CSD biedert sich an Politik an
“Provokation gehört beim CSD zum Geschäft”, hat Christoph Michl vom Vorstand des Stuttgarter CSD schon bei der Bekanntgabe des diesjährigen CSD-Mottos “Ich glaube” erklärt. Man kennt das ja aus der Werbebranche, irgendeinen Krawall machen, irgendwer wird schon irgendwie darauf reagieren, ob positiv, ob negativ ist völlig schnuppe, Hauptsache Reaktion. Nun hat man heute bekanntgegeben, dass die einstige PDS-Frontfrau und heutige Europa-Parlamentarierin Gabriele Zimmer Schirmfrau der schwäbischen Homo-Parade wird. Nicht, dass Frau Zimmer nicht homo-freundlich wäre. Ganz bestimmt ist sie das. Und ganz bestimmt sind die SED-Kader in ihrer Partei auch tolerant: In der DDR waren ja alle gleich und gleich überwacht! Aber hat Frau Zimmer sich mal für die Rechte von Lesben und Schwulen hervorgetan? (Man verzeihe mir meine Unkenntnis, falls ich eine große Vorkämpferin für Homorechte in den letzten zehn Jahren nicht wahrgenommen habe!)
Der komplett alberne Medienzirkus der Stuttgarter CSD-Macher zeigt das erschreckende Niveau, mit dem die Parade werbetechnisch verschlissen wird. Weil wir Schwulen und Lesben selbst zu faul, zu feige, zu ideenlos für politische Forderungen sind, importieren wir uns das Politische quasi “von außen”. Das Bündnis mit der staatstragenden Politik soll einerseits “Normalität” suggerieren: Wir sind angenommen/angekommen im aktuellen Tagesgeschäft der Republik. Andererseits zeigt es einen Drang nach Anbiederung. Auch in Berlin marschieren längst keine Schwulen und Lesben mehr in der ersten Reihe. Die ist reserviert für die übliche Garde der Vorzeige-Politiker jeglicher sexueller Couleur, die mit aller Macht ins mediale Rampenlicht drängeln. Wenn es durch Zufall wie im Falle Wowereit so ist, dass ein Politiker auch offen schwul ist … schön. Umrahmt wird er von den gutmeinenden PoltikerInnen, die sich allein durch wohlwollende Haltung qualifizieren. Mehr ist nicht nötig. 200 Meter dahinter darf dann das ordinäre Fußvolk marschieren. Wo bitte bleibt denn die nächste parlamentarische Initiative zur tatsächlichen Gleichstellung? Wo bitte bleibt denn die Änderung des Adoptionsrechts, dass schwule und lesbische Eltern nicht weiterhin zu “mangelhaften” Eltern macht? Nichts ist davon in Sicht. Die schwule Welt sonnt sich mit einer PolitikerInnen-Riege, die medial suggeriert, die tun was, aber die Tatkraft erschöpft sich beim gemeinsamen Grüner Veltliner im Edelitaliener. Die Politiker sollen sich, wie alle anderen auch, einreihen in die Menge des CSD. Es gibt gar keinen Grund, dass sie vorneweg laufen. Zumal die Riege der üblichen (Links-)Verdächtigen keineswegs - ob einem das nun passt oder nicht - mit den tatsächlichen politischen Präferenzen der CSD-Teilnehmer übereinstimmt.
Provokation gehört, wie wir von den fleißigen Stuttgarter lernen, zum Geschäft. Beliebigkeit anscheinend auch. Man darf schon gespannt sein, unter wessen Rock/Hose nächstes Jahr geschlüpft wird.
Mai 8, 2008 um 5:22 Uhr nachmittags
Ich finde es trotzdem toll. Und wem es stört kann einen Gegen - CSD, vielleicht mit den heiligen Brüdern aus Stuttgart Feuerbach, organisieren.
tom
Mai 8, 2008 um 6:24 Uhr nachmittags
Wow - das klingt ja schwer nach “Dann geh doch nach drüben, wenn es dir hier nicht passt”
Mai 9, 2008 um 8:06 Uhr nachmittags
nein eher nach “Der Feind meines Feindes ist mein Freund”
tom