Q-Dip (12): DAH-Jahrbuch 2008/2009

q-dip-DAH-Jahrbuch

Die DAH ist vom schwulen Leben so weit entfernt wie, sagen wir mal, der Jupitermond Europa (auf dem es, laut neuer Forschung, genug Sauerstoff geben könnte, um Leben zu erzeugen) von der Erde. Trotzdem sei auf das soeben veröffentlichte Jahrbuch 2008/2009 hingewiesen, denn im zweiten Teil enthält es eine Vielzahl höchst interessanter Artikel und Reportagen über HIV-Positive und ihr Leben, unter anderem über den geschätzten Bloggerkollegen Ondamaris nebst Lebenspartner, oder ein Interview, in dem TAZ-Journalist Jan Feddersen dem Aidsaktivisten Bernd Aretz wunderbar rotzige Antworten entlockt.
In seiner wissenschaftlich-sachlichen Art hat mich aber ein Text von Rolf Rosenbrock über „Das ’neue‘ Aids und die Prävention“ beschäftigt.

„Vor HIV schützen wir uns nicht mehr wegen akuter Todesbedrohung, sondern um uns vor einer einschneidenden, aber meist gut behandelbaren chronischen Erkrankung zu schützen. Alles zusammen: Normalisierung eben. Noch weniger als früher sind deshalb Schock und Angst sinnvolle Instrumente der Prävention. Die Differenzierung der schwulen Lebenswelten bringt zudem immer neue Lebensstile und neue Formen von individuellem Risikomanagement hervor.“

Das ist Abrüstung und Zumutung in einem: Abrüstung angesichts einer so nicht mehr existenten Aids-„Katastrophe“ (zumindest was Deutschland anbelangt) und Zumutung, insofern der Umgang mit HIV/Aids dem Einzelnen als Selbstmanagement zugemutet wird. Wer sich selbst und die Infektion erfolgreich managt überlebt, die anderen … waren halt zu doof dafür und sterben.
Selten habe ich so massiv eine Verklärung vorherrschender Leistungsideologie gelesen wie in diesem Jahresbericht der DAH – und schon lange fand ich den Umgang mit HIV/Aids nicht mehr so spannend. Die Zeiten ändern sich, alte Mythen werden entsorgt und es ist die Frage, welche neue an ihre Stelle treten.

Link: Das DAH-Jahrbuch als PDF-Datei (6 MB)


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