Prozess gegen „Parkplatzmörder“ gestaltet sich schwierig

Im letzten Jahr sorgten zwei Morde an homo-/bisexuellen Männern auf Autobahn-Parkplätzen in Baden-Württemberg bzw. Hessen für Aufsehen. Im Dezember wurde ein der Tat verdächtiger 56-Jähriger verhaftet, im März diesen Jahres erhob die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn (S.i.e.g.T.-Bericht vom 21.3.2011). Doch der Prozess gestaltet sich schwierig, wie nun die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet. Zudem erhebt ein fälschlicherweise verhafteter Mann schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsarbeit der Polizei.
14 Tage saß Roland W. in Untersuchungshaft. Er war im Zusammenhang mit dem Mord an dem 70-jährigen Hans-Friedrich L. auf dem A-5-Parkplatz bei Mörfelden-Walldorf (Hessen) ins Visier der Ermittler geraten. In einem Beitrag der „Stuttgarter Zeitung“ bezeichnet er sich sich als „Bauernopfer“ einer „perfekt inszenierte Imagekampagne der hessischen Polizei“. Roland W. hat Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben, die Festnahme und die mediale Berichterstattung gefährdeten die berufliche Existenz des Unternehmensberaters. Die „Stuttgarter Zeitung“ zitiert zudem eine Richterin mit einer Bemerkung über die Ermittlungen der Polizei: „Die Polizei hat das nicht wirklich gut eruiert.“
Derweil kommt der Prozess gegen den angeklagten Detlef S., einen frühverrenteten Postbeamten aus Esslingen, nicht recht voran. Der Angeklagte schweigt beharrlich. Ein Zeuge aus Belgien, den Detlef S. auf einem Marktplatz in Freudenstadt überfallen haben soll – dieser Vorfall führte letztlich zur Verhaftung von Detlef S. -, ist bislang keiner Ladung des Gerichtes gefolgt. Das wäre aber nötig, denn im Protokoll seiner Aussage vom Juli 2010 beschreibt der Belgier einen Mann mit Tätowierung am Arm. Der Angeklagte Detlef S. ist aber dort nicht tätowiert.
So bleibt nur eine DNA-Spur als Indiz: Eine auf einer von Detlef S. dort weggeworfenen Zigarettenkippe gefundene DNA-Spur fand sich auch am Tatort des Mordes an Heiko S. in Magstadt bei Böblingen im Mai 2010. (Übrigens wurde auch hier von der Polizei gegen einen Unschuldigen ermittelt: Sie hatte zunächst den Mann verdächtigt und inhaftiert, der die Leiche gefunden hatte.)
Die journalistin Frederike Poggel bilanziert die Situation im Prozess in ihrem Artikel für die „Stuttgarter Zeitung“ so: „Es gibt nicht viel, an dem die Richter sich festhalten können.“


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