Prozess gegen „Parkplatzmörder“ fortgesetzt

Beim gestrigen Verhandlungstag im Prozess gegen den sogenannten „Parkplatzmörder“ Detlef S. vor dem Landgericht Stuttgart ging es um dessen sexuelle Orientierung und die Frage, ob es sich bei dem Angeklagten um einen Serienmörder handelt.
Der 56-jährige Detlef S. ist angeklagt, im letzten Jahr zwei homosexuelle Männer, den 30-jährigen Heiko S. und den 70-jährigen Hans-Friedrich L. umgebracht zu haben. (S.ie.g.T.-Bericht) Der verheiratete Angeklagte bestreitet, homosexuell zu sein. Die Wirtin Laura Halding-Hoppenheit gab an, ihn aus ihren schwulen Clubs (Kings Club, Lauras Club) zu kennen. Ein Betreiber einer schwulen Pornokinos sagte aus, dass Detelf S. mehrfach dort gewesen sei. Beide Aussagen gibt „Bild-Stuttgart“ wieder.
Bereits letzte Woche hatte die heutige Ehefrau von Detlef S. berichtet, dass er auf Nachfragen bestritten habe, schwul zu sein. Sie zeichnete das Bild eines liebevollen Ehemanns – zwischen den beiden Morden war das Ehepaar auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt -, doch müsse sie nach 25 Jahren Beziehung sagen: „Ich kenne meinen Mann überhaupt nicht.“ Weiter heißt es in der Berichterstattung der „Stuttgarter Nachrichten“: „Während ihrer Aussage bricht der Angeklagte in Tränen aus und sagt: ‚Es tut mir leid.'“ Nach bisherigen Schilderungen verfolgt Detlef S. den Prozess ansonsten reglos, auch verweigert er jegliche Aussage. Seine erste Ehefrau hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt.
Am gestrigen Montag wurde ein Fallanalytiker des Bundeskriminalamts befragt. Man könne „Merkmale einer Mordserie erkennen“, wird er von der „Stuttgarter Zeitung“ wiedergegeben. Die Opfer des Mörders unterscheiden sich nicht nur in Alter und auch im Umgang mit ihrer Homosexualität, die Tat geschah auch zu unterschiedlichen Zeiten (einmal tagsüber, einmal nachts). Letztlich bleibt als gemeinsames Merkmal nur übrig, dass sie beide auf Autobahnparkplätzen nach Sexpartnern gesucht hatten. Hinsichtlich der Motive blieb der Experte vage, möglicherweise könne in der HIV-Infektion des Angeklagten ein Grund für seinen Hass liegen. „Wir hatten den Eindruck“, so wird der Experte von den „Stuttgarter Nachrichten“ zitiert, „dass wir einen Täter hatten, der unzufrieden ist mit seinem Leben und sich in einer Art Sündenbock-Mentalität in ein Hass-Szenario hineingesteigert hat.“
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.


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