Offene Flanke Schützenkönig: Wie katholische Fundamentalisten versuchen, Schützenvereine zu Handlangern ihres menschenverachtenden Gedankengutes zu machen

Die unserem demokratischen Grundgesetz entgegenstehende Agitation des fundamentalistischen Kölner Weihbischofs Heiner Koch gegen den schwulen Schützenkönig von Münster findet erfreulicherweise Widerspruch auch aus den eigenen Reihen. Beim Umzug am Sonntag durch Horstmar anlässlich des Landesbezirks-Königsschießen liefen der  44-jährige Schützenkönig Dirk Winter und sein Partner Oliver Hermsdorf Seite an Seite – und nicht, wie Heiner Koch gefordert hatte, hintereinander. Koch ist Bundespräses des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) und hatte in dieser Funktion moniert, dass die katholischen Werte des Bundes durch ein nebeneinander gehendes Schützenpaar gefährdet seien. Schließich gelte die Vorangstellung der Mann-Frau-Ehe. Es sei besonders wichtig, ein „möglichst vorbildliches Ehe- und Familienleben“ an den Tag zu legen. Hier habe das „Sakrament der Ehe eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft“. Alles nur, weil der Schützenkönig von Münster seinen Partner zur „Schützenkönigin“ (mittlerweile Erster Prinzgemahl) auserkoren hatte.
Die „Recklinghäuser Zeitung“ berichtet übrigens von keinerlei negativen Meinungsbekundung beim Umzug. Im Gegenteil. Auch Winters Verein steht hinter ihm, die Zeitung zitiert Bezirksprinz Knapheide mit den Worten „Paar ist Paar, es kommt darauf an, wie man miteinander umgeht und zueinander steht.“
Beim BHDS sucht man derweil verzweifelt nach einem Weg, wie sich der Supergau vermeiden lässt. Dirk Winter gewann nämlich das Schießen am Sonntag und nimmt darum am Bundesschützenfest in Harsewinkel teil. Solle er gewinnen, hätte der Dachverband – der betont, das nichts gegen die Mitgliedschaft homosexueller Männer in den Schützenvereinen spreche – einen schwulen Bundesschützenkönig. Das will man wohl auf alle Fälle schon im Vorfeld vermeiden und erwägt, einem Bericht des Medienportals „Der Westen“ zufolge, ein Startverbot für Winter.
Während aber dieser anti-demokratische Fundamentalismus die Werte durch Aussonderung, Selektion und Diskriminierung zu wahren sucht, sehen das die lokalen Veranstalter des Bundesschützentreffens im September in Harsewinkel ganz anders. Auf ihrer Internetseite ist zu lesen:
„Als Bruderschaft stehen wir zu unserem Leitsatz „Glaube, Sitte, Heimat“. Dies beinhaltet nach unserer Auffassung auch, dem anderen Halt, Schutz und Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft zu geben.“
Ausdrücklich werden ALLE zum Fest eingeladen.
Die Staatssekretärin im NRW-Emanzipationsministerium, Marlis Bredehorst, sprach derweil hinsichtlich des Verhaltens des Bundesverbandes von einem „Akt offener Diskriminierung“. Fragt sich nur, warum gegen einen solchen Akt nicht vorgegangen wird und warum Äußerungen vom Präsidium des Schützenverbandes, die gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstoßen, nicht bestraft werden und wie es möglich ist, dass solche Menschen überhaupt einen Verein leiten dürfen.
Gerade von einem Dachverband von Schützenvereinen sollte man angesicht aktueller Vorfälle wie des Massakers in Norwegen, dessen Täter Mitglied im Schützenverein war, eine Vorreiterrolle in Sachen Toleranz und gesellschaftlichem Miteinander erwarten. Wer eine Lappalie wie einen schwulen Schützenkönig plus Partner mit reaktionärem Geraune von einer Gefährdung von „Heimat“ auflädt, der schafft dumpfes Ressentiment. Wer eine öffentliche Degradierung von Homosexuellen fordert, der will das Bild vom „Minderwertigen“ mit allen Folgen, die dieses zeitigt, aufrechterhalten.  Das Verhalten des BHDS  ist ein gutes Beispiel, warum die Debatte um schärfere Gesetze gegen Schützenvereine nötig ist.
Dem Schützenkönig Dirk Winter ist merklich nicht ganz wohl zwischen den Stühlen und inmitten der um ihn und seinen Partner entbrannten Debatte. Er betonte im WDR, dass er habe niemanden provozieren wollen. „Ich wollte nur, dass ich mit meinem Freund gemeinsam marschiere. Wir sind seit 15 Jahren ein Paar, dann wollen wir natürlich auch etwas gemeinsam machen.“
Aber nicht Homosexuelle müssen sich rechtfertigen, schon gar nicht für die gesetzlich verankerte Lebenspartnerschaft, sondern die, die meinen, Homosexuelle ausgrenzen und degradieren zu müssen.

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