„Unerwünscht“ Berliner Restaurant schmeißt schwulen Stammtisch raus

Der Kerlestammtisch ist in seinem bisherigen Stammlokal nicht länger willkommen. Nachdem sich die Gruppe schwuler Bären drei Jahre lang regelmäßig am 1. Mittwoch des Monats in einem kleinen Restaurant in der Knesebeckstraße im Stadtteil Charlottenburg getroffen hat, teilte der Wirt den Kerlen nun mit, dass der Stammtisch nicht länger erwünscht sei. Freilich, so der Kerlestammtisch, sei dies am Ende des Treffens am 2. März erklärt worden, nachdem die Bären gezahlt hatten.
Als Grund habe der Wirt angeführt, die „Bärengruppe sei wirtschaftlich nicht tragbar“. Vorgeschobene Gründe, die „allesamt unglaubwürdig“ seien, sagen die Kerle und vermuten hinter dem unfreundlichen Akt des Restaurants eine opportunistische Geschäftspolitik, die nur eine bestimmte soziale Schicht als Gäste haben will. „Die traurige Wahrheit ist, dass eine Gruppe von 10 und mehr bärigen Kerlen nicht zu der neuen, bürgerlichen Klientel passt, welches in letzter Zeit dieses Restaurant frequentiert. Es gab durchaus gestern Anzeichen dafür, dass man sich in dem Hauptraum naserümpfend über die Bären echauffiert hat, weil sie es wagten zu lachen und Spaß zu haben.“
Der Kerlestammtisch sucht nun nach einem neuen Lokal für seine regelmäßigen Treffen.
Update 3.3., gegen Mitternacht: Der Betreiber des Restaurants hat sich auf unsere Anfrage gemeldet. Er will keine Stellungnahme abgeben.

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14 Responses to “„Unerwünscht“ Berliner Restaurant schmeißt schwulen Stammtisch raus”


  1. 1 Thomas März 3, 2011 um 1:50 pm

    OK, jetzt weiß ich, wo ich bei meinem nächsten Besuch in Berlin ganz sicher nicht essen gehn werd‘!

  2. 2 uwe März 3, 2011 um 2:16 pm

    Ich war dabei, und wirklich abartig, was da abing. Habe das Lokal sehr geschätzt, Essen war und ist klasse, aber obwohl ich uralt bin, das ist mir mein ganzes Leben noch nicht passiert, zumal der Vorwand abstrus, ja habe abgeschrieben von einem adligen Herrn, ist. Wir haben uns nie anders benommen, als jeder gesittete Mensch sich in einem Restaurant benehmen würde. War auch aus anderen Anlässen, auch mit Freunden (hetero) dort. Weiss nicht was in die beiden gefahren ist. Vielleicht zu viel Reichtum

  3. 3 Hans-Georg März 3, 2011 um 5:45 pm

    Kann man vor dem Restaurant nicht eine Mahnwache einrichten mit einem Schild „Schwule unerwünscht!“?

  4. 4 Lars März 3, 2011 um 6:48 pm

    @hans-georg:
    Ich möchte gerne etwas Sachlichkeit in die Diskussion bringen.
    Schwule sind dort nicht generell unerwünscht.
    Problematisch ist aber der Zeitpunkt der Ansage.
    Ich denke keiner hat ein Problem damit, wenn man vorher oder irgendwann zwischendurch die Diskussion gesucht hätte.
    Aber erst abkassieren und dann ohne triftigen Grund abservieren, ist kein würdevoller Umgang.
    Ich möchte auch keine Hexenjagd, aber die Tatsachen sollten nicht unerwähnt bleiben.

  5. 5 uwe März 3, 2011 um 7:06 pm

    @ Lars: Das kann ich auch nur unterstützen, und trotz aller Enttäuschung und allem Ärger auch bestätigen.

  6. 6 uwe März 4, 2011 um 7:03 am

    die Nicht Stellungnahme sagt ja alles, glaube, damit haben die beiden nicht gerechnet. Kann mich aber einer gewissen Schadenfreude meinerseits nicht enthalten

  7. 7 RH März 4, 2011 um 8:12 am

    @ Uwe: Ich finde es schade, dass der Betreiber seine Gründe hier nicht veröffentlicht sehen wollte. Zumal hier im Blog keine Namen, auch nicht der des Restaurants, genannt sind.

  8. 8 uwe März 4, 2011 um 10:37 am

    RH, das kommt außerdem noch dazu, zumal diese uns gegenüber gemachte Begründung so hanebüchen ist, dass man sie gar nicht so wiedergeben kann. Aber für uns ist die Angelegenheit erledigt.

  9. 9 DiversityAndEquality März 6, 2011 um 4:01 am

    Anzeige erstatten!

    Wenn nötig, bis zum Europäischen Gerichtshof durchklagen, damit sowas auch in Deutschland nicht noch ein einziges Mal vorkommt!

  10. 10 uwe März 6, 2011 um 8:35 am

    @ DiversityAndEquality: Klingt gut gemeint, wir sind ja aber nicht wegen unseres schwulseins rausgeschmissen worden, sondern aufgrund von abstrusen Begründungen.

  11. 11 RH März 7, 2011 um 9:22 am

    Als Schreiber dieses Blogs muss ich an dieser Stelle eine Anmerkung machen: Ich werde keinerlei Kommentare veröffentlichen, die in irgendeiner Weise sich gegen Personen richten.
    Da sich die Restaurantbetreiber nicht zu dem Vorfall äußern, bleibt die im Text zitierte Vermutung des Kerlestammtischs, es handele sich um Klientel-Politik des Lokals, so im Raum stehen.
    Auch sehe ich, trotz diverser Drohungen, keinerlei Notwendigkeit, auf meinem Blog den Namen des Restaurants zu veröffentlichen.

  12. 12 Bodo März 7, 2011 um 10:21 am

    Irgendwie … interessant:

    Wir, die persönlich vor Ort waren, dürfen das, was man uns (als vorgeschobenen Grund) genannt hat, nicht schreiben. Auch wenn wir keinen Namen oder ähnliches nennen.

    Stattdessen bleiben die Verdrehungen im Ursprungsbeitrag (die wohl ein Ergebnis von „Stiller Post“ waren) stehen.

    🙂

  13. 13 RH März 7, 2011 um 10:54 am

    Die „stille Post“ war eine im Internet veröffentlichte Meldung, auf die mich ein Bär, der seinen Abend im Restaurant verbracht hat, aufmerksam gemacht hat und an dessen Zuverlässigkeit zu zweifeln ich keinen Grund habe. Auf diese Meldung ist im Blog nicht verlinkt, weil sie den Namen des Restaurants enthält.
    Ich hätte sehr gerne auch die Sicht des Wirtes veröffentlicht, um ein vollständigeres Bild des Vorfalls geben zu können. Vielleicht ist das ja möglich, wenn sich der Pulverdampf etwas gelegt hat.

  14. 14 alfons März 8, 2011 um 8:32 am

    Der Mensch aber lebt nur ein Leben, er hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit der Hypothese in einem Versuch zu beweisen. Deshalb wird er nie erfahren, ob es richtig oder falsch war, seinem Gefühl gehorcht zu haben.

    aus: Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, 1984

    Dass nicht jeder nachlesen muss:

    Eine Hypothese (altgriechisch) ὑπόθεσις, hypóthesis = ‚Unterstellung‘, ‚Voraussetzung‘, ‚Grundlage‘) ist eine Aussage, der Gültigkeit unterstellt wird, die aber nicht bewiesen oder verifiziert ist. Für Hypothesen ist es üblich, dass die Bedingungen angegeben werden, unter denen sie gültig sein sollen.


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