Der gleiche oder derselbe Kommentar??? Wie ein Artikel bei „Pride1“ grundlegende Fragen zur deutschen Sprache aufwirft

Eine Minute im Deutsch-Unterricht nicht aufgepasst und es hängt einem ein Leben lang nach. Wann heißt es „der gleiche Kommentar“ und wann „derselbe Kommentar“??? Keine Ahnung. Die Frage stellte sich mir allerdings beim Vergleich von Kommentaren auf der Internetseite des schwulen Internet-Radios „Pride1“ und beim Nachrichtenmagazin „queer.de“.
Redaktionell sind die beiden Medien eigenständig, haben also nicht die gleiche Redaktion – ähm, ich meine: dieselbe. Komischerweise steht da trotzdem das Gleiche … tja, oder eben auch dasselbe. Und ich frage mich nun, ob es wohl die gleichen Leser/Hörer/User waren, die da kommentiert haben, oder einfach nur dieselben???
Eine andere Frage, die sich mir stellte, war, ob es ein Zeichen der Professionalisierung der Leser/Hörer/User oder einfach nur ihre Faulheit ist, dass sie bei unterschiedlichen Medien exakt die gleichen / selben Texte als Kommentar von sich geben. Copy & Paste ist ja längst nicht mehr etwas, das Ministern vorbehalten wäre. Es soll ja auch „journalistische“ Redaktionen geben, die sich dieser Methode bedienen.
Gestern, am Dienstagabend, den 7.2., wollte man bei Pride1 wissen, was die Hörer zum Thema „Schwul und rechtsradikal“ denken/meinen. Da wurde „teilweise kontrovers diskutiert“ – und, so ein Zufall, fast so wie bei queer.de eine Woche zuvor …

So zeigte sich „unser Hörer Timo (…) überrascht, dass es überhaupt Schwule Nazis geben kann“. Er schrieb, laut Pride1:

Schwul sein und Priester in der katholischen Kirche ist paradox. aber schwul und Nazi sein, ist unvorstellbar dumm. Den meisten Menschen scheint es zwar paradox und irrsinnig zu sein, dass es überhaupt schwulen Sex unter Nazis gibt, jedoch sollte man sich darüber bewusst werden, dass diese Szene zu ca. 80-90 % von Männern dominiert wird und Frauen hierin kaum vorkommen. Außerdem wird die Neonazi-Szene beschrieben als ein Ort der das Gefühl gibt, eben kein Fremder zu sein, sondern schon dazuzugehören.

Bei Queer.de muss der User-Name Timo schon vergeben gewesen sein. Deswegen wählte er dort wohl den Namen „traurig“. Und er schrieb letzte Woche am Mittwoch, den 1.2., als Kommentar zum queer.de-Beitrag „Zwickauer Zelle: Szenemitarbeiter wegen Terrorverdachts festgenommen“ folgenden Kommentar:

Schwul sein und priester in der rkk ist paradox.
aber schwul und nazi ist unvorstellbar dumm.
er kann sich in die reihe zu alten und neuen schwulen nazis einreihen wie röhm, heines, brückner, kühnen und andere.
„Den meisten Menschen scheint es zwar paradox und irrsinnig zu sein, dass es überhaupt schwulen Sex unter Nazis gibt, jedoch sollte man sich darüber bewusst werden, dass diese Szene zu ca. 80-90 % von Männern dominiert wird und Frauen hierin kaum vorkommen. Desweiteren wird die Neonazi-Szene beschrieben als ein Ort der das Gefühl gibt, „eben kein Fremder zu sein, sondern schon dazuzugehören.“
wie es der schwule Aussteiger aus der Szene Jörg Fischer beschreibt. Dieses Gefühl von Zugehörigkeit spielt für ungeoutete und sich mit ihrer Sexualität unsicher fühlende Schwule eine große Rolle.

Wobei zu beachten ist, dass im queer.de-Kommentar von „traurig“ das Zitat des Szene-Aussteigers immerhin als solches noch kenntlich gemacht wird, während das Timo bei Pride1 dies nicht für nötig hielt. Dafür hat er netterweise „rkk“ (römisch-katholische Kirche) ausgeschrieben.

Und nun die Frage: Ist das jetzt derselbe Text??? Ist das der gleiche User??

Aber auch Hendrik schrieb Pride1 eine Mail, in der er sich einfach eines Textes bediente, den der User „countrybear y42“ (wahrscheinlich war wie „Timo“ auch „Hendrik“ schon vergeben als Username bei queer)  schon am 1.2. bei queer.de gepostet hatte:

Auch wenn ich die Ideologie abscheulich finde, so hat die rechte Kameraderie unter Männern ja durchaus was Homoerotisches. Wenn die dann am Wochende vielleicht noch gemeinsam in Tarnzeug durch die Wälder robben und sich anschließend verschwitzt in den Armen liegen, da kann das ja auf manche durchaus auch anziehend wirken. Auch die Naziästhetik mit ihren formvollendeten Männerkörpern kann doch so manches Schwulenherz höherschlagen lassen. Und das Fahndungsfoto von dem einen aus dem Zwickauer Trio würde sicherlich auch auf Gayromeo des öfteren angeklickt.
Andererseits hat Schwulsein zunächst ja nichts mit politischer Einstellung zu tun. Und wenn
Mann politikfern ist oder ohnehin schon eine rechte Tendenz mitbringt und dann unter Kameraden plötzlich so etwas wie Akzeptanz spürt, kann das aus meiner Sicht sehr wohl verführerisch wirken. Insofern kann ich mir vorstellen, dass es in der rechten Szene mehr Schwule gibt, als man sich das gemeinhin klar macht.

Bei Pride1 liest es sich das ziemlich gleich bzw. selbig:

Hendrik hat uns eine Mail geschrieben. Er kann der Sache zumindest ein sexuelles Interesse abgewinnen: „Auch wenn ich die Ideologie abscheulich finde, so hat die rechte Kameraderie unter Männern ja durchaus was Homoerotisches. Wenn die dann am Wochenende vielleicht noch gemeinsam in Tarnzeug durch die Wälder robben und sich anschließend verschwitzt in den Armen liegen, da kann das ja auf manche durchaus auch anziehend wirken. Auch die Naziästhetik mit ihren formvollendeten Männerkörpern kann doch so manches Schwulenherz höher schlagen lassen. Und das Fahndungsfoto von dem einen aus dem Zwickauer Trio würde sicherlich auch auf Gayromeo des Öfteren angeklickt. Andererseits hat Schwulsein zunächst ja nichts mit politischer Einstellung zu tun. Und wenn Mann politikfern ist oder ohnehin schon eine rechte Tendenz mitbringt und dann unter Kameraden plötzlich so etwas wie Akzeptanz spürt, kann das aus meiner Sicht sehr verführerisch wirken. Insofern kann ich mir vorstellen, dass es in der rechten Szene mehr Schwule gibt, als man sich das gemeinhin klar macht.

Unklar bleibt, ob es Hendrik (vorausgesetzt, es ist der Gleiche wie countrybear y42) selbst war, dem auffiel, dass es nach der neuen Rechtschreibung „des Öfteren“ heißen muss – oder ob das ein hilfreicher Eingriff der Pride1-Redaktion war.

Michael bei Pride1 bzw. einige Tage früher Michael Zg bei queer.de gibt beide Mal als Schlusssatz „Schwul sein schützt vor Dummheit nicht.“ zum Besten. Wie auch weitere Beobachtungen aus der Szene, die er gleichlautend / gleich lautend / in denselben Lauten erst der queer.de, dann Pride1 verrät – und jetzt sparen wir uns, zwei Mal den gleichen / denselben Kommentar zu zitieren!

Geärgert haben sich Leute über den Beitrag von Michael bei queer.de wie bei Pride1. Aber nein, natürlich nicht die Gleichen!!!
Bei queer.de ist „Treeg“ extrafaul und kommentiert einzig und allein mit einem Link „http;//du-sollst-skinheads-nicht-mit-nazis-verwechseln.de“ und macht in der Hektik statt eines Doppelpunktes ein Semikolon bei http. Da war Patrick bei Pride1 schlauer. Er benutzt den gleichen / denselben Link korrekt:

Dazu gibt es auch eine sehr gute Seite im Netz, die einiges zur Aufklärung beitragen kann. Schaut mal auf http://www.du-sollst-skinheads-nicht-mit-nazis-verwechseln.de/ und wer danach immer noch behauptet, dass Skinheads rechts sind, dem kann ich auch nicht mehr weiterhelfen.

Pierre heißt sowohl bei queer.de als auch auf Pride1 Pierre und kann jedesmal die Aufregung nicht verstehen. Bei queer.de gibt er sich am 1.2. noch etwas Mühe:

Ich weiß nicht, wieso man da so entsetzt tun kann?
Natürlich kann eine Schwuler auch rechtsradikal sein.
Und wenn dies lange her ist (wie in diesem Fall), dann muss erst einmal eine Schuld nachgewiesen werden, die nicht der Verjährung unterliegt, bevor man einen Skandal daraus macht.
Hier gilt die Unschuldsvermutung.
Und es wird auch weiterhin radikale Linke und Rechte geben, die schwul sind.

Bei Pride1 macht er’s kurz – vielleicht hat aber auch nur die Pride1-Redaktion gekürzt:

Dann haben wir eine Mail von Pierre bekommen, der die Aufregung um das Thema gar nicht verstehen kann. „Ich weiß nicht, wieso Ihr daraus ein besonderes Thema macht. Natürlich kann ein Schwuler auch rechtsradikal sein. Es wird immer auch radikale Linke und Rechte geben, die schwul sind.“

Immer vorausgesetzt natürlich, dass Pierre bei queer derselbe ist /der gleiche ist wie der Pierre bei Pride1.

Irgendwie ein bisschen schade, dass der kontroverse Meinungswechsel bei Pride1 genauso klingt bzw. sich genauso liest wie die Kommentare bei queer.de eine Woche zuvor! Aber so viele Homos gibt es nun auch wieder nicht in der Welt, die sich überhaupt für Politik interessieren. Es sind halt doch immer wieder die Gleichen … oder dieselben????

Zum Nachlesen: Text bei „Pride1“ (7.2.2012) / Artikel & Kommentare bei Queer.de (1.2.2012)

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7 Responses to “Der gleiche oder derselbe Kommentar??? Wie ein Artikel bei „Pride1“ grundlegende Fragen zur deutschen Sprache aufwirft”


  1. 1 caleb "traurig" Februar 9, 2012 um 12:57 am

    hallo,
    interessant was du da entdeckt hast!
    ich bin user „traurig“ und habe bei queer.de den kommentar verfasst.
    ich habe aber noch nie einen kommentar bei pride1 verfasst, weder unter „traurig“, „timo“ noch unter einem anderen namen…
    ich mache zudem zitate immer kenntlich.
    da wird wohl jemand meinen text, inklusive meines zitats, unzitiert übernommen und das als o-ton timo ausgegeben haben.

  2. 2 Der Selbige von queer.de Februar 9, 2012 um 10:26 am

    Wir hätten die Synopse sicher nicht so schön unbefangen ironisch hinbekommen ohne dabei wie beleidigte Leberwürste zu klingen. Was wir nicht sind, wir waren in der Redaktion eher amüsiert erstaunt über die neue „kreative“ Art der Textproduktion. Danke Rainer, so ist es gleich viel schöner… 😉
    Christian Scheuss

  3. 3 Patrick Februar 9, 2012 um 11:57 am

    Hallo, sehr interessant, diese Zufälle.

    Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich der oben erwähnte Patrick bin, der während der Sendung die Mail ins Studio geschickt hat und habe mit dem ebenfalls oben erwähnten treeg von queer nichts zu tun.

  4. 4 skorpionberlin Februar 9, 2012 um 12:01 pm

    Ich hatte mal das Problem, dass ein User meine Kommentare kopiert hat, z.T. mit persönlichen Erlebnissen und ich die dann bei Tagesspiegel und Spiegel entdeckt habe. Scheint also tatsächliche Spinner zu geben, die keine eigene Meinung haben, aber trotzdem ihren Senf dazu geben wollen. Es sind also nicht immer die gleichen User 🙂

  5. 5 Wiebke Februar 9, 2012 um 3:59 pm

    um deine Bildungslücke zu schließen hilft dir vielleicht das: http://www.youtube.com/watch?v=hePMxBhJK3E

    • 6 RH Februar 9, 2012 um 9:04 pm

      @ Wiebke: Danke für diesen Link!! Werde ich mir jetzt solange angucken, bis ich’s kapiert habe 😉

  6. 7 Thorsten Dütsch - Moderator PRIDE1 Februar 9, 2012 um 6:44 pm

    Hallo,

    zunächst waren wir überrascht über diesen Artikel in diesem Blog, im Laufe des Tages wich die Überraschung großer Verärgerung.

    Wie Recherchen unsererseits am heutigen Tage ergeben haben, hat es hier offenbar ein Hörer/User oder was auch immer besonders gut, oder eben nicht gut, mit uns gemeint. Wir danken diesem Blog für die aufmerksame Berichterstattung.

    Folgende Stellungnahme haben wir soeben im betreffenden Artikel auf unserer Homepage veröffentlicht.

    Liebe Hörerinnen und Hörer,

    in einer früheren Version dieser Themenzusammenfassung aus der vergangenen PRIDE Time waren hier einige weitere Kommentare zu diesem Thema zu finden. Wie sich im Laufe des heutigen Tages herausgestellt hat, hat es hier offenbar ein Hörer, oder auch Nicht-Hörer, besonders gut gemeint und diverse Kommentare der Seite queer.de entnommen und diese uns per E-Mail über das Kontaktformular unserer Homepage als Hörerkommentar in die Sendung gemailt. Wir danken hiermit ausdrücklich dem Blog „Samstag ist ein guter Tag“, dem dieses aufgefallen ist und das öffentlich gemacht hat.

    Zunächst hatten wir vermutet, dass es, wie der Blog auch vermutet hat, die User von queer.de gleichzeitig auch unsere Hörer sind. Das mag sicherlich auch zutreffen und hier mag es Überschneidungen geben. Dass die „Hörermeinungen“ aber nahezu wortgleich per E-Mail bei uns eingegangen sind, hat auch uns stutzig gemacht.

    Da uns die Absenderadressen der vermeintlichen Hörerkommentare vorlagen, haben wir heute die jeweiligen Absender angeschrieben und gebeten, uns zu bestätigen, dass die Kommentare wirklich von ihnen stammen und sie jeweils bei queer.de gepostet und uns per E-Mail zugeschickt haben. Dabei stellten wir fest, dass wir nur eine einzige Hörermeinung verifizieren konnten. Alle anderen E-Mails stammten nicht von den im Kontaktformular angegebenen E-Mail-Adressen. Ganz im Gegenteil: Weder die Seite queer.de noch unser Sender war diesen Absendern bekannt.

    Daher haben wir uns entschlossen, die betreffenden Kommentare hier zu entfernen, auch wenn sie sicher sinnvoll zur Diskussion beigetragen haben. Lediglich unten stehender Artikel stammt von einem „echten“ PRIDE1-Hörer.

    Über die Art und Weise brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Auch wenn wir zunächst überrascht über den Zuspruch zu diesem Thema waren, haben wir uns natürlich gefreut, mit diesem Wochenthema soviele Reaktionen zu erhalten.

    Natürlich wollen wir auch künftig mit unseren Hörern zu Themen, die die LGBT-Szene bewegt, ins Gespräch kommen. Wir können zwar nicht verhindern, dass, wie in diesem Fall geschehen, per Copy&Paste uns die Kommentare geschickt werden, freuen uns aber auf jede ehrliche und echte Mail unserer Hörer und rufen daher dazu auf, uns bitte keine gefakten Kommentare zukommen zu lassen. Dann ist es uns tatsächlich lieber, gar keine Mails zu erhalten. Am Ende kommt es schließlich immer raus.

    Wir legen Wert auf Fairness in der Berichterstattung und haben daher auch keine Probleme, andere Newsportale zu zitieren, wenn sie eine Geschichte früher oder exklusiv haben. Das haben wir in der Vergangenheit so gehandhabt und werden wir auch künftig so umsetzen. Daher hoffen wir, dass die Kollegen von queer.de das sportlich sehen und freuen uns auf eine weitere friedliche Koexistenz.

    Thorsten Dütsch
    Moderator PRIDE1

    09.02.2012, 19:38 Uhr


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