„Reine Mordlust“ Oberstaatsanwalt fordert lebenslange Haft für „Parkplatzmörder“ Detlef S.

Der Prozess gegen Detlef S., der im Sommer 2010 zwei homosexuelle Männer, den 30-jährigen Heiko S. und den 70-jährigen Hans-Friedrich L., umgebracht haben soll (S.i.e.g.T.-Bericht), nähert sich seinem Ende. Heute hielten Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers vor dem Stuttgarter Landgericht. Erstmals ergriff auf der Beschuldigte das Wort – zwei kurze Sätze, die so etwas wie eine Entschuldigung andeuten könnten:
„Sollte jemand hier sein, der annimmt, ich sei der Grund für sein Leiden, dann entschuldige ich mich und bitte dafür um Vergebung. Wenn Menschen ihre Neigung leugnen und in obskuren Subkulturen ausleben müssen, dann sind nicht sie pervers, sondern die Umwelt, in der sie leben.“ (Zitat nach Bericht der „Suttgarter Zeitung“)
Die Formulierung klingt merkwürdig nach dem Titel des Praunheim-Films von 1971 „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.“
Oberstaatsanwalt Albrecht Braun warf Detlef S. vor, ohne Motiv und „aus reiner Mordlust“, aus „aus Zeitvertreib und sportlichem Interesse“ (zitiert nach „Echo Online“) getötet zu haben. Er sprach von einer besonders „ruchlosen und niederträchtigen“ Tat und berief sich dabei auch auf das Gutachten des forensischen Psychiaters. Er forderte lebenslange Haft und sah auch eine besondere Schwere der Schuld – das würde im Falle einer Verurteilung bedeuten, dass der 56-jährige Detelf S. nicht vorzeitig aus der Haft entlassen werden kann. Zudem beantragte er die anschließende Sicherungsverwahrung des Angeklagten.
Ein Anwalt der Nebenklage schilderte das Leid der Hinterbliebenen. „Die dreijährige Tochter des jüngeren Opfers habe ihrer Oma zufolge im Garten auf einen Baum klettern ‚und Papa aus dem Himmel holen‘ wollen“, gibt „Echo Online“ eine Schilderung wieder.
Verteidiger Peter Mende verwies darauf, dass im Prozess zahlreiche Fragen offen geblieben seien. So habe das Motiv nicht ermittelt werden können, es könne im Fall des von Detlef S. attackierten Belgiers (nach den beiden Morden war dies ein Vorfall, der zur Festnahme von Detlef S. führte) kein Tötungsvorsatz erkannt werden. Er bezweifelte eine besondere Schwere der Schuld seines Mandanten und bat, von einer Sicherheitsverwahrung abzusehen.
Alle Medienberichte sprechen von einer eindeutigen Beweislage. Für die Täterschaft Detlef S. sprechen DNA-Spuren an den Tatorten. Ferner wurden Tatwaffe und Munition in seinem Auto gefunden. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden. Aktualisierung: Das Urteil vom 1.2.2012


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