Rudolf Brazda gestorben

Rudolf Brazda ist am 3. August im Alter von 98 Jahren verstorben. Brazda war vermutlich der letzte Überlebende aus der Zeit der Verfolgung von Homosexuellen durch die Nazis. Geboren am 26. Juni 1913 in Thüringen, wurde er im April 1937 in Leipzig erstmals aufgrund des § 175 angeklagt: Als Beweise galten sein „typisches Aussehen“ und Liebesbriefe. Er wurde zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt.
Vier Jahre später erneut verhaftet, wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Dort war er einer von 650 schwulen Inhaftierten. Der brutalen Arbeit im Steinbruch entging Brazda, weil ein Aufseher ein Auge auf ihn geworfen hatte und ihm eine Tätigkeit in der Sanitätsbaracke verschaffte. Am 11. April 1945 wurde das Lager von den Alliierten befreit. Brazda zog nach Mulhouse, wo er dann seinen Lebensgefährten Eduard kennenlernte.
Als im Mai 2008 das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin eingeweiht wurde, glaubte man, dass es keine Überlebenden dieser Zeit mehr gäbe. Doch die Nichte Brazdas meldete sich. Ihr 95-jähriger Onkel wurde daraufhin nach Berlin eingeladen und nahm zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister und dem Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse an einer Gedenkfeier teil.
Im April letzten Jahres hatte Brazda die höchste Auszeichnung Frankreichs, den den Orden der Ehrenlegion, erhalten. Da lag er bereits in einem Krankenzimmer in seiner elsässischen Wahlheimat.
Dort ist er friedlich im Schlaf verstorben, wie es in einer von „queer.de“ zitierten Stellungnahme von Angehörigen heißt. Brazda soll in der nächsten Woche auf eigenen Wunsch eingeäschert, seine Überreste neben denen seines Lebenspartners Eduard verstreut werden.

2011 erschien eine von Alexander Zinn verfasste Biografie unter dem Titel „Das Glück kam immer zu mir“ im Campus Verlag.

Foto: Aus dem Dokumentarfilm „Das Glück kam immer zu mir“ (2009/2010)


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