
Der Rücktritt von Arbeitsminister Jung hat heute zu einer ersten Umbildung in der Ministerriege der schwarz-gelben Regierung geführt. Als Nachfolgerin für Jung hat Kanzlerin Angela Merkel die bisherige Familienministerin Ursula von der Leyen vorgeschlagen und – eine Überraschung – die 32-jährige Kristina Köhler aus Wiesbaden als Nachfolgerin ins Familienministerium. Mit Kristina Köhler könnte sich auch das bisher von von der Leyen ideologisch verfochtene Familienbild anderer Zeiten ändern.
Anders als andere CDU-Politiker hat Köhler wenig Berührungsängste mit Homosexuellen. Dieses Jahr fuhr sie sogar beim Frankfurter CSD auf dem Wagen der LSU Hessen mit. “Die Mitglieder der LSU verdienen großen Respekt. Denn manchmal werden sie immer noch als Schwule und Lesben in der Union schief angesehen. Und als überzeugte Christdemokraten haben sie es auch in der homosexuellen Szene nicht immer leicht”, ist auf der Website von Kristina Köhler nachzulesen. Und weiter: “Gerade als Christdemokratin freue ich mich über schwule und lesbische Paare, die in einer Lebenspartnerschaft dauerhaft füreinander Verantwortung tragen wollen. Hier werden konservative Werte gelebt!”
Das sind für eine konservative Politikerin erfrischende Worte. Anlässlich des Welt-Aids-Tages 2005 gab sie sich moralisch strenger und geißelte Barebacking und brachte auch gesetzliche Schritte ins Gespräch (Kommentar dazu bei Ondamaris).
Kristina Köhler, die in Mainz Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie und Geschichte studierte, ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Seit 2002 ist sie Mitglied des Bundestages. Sie gilt, nach Presseberichten, als “Fachpolitikerin für Islam, Integration und Extremismus”. Für ihre These von der Zunahme „deutschenfeindlicher Gewalt“ von Ausländern erntete sie heftige Kritik.
Dies als erste Schlaglichter der neuen Familienministerin. In Berichten wurde sie als jener neuer Politikertypus charakterisiert, der konservative Positionen durchaus mit zeitgemäßen Haltungen zu verbinden weiß. Das lässt es zumindest spannend werden. Mehr als ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen kann sie Belange von schwulen, lebsischen Paaren und von Regenbogenfamilien ja eigentlich gar nicht ignorieren.
Links: Website Kristina Köhler / Profil auf der Seite des Bundestages / Website des Familienministeriums