Homosexualität ist widerlich – Hape Kerkelings Verbrüderung mit schwulenfeindlichem Resentiment

Ach ja, modernes Marketing: Irgendwas provozierendes in Umlauf setzen, irgendwer wird drauf reagiert und damit ist bewiesen, wie erfolgreich das Marketing war. Reagieren wir also auf die von Samsung und X-Box gesponsorte Werbekampagne für den neuen Film von Hape Kerkeling.
Ist wahrscheinlich hinlänglich bekannt: Als Horst Schlämmer spielt er Kanzlerkandidat mit eigener Partei. Soweit, so gut, soll er auch. Unterstützt wird er von vielen Zeitungen, Magazinen, Radio und TV – also all jenen, die händeringend nach Billigmaterial („content“) suchen, um ihre Seiten, Sendestrecken zu füllen, von denen sie uns immer erzählen wie kostbar und teuer sie seien. Scheinbar noch nicht teuer genug, wenn sie umsonst mit Werbeschrott zugemüllt werden. Jedenfalls berichten sie ausgiebig über eine „Pressekonferenz“ des Horst-Schlämmer-Alias von Kerkeling, auf der er sein „Wahlprogramm“ vorstellte und Fragen der Journalisten beantwortete. Unter anderem die nach einem schwulen Mitglied seiner Partei. Die Antwort:
„In Grevenbroich sind die ja alle noch ziemlich verklemmt. Von daher weiß ich nicht, ob da vielleicht schon einer drunter ist. Wahrscheinlich ist das sogar so. Ich selber – politisch gesehen – finde Homosexualität absolut OK. Privat finde ich das widerlich.“
Großer Lacher der Anwesenden. Ist das nicht witzisch? Der Schwule Kerkeling alias Wahrscheinlich-Nicht-Schwuler Schlämmer findet Homosexualität widerlich. Ja, wir kapieren das süße Paradox, aber fragen uns trotzdem: Was bringt ihn dazu, das zu sagen? Weil es lustig ist zu wiederholen, was jedes Getto-Kid heutzutage sagen kann, bevor es auf drei zählen kann? Weil er wiederholt, was jeder Täter mit Krokodilsträne vorm Richter zu sagen weiß, wenn er gefragt wird, warum er den Schwulen zusammengeprügelt hat? Weil er wiederholt, was Hapes heterosexuelles Mehrheitspublikum auch denkt? Weil er (Kerkeling) uns durch sein Alter Ego Schlämmer sagen will, dass er homosexuellen Selbsthass pflegt?
Fragen über Fragen, die das Gesagte kein bisschen witziger machen. Schwulenwitze sind okay, Witze auf Kosten derer, die ermordet werden, weil andere sie widerlich finden? — auch okay in unseren Zeiten, wer ist schon noch verantwortlich für das, was er verbal verbreitet? Finden wir eigentlich Klemmschwestern wie Kerkeling widerlich? Jene Schwule, die immer nur hübsch im Mainstream ihr Geld scheffeln, aber sich politisch höchstens engagieren, wenn man ein afrikanisches Baby werbeträchtig in die Kamera einer Illustrierten strecken kann? Jene Schwule wie Kerkeling, die mit ihrer derzeitigen Werbekampagne null Inhalt, sondern einzig und allein antidemokratisches und zugleich schwulenfeindliches Resentiment verbreiten?
Als Unterhalter finde ich – medial und ökonomisch – Kerkeling okay, seine Kunstfigur Schlämmer und seine schwulenfeindliche Plattheit finde ich widerlich. Ich glaube, Beatrix wäre meiner Meinung!

18 Antworten to “Homosexualität ist widerlich – Hape Kerkelings Verbrüderung mit schwulenfeindlichem Resentiment”


  1. 1 Anton Weidinger August 6, 2009 um 8:08 am

    Lieber Rainer,

    danke für Deinen Beitrag über everybody’s (really everybody’s?) Darling Hape Kerkeling. Ich finde die „Kunst“figur Horst Schlämmer einfach nur zum Kotzen. Herr Kerkeling hat seit dem Anfang seiner Karriere immer wieder voll daneben gegriffen. Sein grausliches „Hannilein“ war eine Verhöhnung geistig zurück gebliebener Jugendlicher. Dann wieder ist er – vor allem in seinen Filmen – ein liebevoller Schilderer der einfachen Leute, vor allem, wenn er mit der genialen Tana Schanzara (Friede ihrer Asche) zusammen gearbeitet hat.

    Von seinem Ausrutscher als Horst Schlämmer habe ich erst durch Dich erfahren. Und ich finde es gut, wie Du diese angebliche Ironie in einen größeren Zusammenhang stellst. Da das ZDF den Schlämmer-Film mitproduziert hat, schlucken die natürlich tapfer jede Geschmacklosigkeit. Alle „Schwestern“ auf dem Lerchesberg werden vielleicht die Augen verdrehen, aber schön stille halten. „Satire darf alles.“ Wenn’s eine ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    Anton Weidinger, Aschaffenburg

  2. 2 Antiteilchen August 6, 2009 um 4:13 pm

    Im Film trällert Hape fröhlich mit Bushido ein Lied! Der hat für ihn den Parteisong vertont. Wie widerlich ist das denn!

  3. 3 samstagisteingutertag August 6, 2009 um 4:57 pm

    @ Antiteilchen: Manche würden das „voll krass“ nennen – hat Bushido nicht mal gesagt, dass er seinen Sohn ja nicht gleich verprügeln würde, wenn der schwul wäre? Da kann auch Kerkeling auf gewaltfreies Dissen hoffen.

  4. 4 christoph August 6, 2009 um 7:03 pm

    Ich lese war hellauf begeistert – denn im Gegensatz zu den hier geäußerten Meinungen halte ich Schlämmer/Kerkelings Aufklärungsbeute bzw. seinen Beitrag zu Akzeptanz viel viel höher als das schlechtgelaunte Rumgenörgele aus der bewegten Ecke.

    Kerkeling ist schwul, Will ist lesbisch, von Beust ist schwul und Wowereit; Biolek etc.

    Vielen sind sie nicht schwul genug, denn wer schwul ist, darf nichts anderes mehr sein, dann werden die Schwestern giftig.

    Dass diese Leute den Heteros Normalität vorleben, ist das beste was passieren kann. Aber normal dürfen Schwule ja auch nicht sein.

    Schlämmers „widerlich“ hält seinem heterosexuellem Publikum den Spiegel vor, denn das ist wohl wirklich das, was viele über Homos noch denken. Dadurch dass der Alkohliker und Schwerenöter Schlemmer genauso diese Haltung vertritt, überdenken viele vielleicht noch einmal ihre Haltung, denn wie Schlämmer will niemand sein.

    Und dass er mit Bushido zusammenarbeitet – besser könnte es nicht sein, denn damit erreicht er über Umwege auch die, die Bushido zum Vorbild haben, und Bushido zeigt auf einmal, dass es auch anders geht.

    Aber da heulen viele natürlich auf, die Bushido als Feindbild brauchen und es nicht ertraggen, wenn sich so jemand vielleicht zum besseren wandelt.

    Christoph, Berlin

  5. 5 samstagisteingutertag August 6, 2009 um 7:26 pm

    @ Christoph: „zum Besseren wandeln“ — ich glaube eher, dass Kerkeling und Bushido professionell auf allen verfügbaren Klaviaturen spielen. (bis zum nächsten kleinen und genau eingeplanten „Ausrutscher“ – aber bis dahin: Dein Wort in Bushidos Ohr!)

  6. 6 Dirk Ludigs August 6, 2009 um 8:08 pm

    lieber reiner. geh dir doch nicht selber auf den leim. mit morlainsauerer humorlosigkeit ist satire nicht beizukommen. und fundemtalsimus ist in schwul genauso dumm, unappetlich und unbelehrbar wie in hetero, christlich oder muslimisch. nicht alles, was du nicht begreifst, ist automatisch gegen dich.

  7. 7 lederddorf August 7, 2009 um 2:57 pm

    Hallo Christph ,

    Danke für Deinen Beitrag, besser hätte ich das nicht schreiben können !!
    Wer die Ironie in dieser Aussage nicht verstanden hat, sollte sich auch nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Und wer die Ironie von Hape Kerkeling und seinen Kustfiguren nicht verstanden hat ( versteht) ja sorry, dem ist offenbar auch nicht zu helfen.

  8. 8 samstagisteingutertag August 7, 2009 um 3:24 pm

    Ein wenig entsetzt bin ich schon darüber, wie geballt draufgeschlagen wird auf alles, was sich nicht der gleichgeschalteten medialen Spaß-Vermarktungsmacht anschmiegt.
    (Aber ich verstehe natürlich, dass die, die damit ihr Geld verdienen, sich auch dieser Maschinerie verpflichtet fühlen!)
    Generell: Kommentare mit Beleidigungen werde ich löschen bzw. nicht veröffentlichen!
    Die Bemerkungen von Dirk und lederddorf finde ich an der Grenze des Anstandes, da sie ja mir schlichtweg Blödheit unterstellen und wenig Argumentatives bieten.
    Spannend finde ich, dass es einer Kunstfigur erlaubt ist, Dinge zu sagen, die man ansonsten nicht hören will, und dass das gehobene Spaß-Establishment plötzlich der Meinung ist, jeder könne die Parodie (Kerkeling schwul sagt als Schlämmer etwas gegen Schwule) erkennen. Mit der guten Judith Butler gesagt: Jede Paraodie wiederholt aber zwangsläufig das, was sie eigentlich durch die Parodie entlarven will, also im Falle Schlämmer auch das Resentiment. Aber, und eigentlich dachte ich, dass das durch den Eingangssatz meines Artikels hinreichend geklärt worden wäre: Kerkeling/Schlämmer machen nichts als Marketing! Das homophobe Gequatsche ist nur ein Teil davon. Als Marketing mag Kerkeling/Schlämmer sehr erfolgreich, genial und sonstwas sein, ich würde mir trotzdem andere Formen des Marketings wünschen. Zu der die Kerkeling wählt, besteht wenig Notwendigkeit. Ich finde nicht, dass man jeder Parodie applaudieren muss, nur weil sie massenkompatibel ist.

  9. 9 Fg68at August 8, 2009 um 1:13 pm

    Ich stehe dem Ausschnitt ambivalent gegenüber. Der Witz liegt in dem was er ausspricht, die anderen aber nicht. Dass Harpe schwul ist spielt keine große Rolle.

    Wie oft hört man denn nicht von Politikern: Naja bei euns in der Kleinstadt ist man nicht so offen. Aber es gibt sicher welche, ich kenne sie nur nicht, kann nicht sagen wer es ist, denn es ist nicht wichtig in der Arbeit. Ich behandle alle gleich.

    Und als Politiker kann ich nichts gegen die Homosexuellenbewegung sagen, sie hat viel geleistet. Oder: Ich stehe zur Nichtsdikriminierung. (Was aber für jeden etwas anderes bedeutet.)

    Das hört man oft. „Privat finde ich das widerlich.” Das wird runtergeschluckt, aber doch öfters gedacht. Er parodiert damit den üblichen Politikerquatsch.

    Man kann es auch als Verkehrung der Privat-Sager sehen: „Also was da zwei Leute im Bett machen interessiert mich nicht, können sie tun was sie wollen. Aber warum müssen die immer Aktivisten sein. Warum in den Mittelpunkt drängen? Warum muss das Private in der Politik eine Rolle spielen? Das finde ich wiederlich.“

    Jetzt kommt es darauf an wie das aufgenommen wird. Wird es als Spiegel empfunden, wird vielleicht ein Spaß daraus der hilft Schranken einzureissen. Oder es nimmt die homophobe Meute auf, sieht sich bestätigt, und verwendet es um sich lustig zu machen.

    Ich finde es besser als Traumschiff, welches sich mit Schwulen lustig gemacht hat, über Schwule gelacht hat. Warum nicht über blöde Politiker lachen.

  10. 10 Sanddorn August 19, 2009 um 5:42 pm

    Wow, Humorlosigkeit auf Emma Niveau. Gut ich hätte es noch witziger gefunden, wenn er meinen Lieblingssatz gesagt hätte: „Ich habe nichts gegen Schwule, solange sie mich in Ruhe lassen!“.

  11. 11 Joachim Losehand August 20, 2009 um 9:24 am

    Mir leuchtet nicht ein, was daran prinzipiell problematisch sein soll, Homosexualität (nicht Homosexuelle) persönlich widerlich zu finden.

    Toleranz bedeutet ja nicht zustimmende Akzeptanz und herzliche Umarmung, sondern reflektierte Akzeptanz trotz Ablehnung. Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen setzt also quasi voraus, homosexuellen Sexualpraktiken und Gefühlswelten verständnislos, kritisch, ablehnend oder zurückweisend gegenüberzustehen.

    Die über die Kunstfigur geäußerte Ansicht, die zwischen öffentlicher und privater Meinung zur Homosexualität unterscheidet, spiegelt meiner Erfahrung nach die gängige Haltung der Menschen wider. Und die wenigstens von ihnen lehnen homosexuelle Menschen ab oder verfolgen sie mit Verachtung oder Schlimmerem. Weil sie – im Gegensatz zu manchen Homosexuellen – ganz gut zwischen dem Menschen, seiner Sexualität und seinen Handelungen unterscheiden können.

    Den Begriff des Widerlichen taucht – btw – auch in der schwulen Szene (in ähnlich ambivalenter Form) immer wieder auf, wenn es um das gegenseitigen Urteil über Subkulturen und auch Lebensstile und -entwürfe geht. Das ist kein tu-quoque-Argument, sondern die Relativität der Realität. Menschen definieren sich durch Abgrenzung vom Anderen. Darin wir alle gleich.

  12. 12 samstagisteingutertag August 20, 2009 um 10:19 am

    @ Joachim: Mir leuchtet nicht ein, warum man alles, was einem fremd oder nicht unmittelbar zugänglich ist, sofort mit einem negativen Wort wie widerlich belegen muss. Man könnte auch neutraler bleiben.
    Zur Kunstfigur Kerkelings mag ich mich nicht mehr äußern, da die heftigen Kommentare der Es ist lustig-Front mir klar gemacht haben, dass wer nicht lacht, umgebracht wird.

  13. 13 Joachim Losehand August 20, 2009 um 1:12 pm

    Die meisten Menschen haben einen begrenzten, statischen aktiven Wortschatz (ein Phänomen, das mit anderen Begrenztheiten korreliert); allerdings glaube ich, daß das Attribut „widerlich“, als Ausdruck einer persönlichen Abscheu vor Sexualpraktiken (incl. Fetischen) durchaus vertretbar ist.

    Es kommt ja immer auch darauf an, was für Konsequenzen man daraus zieht, ob man sich mit einem „Bah! Geh, bitte, des is‘ ja widerlich!“ abwendet oder ob man die in diese Sexualpraktik Involvierten stigmatisiert, diskriminiert und in der Folge auch vielleicht verfolgt. „Widerlich“ oder „widerwärtig“ halte ich persönlich eher für eine Geschmacksäußerung (ich finde bspw. Stachelbeeren und Rhabarber widerlich, andere Austern und manche auch Fleisch). Andere Qualität haben da herabsetzende Einschätzungen wie „pervers“, „abnormal“ oder „krank“.

    Zu differenzieren und manche Dinge nicht „zu hoch zu hängen“ (oder zu ernst zu nehmen) heißt ja nicht, über homophobe Phänomene den samtenen Mantel des Schweigens und der Harmonie zu breiten, sondern die Aufmerksamkeit dann auf die entscheidenden, wirklich intoleranten Verhaltenweisen und Äußerungen zu lenken.

    Die Nachricht, daß Heterosexuelle die homosexuellen Praktiken für widerlich halten, hat für mich jedenfalls keinen neuen Erkenntniswert; umgekehrt ist’s doch, wenn man ehrlich ist, irgendwie genauso.

    (NB: Hape Kerkeling spricht mich auch nicht im geringsten an, was aber meiner Meinung nach weder gegen ihn noch gegen mich spricht. Auch so eine Geschmacksfrage.)

  14. 14 Fg68at August 20, 2009 um 6:59 pm

    Tolerante Widerlichkeit und ihre Folgen:

    Ich mag keine Tomaten (nur als Ketchup.) Ich finde sie einfach wiederlich, ich mag sie nicht essen. Da reinbeißen, iii, sie schmecken, iii. Und verlange ich, dass im gemischten Salat keine Tomaten sind, so bekomme ich Paradeiser. :-) Ich bestelle schon Salat ohne Tomaten und ohne Paradeiser, :-) und auch das hilft nicht immer. Will ich mir ein belegtes Weckerl kaufen (belegter Stullen) oder Tramezini, so sind oft Paradeiser enthalten. Frage ich in welchem keine enthalten sind, wird mir eines genannt, und kaufe ich es, sind manchmal doch welche drinnen. Es gibt öfters kein Entrinnen in dieser tomatonormen Welt. Es lieben sie zu viele, sie ist billig, rot und saftig. (Warum verwenden so wenige rote Paprika?) Als ich klein war sagte mein Vater manchmal: „Du hast ja heute noch gar keine gekostet.“ Brrrr. In einer Trafik habe ich jetzt gelesen dass Lebensmittelunverträglichkeit für Tomaten mit Gräserallergie korreliert. Bei mir kann es stimmen. Nur so viel zu meiner Einstellung und meinen Erfahrungen.

    Was mache ich? Ich vermeide Tomaten. Ich bin froh und glücklich, wenn ich etwas ohne Tomaten bekomme. Krieg doch wieder einmal etwas mit, dann bekommt meine Schwester die Tomaten soweit das geht. Sie darf sie gerne essen. Sogar vor meinen Augen. (Ist wahrscheinlich Gewöhnungssache.) Der Spruch meines Vaters ist ein Running-Gag. Es dürfen Mieter in meinem Garten Tomaten anbeuen, keine Problem. Ich akzeptiere das vorhandensein von Tomaten und Tomatenessern.

    Jetzt zur Toleranz, wie ich sie des öfteren höre und erlebe (Auch Bischof Laun ist tolerant.): Ich toleriere Tomaten und Tomatenliebahber. Ich habe nichts gegen Tomatenliebhaber, aber sehr wohl gegen ihre Tomatenliebhaberei. Würde ich diese akzeptieren, dann müsste ich Tomatenessen akzeptieren. Und Tomatenessen ist einfach wiederlich. Es darf keine Plakate mit Tomaten oder tomatenessenden Menschen geben. In meinem Garten will ich keine Tomaten angeplanzt sehen. Tomaten sollen nicht öffentlich in allgemeinen Geschäften verkauft werden, dort will ich sie nicht sehen. Beschreibungen über Tomatenessen sollen nur in bestimmten Büchern erscheinen. Es soll öffentlich nicht kungetanwerden, dass jemandem Tomaten schmecken, also keine Werbung für Tomatenessen betrieben werden. Natürlich habe ich nichts gegen Tomatenesser, ich toleriere sie, aber nur solange sie nicht von Tomaten erzählen oder sie vor mir essen. Es ist so wiederlich, wenn sie sagen, dass sie Tomaten mögen. Und Kinder sind vor Tomatenessern zu schützen, denn die wollen sie nur zum Tomatenessen verführen und dann sind sie auf immer Menschen, die widerlicherweise Tomaten essen.

    Gehen wir zu etwas anderen, was auch eine ganze Anzahl widerlich finden: Dicke Frauen, Big Fat Mamas. Ich akzeptiere sie, ich akzeptiere, dass andere sie lieben. Viele finden Sex mit diesen wiederlich. Diese dicken Sexualpraktiken, igitt! (Die können nicht alles machen, was ein normales Paar macht.) Aber würden sie deshalb verbieten einem Paar zu heiraten? Sich ganz stark wünschen sie nicht auf der Straße zu sehen? Denken die Leute, wenn sie so ein Paar sehen automatisch an den Sex, den sie haben? Und die Übergroßenmode! Von wegen: Mollig ist schön. Wiederlich. So etwas sollte es, wenn geht in keinem öffentlichen Geschäft oder Kostümverleih geben. Sonst werden die Menschen dazu verführt mollig zu werden! Wie sind hier die Abwehrreaktionen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sexualpraktik
    (2. Absatz nicht vergessen!)

    Also was haben wir so alles bei Schwulen und Lesben: Blicke, heiße Blicke, Händchen halten, Hand in Hand gehen, Umarmen, Kuscheln, Küsse, Knutschen, Streicheln, Ausziehen, Schlecken, Körperküsse, Fummeln, Genitalien manuell Stimulieren, Oralverkehr – auch Gegenseitig zugleich, Rimming, Analverkehr. Dies alles sind homosexuelle wie heterosexuelle Sexualpraktiken. Frot, Tribadie sind homosexuelle Sexualpraktiken, aber es gibt vergleichbare heterosexuelle Sexualpraktiken. Es gibt nur eines was nur eine heterosexuelle Sexualpraktik ist: penilvaginaler Verkehr. Und Dicke können den nur in bestimmten Stellungen machen, des öfteren nicht in der flachen Missionarsstellung.

    Was ist Homosexualität? Prinzipiell ist Homosexualität eine Sexuelle Orientierung, ein Gefühl. Ein Gefühl vom gleichen Geschlecht angezogen zu sein. (Sexual Attraction) Und zwar ein recht tiefes. Es beeinflusst sogar die Wahrnehmung von Pheromonen, also nicht bewusst wahrnehmbare Duftstoffe. Es ist tiefer als Vorlieben für Sexualpraktiken. Der eine mehr, der andere weniger. Aus diesem Gefühl enstehen dann Handlungen in der ganzen Bandbreite und in diesem Sinne werden dann auch die verschiedenen Sexualpraktiken ausgeführt. Bei dem einen ist das Gefühl stärker, bei dem anderen weniger stark. Der eine/Die eine kann gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen, der andere/die andere sehnt sich nur manchmal nach Sexualpraktiken, Küssen wird schon zum Problem und eine Beziehung hat er/sie nur mit einem gegengeschlechtlichen Partner. Dann gibt es noch manche stark homosexuelle, vor allem Männer, denen man abtrainiert hat, dass es Beziehungen geben kann und welche glauben mit dem gleichen Geschlecht kann man nur Sex haben. (Besonders zu Beginn, bis sie sich umorientieren und auch bis sie freier werden können, keine Angst haben, so etwas zulassen können.)

    Es lieben nicht alle Oralverkehr und Analverkehr. Was sind ihre Reaktionen? Kritisch kann man trotz allem gegenüberstehen. Auch wenn man heterosexuell ist, kann man kritisch heterosexuellem Analverkehr oder Oralverkehr gegenüberstehen. Man kann kritsch Polyamorie, Monogaie und Polygamie gegenüberstehen. Man kann trotz Heterosexualität heterosexuellen Analverkehr zurückweisen. Man kann trotz Heterosexualität heterosexuelle Promiskuität zurückweisen.

    Trotzdem sollte man auch bestehende kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse beim Betrachten bestimmter Verhaltensweisen beachten. zB
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mosuo
    http://de.wikipedia.org/wiki/Juchitán_de_Zaragoza

    Trotz Akzeptanz verschiedener Dinge (bei anderen) kann man eiegentlich bis zu einem gewissen Maß verständnislos sein, also nicht wirklich verstehen können, was der andere daran findet. Dass der andere etwas empfindet, wenn er es mag, das sollte man bei etwas Nachdenken eigentlich bis zu einem gewissen Maß verstehen können.

    Ob widerlich, pevers, abnormal oder krank, sind eigentlich nur mehr kleine semantische Nuancen. Die dahinter steckende Ablehnung kann in jedem Fall von – bis eine ziehmliche Bandbreite umfassen. Wenn jemand meine Homosexualität an sich widerlich empfindet, dann weiß ich, dass ich ihm nicht zu nahe kommen sollte. Denn er könnte es als eine homosexuelle Annäherung empfinden und Panik bekommen. Auch wenn er gar nicht mein Typ ist könnte er meinen ich will unbedingt Sex von ihm. (Es lebe das scheiß Sterotyp.) Wenn er sagt, dass er keinen gleichgeschlechtlichen Oralverkehr möchte oder keinen Analverkehr möchte, damit kann ich leichter leben. Da droht keine Gefahr. So einer hat meist auch kein Problem, wenn ich ihn aus Dankbarkeit oder als Begrüßungsritual umarme.

    Die Nachricht, daß Heterosexuelle die homosexuellen Praktiken für widerlich halten, hat für mich jedenfalls keinen neuen Erkenntniswert; umgekehrt ist’s doch, wenn man ehrlich ist, irgendwie genauso.

    Da muss ich widersprechen. Die wenigsten finden heterosexuellen Sex per se als widerlich. Ja, viele nicht einmal persönlich, wenn die Person halbwegs passt. Am ehesten vielleicht Oralverkehr. Sie mögen es nur nicht besonders. Sie bevorzugen homosexuelle Beziehungen und homosexuellen Sex. Eigentlich jeder Schwule, den ich kenne, kennt heterosexuelle Pornos. Wenn ein geiler Typ drin war, dann hat man die auch als Ersatz genommen, in Zeiten und an Orten, wo nichts anders verfügbar war.

    Und heterosexuelle Männer haben ja meist nichts gegen homosexuelle Pornos für sie, solange Frauen mitspielen. Die finden sie gar nicht wiederlich.

  15. 15 clemens August 20, 2009 um 7:36 pm

    auch auf die gefahr , dass mein kommentar wieder nicht erscheint, möchte ich (bevor ich ko..en gehe) kurz drauf aufmerksam machen,das vor ein paar tagen ein „herr“ ewald k.
    in münchen wegen hundertfachen (!!!) sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in Einheit mit Körperverletzung zu acht Jahren haft verurteilt wurde. fast 20 (!!!!!!!!!!!!!!!) jahre hat er das getan und keiner hats bemerkt bzw. die kinder ernst genommen.

    woran liegt´s das som etwas immer noch passiert??

    vielleicht auch ein klein wenig daran das wir uns alle(!!) ein bißchen zu ernst nehmen und manches gerne mal übersehen, da es unsere kleine heile, geile welt stören könnte.

    das ist schlimm!!

    hape will nur geld verdienen, und das sei ihm gestattet.

    mit (trotzdem) lieben grüßen an alle

    München – Im Münchner Prozess gegen einen ehemaligen bayerischen Landes- und Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hat das Münchner Landgericht ein Urteil gesprochen, das nach dem vollständigen Geständnis des Angeklagten am Tag zuvor zu erwarten gewesen war.

    Click here to find out more!
    Siehe auch
    Trainer missbrauchte Schützlinge Keiner kann es fassen »
    Ewald K. muss ht Jahre in Haft. Auch nach Ende der Gefängnisstrafe wird der 49-Jährige hinter Schloss und Riegel bleiben: Das Gericht hat Sicherheitsverwahrung angeordnet. Als erheblich strafmildernd wertete das Gericht das „von Schuldeinsicht und Reue getragene Geständnis des Angeklagten“. Dieses habe den Opfern eine Aussage vor Gericht erspart.

    Ewald K., der während des Prozesses angegeben hat, selbst in seiner Jugend zweimal vergewaltigt worden zu sein, willigte ein, sofort mit einer Therapie zu beginnen. Obwohl der psychiatrische Gutachter überzeugt war, Ewald K. könne unter Auflagen nach der verbüßten Strafe entlassen werden, entschied sich das Gericht für die Sicherheitsverwahrung – auch vor dem Hintergrund, dass K. zwanzig Jahre lang seine Macht gegenüber Jugendlichen eklatant missbraucht hat.

  16. 16 samstagisteingutertag August 20, 2009 um 8:03 pm

    @ Clemens: Ich weiß nicht, was Missbrauch von Kindern mit Kerkeling zu tun hat.
    Ich schreibe – um es dir in aller Deutlichkeit zu sagen – über das, was mir passt. Wenn ich ein Blog machen wollte, was über ALLE Ungerechtigkeiten der Welt informiert, würde ich das tun. Werde ich aber nicht.
    Warum schreibst du nicht in deinem Blog über das, was dir sauer aufstößt anstatt anderen vorzuwerfen, was sie alles nicht schreiben? Ich denke, das ist eigentlich Konsens der Bloggerwelt.

    In einem Punkt gebe ich dir recht: Die Schlämmer-PR, die Deutschlands-Medien zumüllt, ist das kleinere Problem. Aber tu bitte nicht so, als ob dieses Blog nur aus einem einzigen Beitrag über Kerkeling besteht.

  17. 17 clemens August 20, 2009 um 9:38 pm

    um es in aller deutlichkeit zurück zu geben! ich dachte eigentlich du hättest den zusammenhang zwischen meinem eintrag zu hape verstanden, naja. ich versuchs mal anders.

    ihr macht euch gedanken um einen schwulen schauspieler, entertainer ,sänger kurz mitmensch, der in einer seiner (parodistischen) rollen etwas sagt, das gegen eure schwule krämer-seele geht. ihr echauffiert euch darüber, das jeder der hape nicht als „schwulen-verräter“ mit-steinigt dem heten-mainstream folgt, und um euch weinerlichen schubladen-schwule herum – sprich, in der wirklichen brutalen welt passieren solche dinge, das geht nicht mehr rein in euren intolleranten, nach tolleranz-schreienden schädel.
    so – genaudas meine ich damit, was das miteinander zutun hat.
    das bindeglied zwischen kinderschändern und diesem – hape-begründeten blog von dir bist du, ist er , bin ich – sind wir alle. die nichts besseres zutun haben als sich hier geistigt zu entblößen. hast du mich jetzt verstanden??
    in der hoffnung und wieder mit gruß


  1. 1 calibanblog.de » persönlich widerlich Trackback zu August 11, 2009 um 10:03 am
Comments are currently closed.



Archiv

Der Samstag anderswo

Der Samstag empfiehlt

Der Samstag empfiehlt


%d Bloggern gefällt das: