„Eine Farce“ Angeklagter im Prozess wegen Mordes an zwei schwulen Männern stellt Befangenheitsanträge gegen psychiatrischen Gutachter und Gericht

Noch ein Nachtrag aus der letzten Woche, da ich halbwegs kontinuierlich über den Fortgang im Prozess gegen Detlef S. informieren will, dem die Ermordung zweier schwuler Männer im Sommer letzten Jahres (S.i.e.g.T.-Bericht) vorgeworfen wird:
Am letzten Donnerstag brach der Angeklagte erstmals sein Schweigen gegenüber den Richtern und stellte den Antrag, dem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht fernbleiben zu dürfen. „Ich möchte nicht mehr an dieser Farce teilnehmen.“ (laut „Stuttgarter Nachrichten“)
Ein Befangenheitsantrag gegen den psychiatrischen Gerichtsgutachter Peter Winckler (ein Porträt findet sich bei „Mainpost“) hatte das Gericht zuvor abgelehnt. Bei der Vernehmung einer Zeugin, die über ihre Liebesaffäre mit Detlef S. berichtete, habe Winckler dies mit den Worten, sie habe da wohl ihren „Traumprinzen“ getroffen, kommentiert – dies empfand Detlef S. als Zynismus.
Dem Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ zufolge, hat die Vorsitzende Richterin Ute Baisch den Angeklagten ermahnt, „sie werde seinen Briefverkehr aus der Haft unterbinden, falls seine Schreiben noch weiter ins Pornografische abglitten. Vermutlich richten sich die Briefe an die Traumprinz-Zeugin“. Daraufhin stellte die Verteidigung einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht, über den allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden wird. Daraufhin bat Detlef S. darum, nicht mehr am Prozess teilnehmen zu müssen.
Im weiteren Verlauf wurde der Hausarzt von Detlef S. befragt, der aussagte, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Morde bereits 10 Jahre von seiner HIV-Infektion wusste, eine Therapie auch ‚erfolgreich‘ verlaufen sei, aber als mögliche Nebenwirkung eine Depression auftrat. Dieses Detail ist insofern relevant, da die Anklage als Motiv „Rache an Schwulen wegen der HIV-Infektion (in Afrika)“ annimmt. 1999 wurde Detelf S. bereits frühpensioniert – wegen Depressionen.
Nächster Prozesstermin ist der 24.11.2011. Weitere Verhandlungen sind noch bis Ende des Jahres angesetzt.

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