Der schwule Nachbar und die Immobilie

Homosexuelle Paare sind gut für die Immobilienpreise oder auch nicht. Es kommt auf die Umgebung an – sagt eine neue Studie aus den USA. Während in einer toleranten, „liberalen“ Nachbarschaft die Anwesenheit homosexueller Paare zur Aufwertung und damit zu höheren Wohnungspreisen führt, passiert in „konservativen“ Vierteln, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe abgelehnt wird, genau das Gegenteil. Ein Paar auf 1.000 Haushalte lasse den Wohnungspreis um ein Prozent sinken.
Die Studie der Wirtschaftsprofessoren David Christafore (Konkuk University, Seoul) und Susane Leguizamon (Tulane University, New Orleans) analysiert den Wohnungsmarkt in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. Dies berichtet das Finanzportal „Bloomberg“ vorab. Basierend auf Zahlen aus dem Jahr 2000 (also vor dem Einbruch auf dem amerikanischen Immobilienmarkt) werden 20.000 Wohnungsverkäufe in Beziehung zu „sozialen“ Daten wie Einkommen, Verbrechensrate, Bildung, ethnische Vielfalt etc. gesetzt. Die Studie soll im „Journal of Urban Economics“ veröffentlicht werden.
Die Studie liefert damit weitere Erkenntnisse für die These, dass schwule und lesbische Bewohner zur Aufwertung eines Viertels beitragen, sowohl hinsichtlich der Lebensqualität als auch hinsichtlich des ökonomischen Wertes. Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort „gayborhood“, eine Zusammensetzung aus „gay“ und „neighborhood“ (Nachbarschaft). Als Gentrifizierung ist das Phänomen auch in deutschen (Groß-)Städten bekannt. Die positive Rolle von Homosexuellen in der Veränderung von Lebensqualität wurde vor allem von dem Soziologen Richard Florida beschrieben.
Die „Vancouver Sun“ zitiert die Mitautorin Susane Leguizamon mit der Aussage, die Studie zeige, dass es nicht nur ein Gefühl sei, ob Schwule und Lesben sich in einer Wohngegend wohl fühlten. „Menschen reagieren auf die Anwesenheit von Schwulen und Lesben auf genau die Weise, die wir erwartet hatten.“ Meint: Wo man ohnehin ablehnend gegenüber Homosexuellen ist, hat Anwesenheit von Schwulen und Lesben negative Auswirkungen, etwa auf die Wohnungspreise; wo man aufgeschlossen ist, wertet man homosexuelle Nachbarn als Verbesserung der Wohnqualität.

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