Landeskirche Sachsens lässt verpartnerte Pfarrer nur im Einzelfall ins Pfarrhaus

Die Kirchenleitung der evangelischen Landeskirche Sachsens lässt homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren Lebenspartnern weiter unchristlich im Regen stehen – nur im Einzelfall sollen sie ins Pfarrhaus ziehen dürfen. Das ist das Ergebnis einer Klausurtagung am Wochenende. Bekräftigt wurde stattdessen die „bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann“. In dieser Hackordnung duldet man Homosexuelle nur im Ausnahmefall:
„Die Landeskirche behält sich vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich.“
Der Streit tobt heftig in der sächsischen Landeskirche, so dass man sich an einer Hand abzählen kann, wie oft eine solche „Einmütigkeit“ erzielt wird. Mit dem „Kompromiss“ hat sich eine homophobe Haltung durchgesetzt, wie sie etwa Kirchenvorstände von 121 Gemeinden (von insgesamt 776 Gemeinden) in ihrer „Markersbacher Erklärung“ formuliert haben. Darin hatten sie gefordert, die Regelung von 2001 beizubehalten, nach der „eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird“.
Im Glauben sieht Landesbischof Jochen Bohl kein Problem: „Ich bin sicher, dass homosexuell geprägte Menschen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Kirche verbunden sind, als Schwestern und Brüder im Glauben akzeptiert werden.“ Wenn er sich da mal nicht zu sicher ist. Die Gräben im Streit um den Umgang mit Homosexuellen sind so tief, dass sie nicht einmal in der von der Landeskirche selbst verbreiteten Meldung verschwiegen werden konnten: Der Landesbischof wies „auf die stark gegensätzlichen Auffassungen in der sächsischen Landeskirche hin“. Diese könnten nur durch „gegenseitiges Respektieren und Achten der jeweils anderen Auffassung überwunden werden“.
Im Dezember letzten Jahres hatten 53 Pfarrer aus Sachsen die homosexuellenfeindliche Haltung der Kirchenleitung kritisiert. Die sächsische Wochenzeitung „Der Sonntag“ schätzt die Zahl der eingetragenen Lebenspartnerschaften im Freistaat auf 940.


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