Büchner-Preis für Josef Winkler

Es war ganz klar, dass dem schwulen Literatur-Redakteur der Welt Tilman Krause die Entscheidung nicht gefallen wird: Mit Josef Winkler erhält in diesem Jahr ein Schriftsteller den Georg-Büchner-Preis, der sich nicht mit der gesellschaftlichen Ächtung, Diskriminierung und letztlich Auslöschung homosexueller Liebe abfinden will. Krause findet das altmodisch, weil er statt eines von ihm dämonisierten „linken“ Schwulentums lieber den neo-konservativen Ansatz verfolgt: Uns geht’s bestens (und darum das Maul halten, es sei denn, man will als Schwuler gegen die Linken, die 68er wettern und sich damit beim rechten Establishment anbiedern).
Das Traumata vom Selbstmord zweier sich liebender Männer in seinem österreichischen Heimatdorf Kamering (Kärnten) zieht sich wie ein roter Faden durch Winklers Bücher, in einer, wie ich finde, beeindruckenden Sprache arbeitet er sich an diesem Vorfall ab und arbeitet ihn durch: unerbittlich. Soviel „Jammerei“ passt einem auf Anpassung bedachten Homo wie Krause gar nicht in den Kram. Seine Kritik an der Wahl ist den auch genau das, was man von einem Schreiberling aus der rechts-konservativen schwulen Ecke erwarten kann:
„Es wird einer bestimmten Sorte von Intellektuellen immer gefallen, wenn sie sich für eine Literatur des Aufbegehrens engagieren kann. Ob deren Erregungspotential von der Wirklichkeit her gerechtfertig ist, erscheint dann sekundär. Die Zeit ist über die Dämonisierungen des Josef Winkler hinweggegangen. Aber man ist eben dankbar, wenn es noch Schriftsteller gibt, die vorgeben, genau zu wissen, wo die Bösen sitzen und was ihre Methoden sind.“ (Link zur Krause-Kritik)
Hatte sich Krause sich nicht auch in den 80ern gewünscht, dass wir Schwulen Aids stoisch ertragen und nicht immer über die Epidemie wehklagen sollten? Ach, die Zeit geht über so vieles hinweg, auch über zwei tote Homos in Österreich. Es ist interessant zu sehen, wie rechte Kritiker wie Krause an einer Auslöschung schwuler Geschichte arbeiten.