen ließen und einer Diversität Raum gaben, die heute zu den prägenden Eigenschaften Berliner Kultur geworden ist“.
Der zweite Special Teddy geht an Mario Montez, den US-amerikanischen Transvestit und Underground-Schauspieler, der vor allem durch die Filme mit Künstler-Regisseur Andy Warhol bekannt wurde. Mario Montez hinterlasse, sagt die Jury, „einen prägenden Eindruck: sein Spiel mit der Identität, die Überhöhung des konservativen Geschlechterrollendiktats erzeugten das Bild einer befreiend-vielgeschlechtlichen Diva“.

Der schwul-lesbische Filmpreis Teddy wurde im Rahmen einer großen Gala zum 26. Male in Berlin vergeben. Wer in der Jury saß, kann man auf der Teddy-Seite nachlesen. Dort auch mehr zu den prämierten Filmen. Ebenso zum Nachlesen:  Die S.i.e.g.T.-Übersicht der schwulen Spielfilme und der queeren Dokus.


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