„Ich bin für den Spaß am Lesen zuständig!“ Interview mit Andreas Steinhöfel

Andreas Steinhöfel

Am morgigen Freitag, den 16. Oktober, gibt Noch-Familienministerin und Wahrscheinlich-bald-schon-mit-schlimmen-Folgen-Gesundheitsministerin von der Leyen die Preisträger des Jugendliteraturpreises 2009 bekannt. Dann heißt der Gewinner in der Sparte Kinderbuch hoffentlich Andreas Steinhöfel mit seinem Buch „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ (Carlsen-Verlag). Zeit wär’s, denn er ist bereits zum dritten Mal nominiert. Steinhöfel zählt derzeit zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren der Republik. Für die Oktober-Ausgabe der Siegessäule habe ich mit Andreas Steinhöfel gesprochen:

Du wirst derzeit mit Preisen überhäuft. Selbst von der katholischen Kirche – wundert man sich da nicht als schwuler Autor?
Im ersten Moment habe ich auch gedacht, da muss ich was falsch gemacht haben. (lacht) Aber die katholische Kirche ist nicht der katholische Leser und die Basis oft weiter als die Amtskirche. Ich habe den Preis angenommen, um die Möglichkeit eines Dialogs zu haben. Schließlich thematisiere ich auch in meinen Büchern, dass es das Beste ist, wenn man über Schwierigkeiten redet.
Wie kamst du dazu, Kinderbuchautor zu werden?
Durch Zufall. Ich schreibe sicher nicht, weil ich einen moralischen Auftrag habe. Eher, weil Kinder ein Recht auf gute Unterhaltung haben. Wie sie übrigens auch das Recht haben, keine Bücher zu lesen.
Mir scheint, in der Community hat man deinen Erfolg noch gar nicht recht wahrgenommen?
Vielleicht,  weil ich als schwuler Autor nicht ständig schwule Bücher schreibe. Ich befürchte, das mag die Szene nicht. Aber für mich ist Schwulsein nur ein Teil eines Ganzen.
In den beiden Büchern über die Berliner Oscar und Rico ist Homosexualität in Gestalt eines schwulen Nachbarn thematisiert. Warum bloß heißt der Kiesling?
Homosexuelle Menschen sind Bestandteil auch der jugendlichen Welt, insbesondere hier im Biotop Berlin, warum sollte es sich also nicht im Buch wiederfinden. Mit dem Nachbarn Kiesling wollte ich allerdings keinen Heile-Welt-Homo beschreiben. Er ist eher ein Oberflächenfuzzi mit Porsche. Der Name ist eher ein Bonbon für Leser, die die Affäre um den General Kießling kennen.
Du machst auch Lesungen in Schulen. Wie reagieren die Jugendlichen auf dich?
Meist wissen sie vorher, dass ich schwul bin. Wenn ich dann vor ihnen stehe, wundern sie sich, dass ich keine Frauenschuhe trage und ‚ganz normal’ aussehe. Die sind noch genauso drauf, wie es meine Mitschüler in den 70ern waren.
Wie gehst du damit um?
Indem ich nachfrage, was für sie ‚normal’ ist und woher ihr Bild von Schwulen stammt. Sie scheinen wenig Ansprechpartner für das zu haben, was sie in der Pubertät umtreibt. Irgendwann blocke ich das Thema dann ab. Ich bin für den Spaß am Lesen und nicht für Sexualkunde zuständig.

Link: Blog von Andreas Steinhöfel


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