„h-o-m-o“ ESC-Blogger Martin Schmidtner im Interview

Der Eurovision Song Contest, einstmals Grand Prix d’Eurovision de la Chanson, wird am Samstag – wir verweisen auf den Titel unseres Blogs – in Düsseldorf seinen Höhepunkt erreichen und hoffentlich viele erregte Gemüter befriedigen. Martin Schmidtner bloggt zusammen mit seinem Partner Marc Schulte für den „vorwärts“ vom Eurovision Song Contest und wie schon im letzten Jahr hat er sich trotz des Trubels Zeit genommen für ein kleines Interview mit S.i.e.g.T. über den Unterschied zwischen Berlin und Dü’dorf, h-o-m-o-Journalisten und seine privaten Favoriten …

Wie fühlt es sich an, vom armen, aber sexy Berlin ins reiche, aber langweilige Düsseldorf versetzt worden zu sein?

Martin Schmidtner: Bereits am ersten Tag begrüßte uns in einem Postkartenständer eine Postkarte mit der Aufschrift ‚Schön+reich+sexy=Düsseldorf‘. Aber tatsächlich ist es zurzeit alles andere als langweilig und viel Zeit für die Stadt selbst hatten wir noch nicht. Immerhin ist es am Rheinufer ganz ausgesprochen schön und der Fernsehturm ist auch einen Besuch wert.
Aber der gestrige Stadtempfang des hiesigen Oberbürgermeisters war ein Kapitel für sich. Weniger, weil man uns vom „vorwärts“ im Büro des CDU-OB einfach ignorierte – damit lässt sich gut leben –, aber dass die Fans, von denen der ESC schließlich lebt, draußen vor bleiben mussten, damit der OB seine Honoratioren unterbrachte: das war für die Stadt schon mehr als peinlich und hat viele verärgert. (Mehr dazu auch in Martins Blog)

Dein Kollege Jan Feddersen nöhlt, der „Underground der Urgemeinde“ sei vom Mainstream aufgesogen worden. Du Armer, bist du jetzt von saufenden Gröhl-Heteros umgeben?

Martin Schmidtner: Wenn ich die Altstadt betrete, dann ist das so. Aber beim ESC kann man nicht beides haben: plüschige Kuscheligkeit und ein modernes Image. Wir haben jahrelang lamentiert, dass der ESC doch viel besser sei als sein Ruf und die meisten Menschen ihn nur nicht verstünden. Und kaum ist er im eigenen Land und es interessieren sich mehr als ein paar Schwule dafür, wird auch gejammert.
Doch so weit wie befürchtet, ist es eh noch nicht. Heute im Shuttlebus fuhr ein junger Journalistenkollege mit, der für irgendeine Zeitung akkreditiert und zum ersten Mal beim ESC ist. Er tuschelte in sein Handy: ‚Du kannst Dir das hier gar nicht vorstellen. Ich rede mal lieber nicht so laut, weil einige hier deutsch verstehen, aber ich sag nur: alle, wirklich alle Journalisten hier sind h – o – m – o! Das ist der absolute Wahnsinn.‘
Und Dana International kalauerte in ihrer Pressekonferenz: ‚Woran liegt es wohl, dass einen hier alle Journalisten nach Fingernagelfarbe, Make-Up und Kleidung fragen? Es liegt daran, dass sie nicht straight sind.‘ Soviel dazu.

Ein Wort zu unserer Lena, die nicht gewinnen wird …

Martin Schmidtner: Ich bin mir da nicht so sicher. Ich halte einen erneuten Sieg für Lena mit „Taken by a Stranger“ keineswegs für ausgeschlossen. Ihre Vermarktung durch Brainpool nervt gewaltig und geht allen mächtig auf den Geist, ihr Rückhalt bei den ESC-Fans schrumpft gewaltig

Homo-Radar an: Wen muss man sich angucken?

Martin Schmidtner: Die Jungs von Blue („I can“) aus Großbritannien sind schon ansehnlich. Und die Dänen sind eine ganz niedliche Band. Aus Lettland kommen zwei Jungs, die gute Musik machen – Musiqq „Angels in Disguise“ – und natürlich ist da Glen Vella aus Malta, der wahrscheinlich schwulste Beitrag in diesem Jahr. In den Achtzigern wäre das die Homohymne geworden.

Und Dana International ist als Diva umwerfend, wenn auch der Song nicht wirklich zündet. Der trashigste Beitrag kommt aus Irland – die beiden Jungs sind hochintelligent und machen eine großartige Show.

Deine drei persönlichen Favoriten – musikalisch!!!

Martin Schmidtner: Was impliziert die Frage? Als ob ich auf etwas anderes als die Musik achten würde! 😉 Tatsächlich habe ich diesmal mehr als drei Favoriten, aber wenn ich auswählen muss sind es Ungarn, Dänemark und Zypern.

   

Und jetzt, kurz und knapp, für Leute wie mich, die den ESC nicht gucken wollen: Wer gewinnt?

Martin Schmidtner: Das weiß ich nicht. Müsste ich Geld setzen, dann sicher auf  Irland (Jedward „Lipstick“). Zunächst hielt ich auch Aserbaidschan (Ell/Nikki „Running Scard“) für einen Favoriten, aber nach deren Auftritt bei der Generalprobe eher nicht mehr. Gute Chancen sehe ich auch für Paradise Oskar mit „Da Da Dam“ für Finnland.

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