20. Oktober 2010 – Gedenken an die jugendlichen Opfer von Homophobie

Eine Reihe von Selbsttötungen Jugendlicher in den USA hat weltweite Betroffenheit ausgelöst. Zehn Jungen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren nahmen sich in den letzten Wochen das Leben, weil sie wegen ihres tatsächlichen oder auch nur vermuteten Schwulseins gemobbt, terrorisiert, gedemütigt wurden.
Die Aktion „Wear Purple“ – „Trage Lila“ ist wie die Aktion „It gets better“ ein Versuch, dem Klima der Verfolgung und einer gesteigerten Aggression gegen homosexuelle Menschen (eigentlich gegen alle, die „anders“ sind), Solidarität und Anteilnahme entgegenzusetzen. Dass sich die aktuellen Selbsttötungen in den USA ereignet haben, sollte nicht über die hohe Zahl von Suiziden und Suizidversuchen in Deutschland hinwegtäuschen. Über sie wird nur selten berichtet. Eine Befürchtung ist, dass solche Meldungen Nachahmer erzeugen.
In Deutschland ist die Zahl der Selbsttötungen seit Jahren rückläufig. Insgesamt sind es etwa 9.000 Menschen pro Jahr, davon etwa 600 junge Menschen zwischen 10 und 24 Jahren. Die Zahl der Suizidversuche wird auf das Zehnfache geschätzt. Die Selbsttötungsrate bei Jungen ist wesentlich höher als bei Mädchen. Vermutet wird, dass dies an dem stärker empfundenen Leistungsdruck liegt und an dem sozialen Zwang, sich einem immer noch propagierten Männerbild von physischer Gewalt, Härte und der Gefühlsunterdrückung anzupassen.
Deutsche Studien aus den Jahren 2003/2004 schätzen das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren vier- bis siebenmal höher ein, als das von Jugendlichen im Allgemeinen. Das Suizidrisiko steigt dabei, je jünger die Jugendlichen bei ihrem Coming Out sind. – Schon allein dieser Befund sollte vorsichtig machen gegenüber dem gerne geäußerten Urteil, hier in Deutschland sei doch schon alles so tolerant und viel besser als in den USA.
Am heutigen 20. Oktober 2010 soll durch das Tragen der Farbe Lila an die Jugendlichen gedacht werden, die durch homophobes Mobbing die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben und Lieben verloren haben. In der Symbolik der Regenbogenflagge, Zeichen der Gemeinschaft von Schwulen, Lesben, Transgender und Bisexuellen, steht die Farbe Lila für den “spirituellen Geist”, der uns alle verbindet. Heute soll er für Anteilnahme stehen und denen Hoffnung geben, die mutlos sind: Es wird besser werden.
Auf der Internetseite „It gets Better“ (und auch auf YouTube unter „It gets better project“) berichten Hunderte von Menschen als Reaktion auf die Selbsttötungen in den USA von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung, Gewalt und Mobbing in der Jugend. Sie alle haben Leid erfahren, aber auch, dass sich die Welt und das Leben zum Besseren verändern. Es lohnt sich, dafür im Leben auszuhalten und zu kämpfen, in den USA und auch hier in Deutschland – jeden Tag!

1 Response to “20. Oktober 2010 – Gedenken an die jugendlichen Opfer von Homophobie”



  1. 1 _innenansichten. Über die Wirkung von Diskriminierung. | Medienelite Trackback zu Oktober 20, 2010 um 10:19 pm
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