„Normaler Mensch mit normalem Hobby“ Bildblog veröffentlicht Offenen Brief zur Berichterstattung über den ermordeten Jonathan H.

Gegen die sensationsheischende mediale Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Mord an Jonathan H. wendet sich eine Freundin in einem Offenen Brief via „Bildblog“. Vor einigen Tagen hatte die Polizei im Leipziger Elsterbecken gefundene Leichenteile über eine DNA-Analyse der Person des 23-Jährigen zuordnen können. (S.i.e.g.T.-Bericht) Zeitungen wie „Bild“ oder „Morgenpost“ hatten Fotos des Opfers im Kostüm einer Manga-Comic-Figur veröffentlicht und mit Schlagzeilen wie „Die bizarre Welt des Jonathan H“ oder „Manga-Mord“ versehen. In ihrem Offenen Brief schreibt Nicole B., diese Medien seien   „wie Geier, die auch noch das letzte, was von ihm [Jonathan H.] blieb, vor unseren Augen zerstückeln“.
Weder sei er ein Zeichner noch ein Eigenbrötler gewesen. „Er war auch kein homosexueller Transvestit, der sich prostituierte, wie die ‚Bild’ und ihre Ableger glauben machen möchten!“
Nicole B. wendet sich gegen eine Berichterstattung, die aus einem Hobby, dem Cosplay, also dem möglichst detailgenauen Nachstellen von Comic-Figuren, eine anrüchige, sexuell aufgeladene Vorliebe mache und dadurch dem Opfer eine Schuld an der grausamen Ermordung gebe. „Er war ein normaler Mensch mit einem normalen Hobby.“
Den Brief im Wortlaut kann man via „Bildblog“ nachlesen (und wer „Bildblog“ nicht kennt, es handelt sich nicht um ein Blog der „Bild“-Zeitung, sondern um ein Medien-Blog, das vorallem den Boulevard-Journalismus kritisch kommentiert. Es wurde vom schwulen Journalisten Stefan Niggemeier mitgegründet.)

2 Responses to “„Normaler Mensch mit normalem Hobby“ Bildblog veröffentlicht Offenen Brief zur Berichterstattung über den ermordeten Jonathan H.”


  1. 1 Warum denn? Dezember 9, 2011 um 8:06 am

    hab den brief gelesen und kann da jedem punkt zustimmen! und ich muss da mal noch was draufsetzen, selbst wenn er ein homosexueller transvestit gewesen wäre, der sich prostituiert hätte, wäre die berichterstattung immer noch unter aller sau!!! man stelle sich das mal vor, da wird ein junger mensch – ERMORDET – und ihm werden die arme abgeschnitten. und sie schreiben so ein zeug. mit der berichterstattungen machen sie ihn nicht nur erneut zum opfer (wer möchte schon, das alle welt über sein privatleben erfährt), sonder suggerieren ja fast, er wäre daran schuld. ein glück hab ich diesem menschenunwürdigen schundblatt in den letzten zehn jahren keinen cent geschenkt.

  2. 2 Jakester Dezember 9, 2011 um 2:40 pm

    So verhielt sich das auch zB. bei den ‚Doener-Morden‘.

    Da wurde einer Gruppe Ermordeter einer ehh diskriminierten/unbeliebten Minderheit unverzueglich die Moeglichkeiten einer Mitschuld an ihrem Ableben eingerauemt.
    Ueble ‚Leichenschaendung, oder doch eher das allzugern angewandte Prinzip „un/wuerdiger Opfer“.

    Gruss
    Jake


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