Schwule Welt: Wo es mit gleichen Rechten vorangeht und wo nicht

Internationale Meldungen dieser Woche: Das brasilianische Oberste Gericht hat die Rechte homosexueller Paare gestärkt. In Rom verzettelt man sich juristisch im Klein-Klein sexueller Details, in San Francisco endet ein weiteres Stück schwuler (Leder-)Geschichte sowie Nachrichten aus der Türkei und Ägypten.

Der Oberste Gerichtshof Brasiliens hat eingetragenen Partnerschaften von Lesben und Schwulen die gleichen Rechte zuerkannt wie verheirateten heterosexuellen Paaren. Sie dürften in Angelegenheiten wie Rente, Erbschaften oder Adoptionen von Kindern nicht benachteiligt werden. Eine gleichgeschlechtliche Ehe, wie es sie in Südamerika bislang in Argentinien und Mexiko City gibt, verlangten die Richter nicht. Marcelo Cerqueira von der Aktivistengruppe Gay da Bahia nannte die Entscheidung der zehn Richter (ein elfter Richter enthielt sich) einen „historischen Moment für Brasilien“. „Dieses Urteil wird unsere Situation in der Gesellschaft verbessern. Schwule, Lesben und Transsexuelle werden mehr anerkannt, unsere Rechte respektiert werden.“ Die Richterin Maria Berenice Dias erklärte, laut einer AFP-Meldung, die Anerkennung eingetragener Lebenspartnerschaften sei – solange es kein Gesetz für eine gleichgeschlechtliche Ehe gibt – „das Beste, was zu erwarten war“.

Weil er in einer Julinacht 2007 vor dem Kolosseum in Rom Oralverkehr praktiziert haben soll, ist ein Schwuler in Rom  zu 2.000 Euro Strafe verurteilt worden. Dagegen will er nun Berufung einlegen. Er und sein Partner hätten sich lediglich geküsst. Italienische Polizisten wollen mehr gesehen haben. In diesem Jahr findet der Euro Pride in Rom statt – und der Trailer zeigt ein sich küssendes Gladiatorenpaar im … Kolosseum!

Das „Eagle“, eine traditionsreiche Lederbar in San Francisco, musste nach 30 Jahren schließen. Die Betreiber sahen sich angesichts einer Mieterhöhung um 20 Prozent dazu gezwungen. Verhandlungen mit dem Vermieter blieben ergebnislos.  hat dicht gemacht.

Die Türkei hat insgesamt 138 Begriffe bei der Verwendung in nationalen Internetadressen als „anstößig“ verboten. Dazu zählen neben englischen Begriffen wie fetish, escort oder hot auch türkische Begriffe wie gey (schwul) oder ciplak (nackt). Anbietern, die diese Wörter verwenden, droht die Sperrung.

In einem Interview mit der „Jungle World“ berichtet ein schwuler Ägypter über die Situation für Lesben und Schwule in seinem Land. Kairo sei „kein guter Ort, um als Schwuler zu leben“. Der 25-jährige Hassan R. gibt auch Auskunft über die Vorgänge auf dem Tahrir-Platz während der Bürgerproteste. „Ein bekannter ägyptischer Schauspieler hatte sich vom ersten Tag an dem Protest angeschlossen und war von allen dafür gefeiert worden. Dann kam heraus, dass er schwul ist – und er wurde vom Platz gejagt.“

2 Responses to “Schwule Welt: Wo es mit gleichen Rechten vorangeht und wo nicht”


  1. 1 Hans-Georg Mai 6, 2011 um 9:40 am

    Wie unterschiedlich Brasilien, Türkei und Kairo doch sind bzw. wie fortschrittlich Brasilien doch ist.

  2. 2 Sandra Mai 6, 2011 um 11:29 am

    In Deutschland dürfen Homosexuelle ja leider noch keine Kinder adoptieren. Bin mal gespannt, was hierzu am Montag bei „Eins gegen Eins“ (Sat1; 22:30 Uhr) diskutiert wird. Denke mal, dass das eine spannende Diskussion werden könnte.


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