Minderheitenschutz für konservative Wähler?

Immer wenn in Deutschland Kommentare zum Schutze der armen, armen, unterdrückten Mehrheit aufrufen und sie vor bösen, demagogischen Minderheiten warnen, dann kommen mir die Tränen. So auch bei Dirk Ludigs Beitrag im aktuellen hinnerk, in dem er aufruft: „Schwule müssen nicht links wählen!“ Und weiter lesen wir: „Der aufrechte Schwule in Deutschland ist erst links, dann grün, dann schwul!“ … Schön wär’s, lieber Dirk, dann wären die Verhältnisse ja schon weitaus besser als sie sind!!
Sind sie aber nicht, was unter anderem daran liegt, dass die Konservativen und auch die Liberalen seit Jahrzehnten gar nichts, aber auch wirklich gar nichts getan haben, um Gleichberechtigung für Schwule und Lesben voranzubringen. Sie wurden trotzdem auch von vielen Homosexuellen gewählt, denen wahrscheinlich „Homo-Themen“ nicht so wahlentscheidend schienen wie andere Themen. Nun mag sich die Haltung mancher Konservativer und auch einiger Liberaler geändert haben. Ganz sicher sogar, verspricht doch sogar schon die CDU in ihrem Programm uns wenigstens weitgehend in Ruhe zu lassen. In seiner staatstragenden Pose führt Ludigs denn auch keine echten Argumente für eine Wahl von CDU oder FDP an, außer eben, dass man sich halt als guter Konservativer irgendwie gegen böse Linke irgendwie in Stellung bringen muss. Er fände es lustig, wenn ein schwuler Außenminister Westerwelle einem schwulenfeindlichen „saudischen Prinzen“ (bloß keine Klischees!!!) die Hand schüttele. Das ist nichts neues, weil auch schon ein böser linker schwuler Bürgermeister Wowereit einem bösen rechten schwulenfeindlichen russischen Oberbürgermeister die Hand schütteln und mit ihm grinsend durchs Brandenburger Tor marschieren musste. Vielleicht ist es ja einfach Westerwelles gnadenlose Inkompetenz ,die mich schaudern lässt bei dem Gedanken, er könne Außenminister werden. Sollte ich CDU wählen, dann in der Hoffnung, dass Kanzlerin Merkel noch einen Rest Kompetenz hat, einen Außenminister Westerwelle nicht zu erlauben. Insofern hat Dirk Ludigs ganz recht und betont eine Banalität zu recht: Man muss als Schwuler nicht links wählen. Man muss aber als Schwuler auch nicht konservativ oder liberal wählen. Den Mythos von einer Opferrolle der Konservativen weiterzustricken wie Ludigs es tut, indem er suggeriert, konservative schwule Wähler bräuchten (s)einen besonderen Geleitschutz, ist politisch allerdings fatal. Es ist eine willfährige reaktionäre Geschichtsklitterung, die Schlimmes für die Zukunft erahnen lässt.

1 Response to “Minderheitenschutz für konservative Wähler?”


  1. 1 skorpionberlin September 3, 2009 um 10:53 am

    Genau,
    wenn mir ein Schwuler sagt, er würde die CDU wählen, dann schlag ich ihn zusammen. (Achtung: Sarkasmus)

    Man könnte Herrn Ludigs ja entgegenhalten, dass man ja auch nicht unbedingt intelligent sein muss, wenn man schwul ist.

    Jeder sollte so wählen, wie er es für richtig hält; dafür gibt es ja freie Wahlen (auch wenn diese wieder einmal verfassungswidrig sind und Parteien unter seltsamen Vorzeichen nicht zugelassen wurden).

    Aber jeder Schwule sollte sich vor Augen führen, dass es auf jeden Fall nicht CDU und FDP waren, die dafür gesorgt haben, dass wir im Moment selbstbewusster in der Öffentlichkeit auftreten können. Auch ein Herr Westerwelle und ein Herr Kurth haben davon profitiert, dass grüne, sozialdemokratische, linke und andere Bürgerrechtler sich gegen Diskriminierung eingesetzt haben.

    Jetzt aber behauptet die FDP, dass sie die Vorreiter wären.
    Zugegeben, das Wahlprogramm der FDP zum Thema Homorechte ist beeindruckend, aber alle wissen, dass dies das erste sein wird, was bei den Koalitionsverhandlungen geopfert werden würde.

    Wer CDU/FDP als Schwuler wählt, gibt damit zu, dass einem der Profit auf dem Konto wichtiger ist, als seine persönliche Freiheit, was ja auch eine Meinung darstellen kann. Dann genießt mal schön Euer Geld in Unfreiheit und schaut zu, wie die Bedürftigen im Dreck liegen.
    Aber lasst Euch nicht mit heruntergelassenen Hosen im Tiergarten erwischen!


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