ZDF-Bericht über Antidiskriminierungsstelle: 3 Millionen Euro verschwendet

Auf diesem Blog wurde die Nicht-Arbeit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) schon lange kritisiert. Jetzt hat auch das ZDF in seinem Magazin „Frontal 21“ die eklatanten Versäumnisse der Leiterin Martina Köppen beleuchtet. So wird eine Ratsuchende mit der Äußerung zitiert: „Ich hatte das Gefühl, dass sie (die ADS)  ihrer Aufgabe überhaupt nicht nachkommen wollen, sondern alle Hebel in Bewegung setzen, mir das schmackhaft zu machen, nicht weiter zu klagen.“ Weiter weist das ZDF nach, wie die ADS Geld ihres 3-Millionen-Etats für undurchsichtige Projekte verschleudert. Am eklatantesten erschien mir die Aussage einer Vertreterin der deutschen Unternehmen, bei denen nachgefragt wird, wie es um das von Martina Köppen so gepriesene Bündnis mit der Wirtschaft steht: „Zwar hätten irgendwann Gespräche stattgefunden, sagt Hildegard Reppelmund, Leiterin für Arbeitsrecht beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), doch weitgehend ohne Inhalte.“ Das hätte man schon vorher wissen können, hatte doch Köppen zu einem Kongress für Wirtschaftsleute ausgerechnet Bischof Lehmann von der Katholischen Kirche eingeladen – die, wie wir wissen, bei der Diskriminierung von Homosexuellen an vorderster Front kämpft und zudem – qua Gesetz – gar nicht unter den Einflussbereich der ADS fällt. Bei 100.000 Euro Kosten (laut ZDF-Bericht) ist hoffentlich guter Trans-Fair-Bio-Kaffee gereicht worden. Und wer außer dem Badezimmerspiegel etwas von dem 115.000 Euro teuren „Mediencoaching“ (ebenfalls laut ZDF-Bericht) der Frau Köppen bemerkt hat, bleibt ebenfalls unklar. Erst vor kurzem hatte eine Studie ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger überhaupt nichts von der Existenz der ADS weiß – wie also sollen Betroffene Rat suchen und ihre Rechte durchsetzen können. Frau Köppen glänzt durch Abwesenheit, nur als die EU plante, die Antidiskriminierungsrichtlinien zu verschärfen, war sie zur Stelle, um zu widersprechen. Da plötzlich wusste wie, wie Öffentlichkeitsarbeit funktionieren kann.
Leider formuliert sich die Kritik auf politischer Ebene erst jetzt, kurz vor der Bundestagswahl. In der FR war Köppen schon vor einem Jahr als „die falsche Frau“ bezeichnet worden. Aber vielleicht auch ein guter Zeitpunkt, um die politischen Vertreter nach der ADS zu befragen. CDU/CSU befürworteten die Einrichtung der ADS ohnehin nur, weil dies qua EU-Recht vorgeschrieben wurde. Die FDP? wird wenig unterstützen, was der Wirtschaft Ärger bereiten könnte. Die Zeichen stehen also schlecht: Martina Köppen hat dafür gesorgt, dass die ADS ineffektiv bleibt, und eine künftige schwarz-gelbe Regierung wird vermutlich wollen, dass es genau so bleibt.

1 Antwort zu „ZDF-Bericht über Antidiskriminierungsstelle: 3 Millionen Euro verschwendet“


  1. 1 Victor Juni 17, 2009 um 12:33

    Ich hatte schon vor einiger Zeit in der taz (Die Tageszeitung, Bln.) über die Untätigkeit der CDU-Frau Martina Köppen gelesen. Es ist purer Zynismus, den sich die Unionsparteien hier ‘mal wieder gegenüber schwulen Männern und lesbischen Frauen leisten. Wir sollten uns das nicht länger gefallen lassen! Ich setze zwei Links und schlage vor, wir machen über diese beiden Bundestagsabgeordneten der Dame Köppen etwas „Feuer unter dem Hintern“ – Hier die Links:
    Dr. Barbara Höll Sprecherin Lesben- und Schwulenpolitik (DIE LINKE.) http://www.linksfraktion.de/mdb_hoell.php
    und
    Volker Beck 1. Parlamentarischer Geschäftsführer (DIE GRÜNEN),
    schwule Lebensgemeinschaft http://www.bundestag.de/mdb/bio/b/beck_vo0.html

    Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn wir uns nicht selbst um unsere Angelegenheiten kümmern, macht es niemand. Alles, was wir heute als „Fortschritt“ für Schwule und Lesben empfinden, wurde von Gay-Aktivisten in jahrzehntelangen Fights und Lobbyarbeit erkämpft. Nichts davon verdanken wir irgendwelcher „gewachsenen Einsicht“ der heterosexuellen Mehrheit.

    Also, Arsch hoch! Reaktionäre (rückwärtsgerichtete) Kräfte versuchen massiven Einfluss auf die Politik zu gewinnen und … bei denen stehen Schwule und Lesben ganz oben auf der Abschussliste (z.B. bei den fundamentalistischen Evangelikalen, die in Baden-Württemberg bereits die meisten evangelischen Kirchengemeinden dominieren). Bürgerrechte sind genauso fragil und jederzeit gefährdet, wie die Demokratie, wenn sie nicht unentwegt verteidigt werden.

    Victor

    P.S. Sorry, dies war mein erster Kommentar in diesem Forum. Wenn der Text etwas zu „heftig“ ‘rüberkommen sollte, ich bin bereit auch wieder einen Gang ‘runterzuschalten … ;-)


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