„Es muss niemand Angst haben, von mir angemacht zu werden“ – Der schwule Politiker und das Parlament

Der 44-jährige Schweizer Politiker Thomas Fuchs rückt für seine Partei SVP in den Nationalrat, das Parlament der Schweiz, nach und wird dort der erste offen schwule Politiker seiner Partei. Er ersetzt den in den Ständerat gewählten Adrian Amstutz. In seiner konservativ-rechtspopulistischen Partei ist Thomas Fuchs ein irritierender Fremdkörper. Schwule und Lesben mag man in der Partei, die ihre Wahlkämpfe erfolgreich mit der Angst vor „Überfremdung“ und „Islamisierung“ betreibt, nicht so wirklich. Die Jugend-Abteilung der SVP verschickte 2009 am Tag gegen Homophobie eine Mitteilung. Homosexualität, so stand darin, richte sich „gegen die Familie, den Ort des Fortbestandes des menschlichen Geschlechts und also auch des Überleben einer Nation“. Der SVP-Politiker Ulrich Schlüer zieht gegen die Erwähnung von Homosexualität in Schulbüchern zu Felde. Der Versuch, trotz alle dem eine Gay-SVP-Gruppe ins Leben zu rufen, scheiterte an der Parteiführung – und wurde von Thomas Fuchs kritisiert. „Wir Schwulen müssen uns organisieren, so wie es auch die Bauern tun“, sagte er. Selbst die erzkonservativen Republikaner in den USA würden über eine schwule Gruppe in der Partei verfügen, da sie das große Potenzial der rosa Wähler erkannt hätten, so zitiert ihn das Schweizer Monatsmagazin „Display“.
Nun also sitzt Fuchs im Parlament der Schweiz. In einem Interview mit dem Magazin „20 Minuten“ wird Fuchs ausgiebig befragt, mehr als nach politischen Positionen nach seinem Privatleben und seiner Homosexualität. Auf die Frage, ob Schwule unterrepräsentiert wären im Parlament, antwortet Fuchs: „Nur auf den ersten Blick. Es gibt einige Parlamentarier, die sich nicht outen, weil sie Angst haben.“ Die Schlussfrage lautet, welcher Parlamentarier ihm denn am besten gefalle. „Ich habe das Parlament bis jetzt nicht aus dieser Per­spektive angeschaut. Es muss niemand Angst haben, von mir angemacht zu werden!“

Ob heterosexuelle Politiker jemals gefragt worden wären, welche Parlamentarierin ihnen denn am besten gefalle? Und ob heterosexuelle Politiker sich auch demutsvoll für die eigene Sexualität entschuldigt hätten?

3 Responses to “„Es muss niemand Angst haben, von mir angemacht zu werden“ – Der schwule Politiker und das Parlament”


  1. 1 honigbaerli März 8, 2011 um 7:31 pm

    kleine korrektur, der erste offen schwule im nationalrat war claude janiak.
    das thomas fuchs über sein privatleben ausgefragt wurde hat den grund das er oft dazumal beim partnerschaftgesetz, der kampagne als bisexuelle ausgegeben und auch seine sexuelle präferenz penetrant kundgetahn…also es ist hausgemacht … kenne ihn auch persönlich … mag ihn nicht (…) wenn er rechtspopulistisch redet ist er dann echt fast rechtsradikal!

  2. 2 RH März 8, 2011 um 7:39 pm

    Es steht im Text ausdrücklich, dass er der erste schwule Politiker SEINER Partei im Nationalrat ist. Claude Janiak ist Mitglied der SP.

  3. 3 Thommen März 8, 2011 um 11:42 pm

    Dass ein Schwuler äussert, erwachsene Männer müssten keine Angst haben, von Schwulen „angemacht“ zu werden, ist eine Projektion einer Projektion. Die Phobie vor der Homophobie…


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