Adoptionsrecht für Lebenspartner – Anhörung im Bundestag

In einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschuss des Bundestages hat sich eine Mehrheit der geladenen Experten dafür ausgesprochen, Lebenspartnern die gemeinschaftliche Adoption zu ermöglichen. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Grünen (17/1429) war Grundlage der Anhörung am Montagnachmittag. Bislang ist nur die sogenannte Stiefkindadoption erlaubt, also die Adoption eines leiblichen Kindes des einen Partners durch den anderen.
Nina Dethloff vom Institut für Deutsches, Europäisches und internationales Familienrecht an der Universität Bonn sagte, das geltende Verbot widerspreche dem Kindeswohl. Der Berliner Rechtsanwalt Dirk Siegfried sah keine Grundlage für eine Privilegierung der Ehe gegenüber Lebenspartnerschaften. Ebenso beurteilte dies Constanze Körner vom LSVD. Professor Herbert Grziwotz von der Universität Regensburg nannte das Modell der Ehe „obsolet“. Es käme darum bei Adoptionen ausschließlich auf das Wohl des Kindes an. Professor Klaus F. Gärditz von der Universität Bonn bezweifelte, dass dies die Intention des Gesetzesentwurfs sei. Es ginge darum, Ehe und Lebenspartnerschaft anzugleichen. Das Adoptionsrecht sei kein Instrument zum Abbau gesellschaftlicher Diskriminierung. Professor Bernd Grzeszick vom Institut für Öffentliches Recht, Verfassungslehre und Rechtsphilosophie von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg äußerte sich ebenfalls ablehnend und betonte das exklusive Recht der Ehe auf Fremdkindadoption. Bei Lebenspartnerschaften bestehe die Gefahr von Ablehnungen und Stigmatisierungen.
(Quelle: hib/gekürzt)


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