Mahnmal Homosexuellenverfolgung: Immerhin wird gestritten

By samstagisteingutertag

In der FAZ ist heute ein interessanter Beitrag von Matthias Hannemann zu lesen, der das Berliner Mahnmal zur Homosexuellen-Vefolgung als Fall von Geschichtsklitterung thematisiert. Letztlich geht es um den Kompromiss, die Filmsequenz des Männerkusses, die im Mahnmal zu sehen ist, jedes zweite Jahr durch eine lesbische Kussszene auszutauschen. Damit würden die Lesben in Verdrehung der Tatsachen zu “Verfolgten” der Nazi-Herrschaft, obwohl es historisch belegbar ist, dass es – anders als bei Schwulen – keine systematische Verfolgung von Lesben durch die Nazis gab.
Das Mahnmal für beide Gruppen, Schwule und Lesben, zu inszenieren, halte ich persönlich aus einem altmodischen Solidaritätsgedanken heraus für richtig, selbst wenn ich es für einen abgeschmackten Witz halte, dass ausgerechnet die “Emma” sich als Organ der publizistischen Einmischung hervortat, jenes Magazin, das immer die Praktikantin vorschickt, um bei Buchverlagen die Lesbentitel abzugreifen. (Entschuldigung, ein Seitenhieb, den ich mir nicht verkneifen konnte.) An Hannemanns Artikel finde ich interessant, dass er quasi nachtretend eine Diskussion eröffnet, die eigentlich vor zwei Jahren in den schwulen und (den wenigen) lesbischen Magazinen, Internetseiten hätte geführt werden müssen, auf die aber in den Lifestyle-Postillen keine und keiner Lust hatte. So darf man sich nicht wundern, wenn das Mahnmal im Geiste staatstragender Anbiederung errichtet wurde. Es bleibt jedem Einzelnen überlassen, ob er das Mahnmal für sich und als Teil seiner Geschichte akzeptiert. Es gibt (nicht nur in Berlin) auch andere Gedenkorte für die Homosexuellenverfolgung. Ein Besuch der KZ-Gedenkstätte in Sachsenhausen bei Berlin oder die Lektüre eines Buches zum Thema mag ein weitaus besserer Weg sein, den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken!

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