„Schade und ärgerlich“ Oliver Bierhoff kritisiert Missbrauch der Nationalelf für Homo-Thematik

In Deutschlands Schwulen-Postille Nr. 1, der „Bild“, hat sich Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalelf, verärgert über den am Sonntag ausgestrahlten „Tatort“-Krimi gezeigt. Darin war das Thema Homosexualität im Profi-Fußball aufgegriffen worden, am Schluss kommt es zum fiktiven Coming-out eines Fußballspielers. Nachdem es anfänglich viel Lob und eine hohe Einschaltquote für den „Tatort“ gegeben hatte, melden sich nun kritische Töne. Stein des Anstoßes ist vorgeblich eine Äußerung des sich outenden Fußballers gegenüber der Kommissarin, gespielt von Maria Furtwängler, im Film: „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“ Und genau das ärgert Oliver Bierhoff. Wörtlich gibt „Bild“ ihn wieder: „Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen. Dieser Satz im ,Tatort’ hatte ja keine inhaltliche Relevanz.“ Er werte dies als einen „Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalelf“. Und man denke auch bereits darüber nach, sich zu wehren: „Wir werden jetzt grundsätzlich bei der Nationalelf überlegen, wie wir mit solchen Dingen umgehen. Dass wir nicht wehrlos sind gegen Gerüchte und falsche Unterstellungen aller Art.“
Auch DFB-Chef Theo Zwanziger, auf dessen Anregung der „Tatort“ überhaupt erst zustande gekommen sein soll, bedauert die „unnötigen Randbemerkungen“, durch die von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt werde. Es sei ihm völlig egal, welche sexuelle Orientierung ein Nationalspieler oder eine Nationalspielerin habe. Eine Aussage, die man vielleicht einmal mit Zwanzigers Vorgehen im Fall Amerell und den Vorwürfen gegen ihn wegen der sexuellen Belästigung eines Schiedsrichters bewerten sollte.

4 Responses to “„Schade und ärgerlich“ Oliver Bierhoff kritisiert Missbrauch der Nationalelf für Homo-Thematik”


  1. 1 Lars März 25, 2011 um 11:14 am

    Der Tatort war harmlos und der zitierte Satz stammt ja aus einem Gespräch, in dem ein Fussballer die Gerüchte um Homosexualität im Fussball eher ins Lächerliche gezogen hat.
    Dass daraus Herr Bierhoff einen Angriff auf sich selbst und seine Familie sieht, lässt ja sehr tief blicken.

    Insgesamt kann man sagen, dass dieser Tatort leider viel zu viele Dinge vergeigt hat, hätte ein guter Film werden können, wenn man bessere Drehbuchautoren rangesetzt hätte.

  2. 2 Martin Munz März 25, 2011 um 12:27 pm

    Da liegen wohl die Nerven blank bei dem netten Herrn Bierhoff, zumal er sich auf eine Szene bezieht, die eindeutig ironisch gemeint war. Wenn ich mich richtig erinnere, stammt das Zitat gar nicht von der Kommissarin, sondern von ihrem ungläubigen Kollegen, der bloß nichts auf seine Fußball-Idole kommen lassen möchte. Nach dem Motto: Gerdet wird viel, aber nichts ist dran.
    Nachzusehen hier (aus Gründen des Jugendschutzes nur zwischen 20 und 6 Uhr, deshalb kann ich es nicht gleich nachprüfen):
    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6763586
    Wenn eine solch läppische Szene bei Herrn Bierhoff Panik-Schübe auslöst, dann kann es mit der von Herrn Zwanziger oft formulierten Offenheit des DFB bezüglich schwuler Fußballer nicht weit her sein. Wenn er jetzt ankündigt, dass sie in der Nationalmannschaft grundsätzlich überlegen wollten, wie sie „mit solchen Dingen umgehen“, dann kann man nur an ihn appellieren: Zeigt Offenheit und Toleranz und macht durch unnötiges Pitbull-Gebeiße schwulen Fußballern das Coming-Out nicht noch schwerer.

  3. 3 jojo März 25, 2011 um 8:16 pm

    Lippenbekenntnis – aber richtig!

    Sie haben eine eindeutig homophobe Äußerung gemacht und es natürlich auch so gemeint? Dummerweise ist das an der falschen Stelle veröffentlicht worden und nun merken Sie, wie die öffentliche Stimmung gegen Sie zu kippen droht? Sie müssen befürchten, ihr Ansehen / Sponsoren / Anzeigenkunden zu verlieren? Also gut, da führt an einer öffentlichen Entschuldigung kein Weg mehr vorbei.

    Aber wie macht man es richtig? Hier ein kleiner Ratgeber:

    1. Die einleitende Klarstellung, dass Sie nicht wirklich etwas Falsches gesagt haben:
    „Ich bedaure, wenn meine Aussagen missverstanden worden sind.“
    Mit anderen Worten: Wer zu doof ist, zu kapieren, was Sie sagen wollten, hat selber Schuld.

    2. Der Mimosen-Vorwurf:
    „Es tut mir leid, wenn sich jemand verletzt gefühlt hat.“
    Die Botschaft: Diese weinerlichen Schwuppen sollen mal nicht gleich so zicken. Die objektiv ausgesprochene Beleidigung wird geschickt in ein subjektives „Gefühl“ umgedeutet.

    3. Das zentrale Lippenbekenntnis bei gleichzeitiger Täter-Opfer-Umkehr:
    „Ich habe keine Vorurteile gegen Homosexuelle und bin absolut gegen jegliche Diskriminierung.“ Dieser Satz ist unbedingt erforderlich. Erstens löst er ein reflexhaftes Kopfnicken aus und zweitens kann man damit so tun, als sei es eine Zumutung, eines politisch unkorrekten Gedankens beschuldigt zu werden. Und schon ist man selber das eigentliche Opfer! Super, oder?

    4. Die ultimative Distanzierung bei gleichzeitigem Anschleimen:
    „Meine Frau und ich haben viele schwule Freunde.“
    Damit ist sicherheitshalber noch mal die eigene sexuelle Orientierung klargestellt. Da hiernach aber niemand gefragt hatte, können Sie gleichzeitig zwischen den Zeilen noch einmal ausdrücken, dass Schwulsein ein Makel ist, von dem man sich unbedingt distanzieren muss. Die Formulierung „Freunde“ suggeriert kühn, dass Sie diesen Kreaturen womöglich die Hand geben oder sie sogar in Ihr eigenes Haus hineinlassen würden. Aber wer prüft das schon nach? Schwer zu beweisen, dass etwas NCHT existiert, nicht wahr? Har har har!

    5. Die hohe Schule:
    „Und meine schwulen Freunde finden auch, dass…“
    Damit können Sie sich jede erneute Unverschämtheit und beliebiges Nachtreten erlauben. Schließlich darf ja keiner in Frage stellen, was „Schwule selber“ sagen – schon wegen der Homo-Meinungsdiktatur und so…)

    Aber niemals, niemals, niemals dürfen Sie sagen:
    „Ich bitte um Entschuldigung. Was ich gesagt habe, war falsch.“

    Lernen? Fehler eingestehen? Wie schwul wäre das denn?


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