„Wir wussten von Anfang an, dass er homosexuell war“ – 2. Tag Bradley-Manning-Anhörung

Zu Beginn des 2. Tages der Anhörung über eine Prozesseröffnung gegen den US-Soldaten Bradley Manning wurde der Befangenheitsantrag  gegen den Vorsitzenden Lieutenant Colonel Paul Almanza abgelehnt. Anschließend wurden in Fort Meade zahlreiche Zeugen vernommen, es ging um die Relevanz der von Manning kopierten Akten aus dem Irak-Krieg und auch um Mannings Homosexualität.
David Coombs, Anwalt von Manning, charakterisiert Manning als einen Menschen im inneren Konflikt mit seiner Sexualität. So habe Manning sich in seinem Alter Ego als Frau „Breanna“ gesehen. (In Medienberichten wird darum oft von Mannings Transsexualität gesprochen.) Dahinter steckt die (Anmerk. S.i.e.g.T.: zweifelhafte) Strategie der Verteidigung, dem US-Militär eine Mitschuld an der Enthüllung von Geheimdokumenten zu geben. Sie hätten Mannings seelischen Zustand erkennen müssen und ihn nicht in den Irak schicken dürfen.Annika Kremer von „gulli.com“ kommentiert: „Wahrscheinlicher ist allerdings die vom ‚Bradley Manning Support Network‘ argumentierte Variante, dass Coombs Mannings Probleme als strafmildernde Umstände im Falle einer Verurteilung präsentieren will.“
Bei „Spiegel Online“ findet sich dazu folgende Passage, nach der die sexuelle Orientierung Mannings bei den Ermittlungen nicht im Fokus gestanden habe. „Wir wussten ohnehin von Anfang an, dass er homosexuell war“, zitiert „Spiegel“ die Armee-Ermittlerin Toni Graham.Ein früherer Vorgesetzer Mannings bestätigt, „man hätte Mannings Zugang zum geheimen Netzwerk aussetzen sollen wegen all seiner Probleme“.
Bradley Manning wurde vor anderthalb Jahren verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, geheime Dokumente des US-Militärs an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben zu haben. Ihm droht lebenslange Haft. (Die wegen Geheimnisverrats mögliche Todesstrafe wurde vom US-Militär ausgeschlossen.) Während der Anhörung sind keine Foto- bzw. Tonaufnahmen erlaubt. Es gibt zahlreiche Beobachter, die in Blogs bzw. via Twitter berichten. Eine sehr detailreiche Zusammenfassung der Anhörung mit regelmäßigen Updates findet sich auf Deutsch auf der Internetseite gulli.com. Mittlerweile gibt es auch erste Fotos von Manning, so etwa im „Miami Herald“.
Die Anhörung soll am heutigen Sonntag fortgesetzt werden.
Update 17 Uhr: Laut Magazin „Wired“ sollen die US-Ermittler eine Kopie des Chats von Manning mit dem Hacker Lamo vom Mai 2010 auf Mannings Rechner gefunden haben. Dieser Chat, in dem sich Manning als Quelle der Informationen bezeichnet und der Beziehung zu WikiLeaks-Gründer Julian Assange rühmt, wurde von Lamo den Behörden übergeben, von Seiten Mannings bzw. dessen Anwalt war dieser Chat, in dem sich Manning angeblich selbst belastet, stets als Fälschung bezeichnet worden. (Quelle: Spiegel Online) Sehr gute Hintergrund-Information zu Hacker Lamo und dessen dubiose Rolle in einem Artikel von Detlef Borchers für die FAZ.

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