Und noch eine Warnung an alle schwulen Fußballer! Diesmal aus Italien

Der neue Volkssport, schwule Fußballer vor dem Coming-out zu warnen, hat nun auch Italien erreicht. Damiano Tommasi, Chef der italienischen Fußballergewerkschaft, befindet sich nun in der guten Gesellschaft von Ulrike Folkerts (lesbisch), Corny Littmann (schwul) und Philipp Lahm (hetero) oder Manfred Assauer (übersexueller Macho und Freundin-ins-Gesicht-Schlagender). In einer Fernsehsendung sagt Tommasi das oft Gehörte vom Tabu der Homosexualität im Fußball, dass es peinlich wäre, wenn einer als „derjenige, der so ist“, bekannt würde. Das sei auch schwierig, weil man sich in der Umkleidekabine gemeinsam umziehe.
Spätestens hier möchte man laut aufschreien, allerdings nicht gegen Tommasi, sondern gegen die unentwegt wiederholte Heteromann-Befindlichkeit, die in der Homosexualität des anderen nur eine Bedrohung der eigenen, angeblich nicht homosexuellen Männlichkeit sehen kann. Und um das Klischee zu bedienen: Ja, schwule Fußballer würden unter der Dusche nichts lieber tun, als ihre Mitspieler, wenn die sich nach der Seife bücken (Duschgel kennt man ja nicht im Fußball!), von hinten zu nehmen.
Selten ist eine real existierende Möglichkeit, nämlich dass der erste sich outende Profi-Fußballer, mit massiver Repression durch Verein, Mitspieler und Fans rechnen muss, von einer Schar gutmeinender Ratgeber mit einer derart massiven Drohkulisse im Vorfeld versehen worden. Sie betreiben damit, gewollt oder ungewollt, das Handwerk des Männerbund-Wirtschaftssystems Fußball, das, wie es die Soziologin Tatjana Eggeling so treffend sagt, „letzte Reservat der Männlichkeit“.
Was das heißt, kann man an den Wochenenden im Fußballstadion sehen: Hasserfüllte Fangesänge, Unterwanderung von Fanblocks durch „Ultras“, was nichts anderes als gewaltbereite Nazis meint, die durch die Vereine geduldet werden, und massive Gewalt etwa gegen Schiedsrichter und Polizisten. Mit der Eintrittskarte zum Stadion kauft man als Mann das Recht, die männliche Sau rauszulassen. (Den Polizeieinsatz bezahlt im Übrigen die Allgemeinheit!) Da hat man auf eine „echte“ Schwuchtel gerade noch gewartet – in Ermangelung eines „echten“ Homosexuellen ist sowieso jeder, dem man gerade die Fresse polieren will, schwul. Schnell gesagt, kommt in solchen Kreisen immer gut!
Die dauernden Warnungen vor dem Coming-out eines Profi-Fußballers stehen in merkwürdigem Kontrast zu dem immer wieder behaupteten Klima der Toleranz. Ist es Ehrlichkeit oder gezielte Einschüchterung, wenn man sagt: “ Schön, dass du schwul bist, aber das mit dem Fußball kannst du jetzt vergessen!“
Mit dem System Fußball gönnt sich unsere Gesellschaft nicht nur den wirtschaftlichen Profit, sondern auch eine rechtsfreie Zone, die von „Fairplay“ redet, aber tatsächlich extreme Konkurrenz zelebriert, bei der Begriffe wie Gleichberechtigung oder Toleranz regelrecht in den Boden gestampft werden.
Foto: Luca Volpi (via Wikipedia)

2 Responses to “Und noch eine Warnung an alle schwulen Fußballer! Diesmal aus Italien”


  1. 2 Ralf Dezember 3, 2011 um 11:30 am

    Wann endlich hört das ewige Herumgetanze um versteckte Schwule im Fußball auf? Es gibt wahrlich wichtigere Themen, die nicht nur rückgratlose Sportler betreffen, sondern alle Schwulen!


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