„Umbenennung nicht vermittelbar“ Christopher bleibt Christopher beim CSD in München

Der PR-Gag der CSD-Organisatoren in München hatte sich in einen PR-Gau verwandelt: Statt Christopher sollte mit Christina die lesbische Seite der Homosexuellen-Parade betont und darum einmalig für 2011 zum Christina Street Day aufgerufen werden. Jetzt rudern die Veranstalter Sub, LeTRa, Münchner Aids-Hilfe und Rosa Liste München zurück. Das Motto lautet nun „Gemeinsam für uns alle“.
Der „Etikettenwechsel“,so der schwule Stadtrat Thomas Niederbühl (auf der Internetseite des CSD München – der Text ist mittlerweile durch einen anderen ersetzt, der auf die Auseinandersetzung nicht mehr eingeht.) , habe „neben Zustimmung und sachlich konstruktiver Kritik auch zu heftigen Diskussionen und offener Ablehnung in der Szene geführt“. Er kritisiert eine „bedenkliche Aggressivität“, die sich auf Facebook und auf queer.de gezeigt habe. Es habe die Organisatoren erschreckt, wie die Debatte um den Namen auch mit massiver verbaler Gewalt, Abwertung, persönlichen Angriffen und großer Lesbenfeindlichkeit geführt wurde.
Die historischen Stonewall-Unruhen und der Christopher Street Day seien für viele immer noch identitätsstiftend. „Die einmalige Umbenennung ist deshalb nicht vermittelbar. Es macht keinen Sinn, sich weiter um einen Namen zu streiten, Grabenkämpfe zu führen und die Szene zu entzweien. Schließlich sind wir in München doch mit der schwul-lesbischen Zusammenarbeit, die jetzt mancher Kritiker in Frage stellt, schon viel weiter.“

3 Responses to “„Umbenennung nicht vermittelbar“ Christopher bleibt Christopher beim CSD in München”


  1. 1 honigbaerli März 11, 2011 um 7:29 pm

    Gut so! Weihnachten und Ostern kann man ja auch nicht einfach umbenennen. Der CSD Zürich wurde ja auch umbenannt, aber zumindest ist hier noch das Wort „pride“ drinnen!

  2. 2 leberwursti März 12, 2011 um 12:05 am

    hach noe mir wirds so warm ums christophle, nee. punkt. schwammerle mits christophle, okee, achnee oscarlee ochee, juchee, oscarlee, oder?

  3. 3 LeV März 13, 2011 um 8:29 am

    Ich habe die Debatte um den CSD in München selbst nicht mitgekriegt, finde es als Frau aber natürlich schade, wie wenig der Präsens von Frauen in der Homoszene Rechnung getragen wird. Auch hier scheinen nach wie vor patriarchale Denkweisen vorzuherrschen. Das ist traurig.

    Ich selbst war schockiert, dass mir Aggressivität, Hass und Diskriminierung aus der Schwulenszene entgegenschlugen, als ich alternative Beziehungsmodelle, offene Beziehungen, die Abschaffung der Ehe, bzw. Einführung von Mehrfachehen in einem schwulen Blog diskutieren wollte. Da wurde jahrelang gegen die Unterdrückung individueller homosexueller Lebensentwürfe gekämpft. Aber die, für die gekämpft wurde, können nicht über den Tellerrand hinausgucken. Da steht nicht ein allgemeines Ideal, ein Kampf für allgemeine Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung dahinter, sondern purer Egoismus – sobald es mir gut geht, ist mir alles andere egal, werde ich sogar selbst zum Unterdrücker. Es ist mir unbegreiflich, wie konservativ, traditionsverhangen und maskulinistisch einige schwule Männer doch noch sind, wie wenig sie offenbar ihre eigene Ausbruchssituation im gesamtgesellschaftlichen Kontext reflektieren. Anders kann ich mir solche Ablehnungshaltung, solche Denkbegrenzung nicht vorstellen.

    Warum denn nicht Ostern oder Weihnachten umbenennen? Warum nicht ein Christina Street Day? Für mich spricht da nichts dagegen und mir fallen als Argumente höchstens konservative Allgemeinplätze ein: Wo kämen wir denn da hin? Wenn das jeder machen würde!


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