Leichter Rückgang bei Hasskriminalität in Berlin (vermutlich)

Das Berliner Bündnis gegen Homophobie, eine Allianz aus Unternehmen und Organisationen der Bereiche Wirtschaft, Kultur und Sport, hat seinen zweiten Jahresbericht vorgestellt. Darin findet sich auch ein Beitrag von Christian Steiof, Direktor des Landeskriminalamts Berlin, mit Zahlen zur Hasskriminalität gegen Schwule, Lesben und Transgender in der angeblich so liberalen Hauptstadt.
Demnach wurden in den ersten neun Monaten 2011 insgesamt 67 Straftaten erfasst.  Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 98 Fälle. „Ein noch deutlicherer Rückgang ist bei den Gewaltdelikten feststellbar. Sie fielen von 41 auf 22 Fälle im Vergleichszeitraum“, berichtet Steiof. 2010 lag die Zahl der Hassverbrechen bei 109 Fällen. Als Beispiele werden die brutale Gewaltattacke gegen einen Schwulen in einem Park in Moabit im August 2011 genannt, der hasserfüllte Übergriff auf ein Lesbenpaar in der S-Bahn im September sowie die Beschädigung des Mahnmals für die von den Nazis verfolgten Homosexuellen sowie häusliche Gewalt von Eltern, die die Homosexualität ihres Kindes nicht akzeptieren wollen.
Steiof sieht trotz des leichten Rückgangs keinen Grund zur Euphorie. „Nach wie vor ist bei homo- und transphoben Straftaten von einem hohen Dunkelfeld auszugehen. Die polizeilichen Zahlen zeigen also nur einen Ausschnitt der Realität.“
Neben der Bedeutung der nationalen Vernetzung im Kampf gegen Homophobie hebt Christian Steiof den Austausch auf internationaler Ebene hervor. So hätten die Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Berliner Angehörige des Vereins lesbischer und schwuler Polizeiangehöriger zusammen mit der Opferhilfeeinrichtung Maneo Polizeidienststellen und NGO´s in Irland, Israel und Norwegen aufgesucht.

Soweit so gut oder schlecht. Ich würde mir etwas mehr Transparenz der Berliner Polizei hinsichtlich der Verfolgung der Staftaten wünschen. Mit keinem Wort erwähnt Steiof, ob die Täter eigentlich gefasst und verurteilt wurden. Da sieht die Bilanz möglicherweise schlecht aus. Auf Nachfragen zu einem Vorfall im Berliner Tiergarten im letzten Jahr gab es von einer schlechtgelaunten Null-Bock-Polizeisprecherin nur die Antwort, dass Blogs keine Auskunft bekämen. Da könnte ja jeder kommen und was wissen wollen. Wo denn mein Presseausweis wäre? Als auf diesem Blog über die Stürmung Kontrolle einer Bären-Party am Abend des CSD 2009 durch die Polizei berichtet wurde, hatten wir problemlos Auskunft erhalten. Da ging es der Polizei ja auch darum, sich reinzuwaschen und nicht als schwulenfeindlich dazustehen.
Und zu der Beschädigung des Homosexuellen-Mahnmals formulierte die Presseabteilung der Polizei lapidar: „Die Polizisten schrieben eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung.“ Das war’s denn auch.

Link: Der komplette Jahresbericht via Internetseite des Berliner Bündnisses gegen Homophobie (PDF)


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