Homos im Berliner Zoo unerwünscht

Muss man bestimmte Nachrichten vom Wochenende zusammendenken? Regierung Zapatero gewinnt Wahl in Spanien – JU gegen Adoptionsrecht für Homos – Berliner Zoo schmeißt „Gay Night“ raus. Drei Meldungen, die in einem merkwürdigen Zusammenhang stehen. Immerhin wurde jene Regierung in Spanien mit Stimmengewinnen wiedergewählt, die dort die Ehe für Schwule und Lesben sowie das Adoptionsrecht umgesetzt hat. Übrigens, entgegen des medienwirksamen Krawalls fundamentalistischer Katholiken und unter Zustimmung einer eindeutigen Mehrheit der spanischen Bevölkerung.
Derweil überlegt man in der Jungen Union, ob man nicht doch zur Stimmungsmache mal wieder gegen Homos vorgehen könnte. War da nicht was in der Schublade, gleich unterhalb der antisemitischen Klischees? Die JU-Beauftragte für das Ressort Familie, Stadträtin Bettina Meier-Augenstein, meint, Kinder bräuchten zur Identitätsfindung Rollenvorbilder beiderlei Geschlechts: „Wird dieser Erfahrungsraum Kindern verwehrt, kommt es zu seelischen Entwicklungsstörungen bis hin zu starken Unsicherheiten in der späteren Partnerwahl. Davor muss der Staat die Kinder als die schwächsten Glieder der Gesellschaft schützen und bewahren.“ Mir fallen sehr viele Kinder ein, die ich gerne vor ihren Eltern bewahrt wüsste, allerdings weniger aus Gründen der sexuellen Orientierung der Eltern, sondern wegen deren menschlicher und sozialer Unfähigkeit. Doch zurück zur JU: Die ist wohl der Ansicht, dass Homo-Eltern ihre Kinder in den Keller sperren und niemanden an sie ranlassen. Dass die Homo-Eltern keinerlei Hetero-Paare im Freundeskreis haben, ist auch klar, und Homos haben ihrerseits niemals Eltern, die bei der Erziehung von adoptierten Kindern mitwirken und Rollenvorbilder geben könnten! Das allerschlimmste aber: Die Kinder von Homos könnten später selber schwul/lesbisch werden.
Denkt sich auch der Berliner Zoo so was Ähnliches wie die JU? Der hat die erfolgreiche „Gay Night“, die alljährlich zum CSD im Zoo abgehalten wurde, abgesagt. Die Berliner Zeitung zitiert Direktor Blaszkiewitz mit den Worten, bestimmte Konzerte seien abgesagt worden, „weil die uns nichts bringen“. Vorbei die seeligen Zeiten, wo es einem Zoodirektor gut anstand, alle gesellschaftlichen Gruppen anzusprechen. Wer endlos Geld mit „Knut“ erwirtschaftet hat, der kann es sich leisten, seinen Zoo erst einmal vom homosexuellen Getier zu befreien. Erst die Besucher, danach fliegen wohl auch sämtliche Pinguine, Meerschweinchen (und was war noch alles schwul im Tierreich) raus. Apropos Knut: War eigentlich Thomas Dörflein nicht ein bisschen einseitig als Rollenvorbild? Würde mich nicht wundern, wenn Knut „Unsicherheiten in der späteren Partnerwahl“ entwickelt.

6 Antworten zu „Homos im Berliner Zoo unerwünscht“


  1. 1 areus März 10, 2008 um 12:07

    Es ist ja echt erschreckend wie tolerant die Gesellschaft mittlerweile ist, wir machen ja jedes Jahr ein Schritt vorwärts!!! Wird es nicht so überall publiziert? Die Schwulen und Lesben sind ja schon lang nicht mehr diskriminiert, dafür gibt es ja viele tolle Politiker die sich stark machen. Oh mein Gott, ich kann es nicht mehr hören! Die Gesellschaft wird nicht toleranter und sie diskriminiert noch immer und teilweise wird es sogar schlimmer als besser. Kommt es mir nur so vor oder machen wir eher einige Schritte zurück statt vorwärts? Wie kann man Über Homo-Eltern urteilen, hat man da Untersuchungen vorgenommen die genau diese Überlegungen bestätigen? Ich denke eher nicht! Mit Sicherheit sind Homo-Eltern bessere Eltern als manche Hetero-Eltern. Was du mit der sozialen Kompetenz mancher meintest kann ich sehr gut nachvollziehen… Ich komme durch den Rettungsdienst in viele Wohnungen und bekomme viele Familiengeschichten mit, glaubt mir, da sind bis jetzt alles nur Hetero-Eltern gewesen!!! Also braucht man nichts mit Selbstfindung und so was anfangen!
    Tja und was diese Geschichte mit dem Zoo angeht, was soll man dazu sagen? Einfach traurig solche Schritte… mehr als es so öffentlich machen wie es nur geht wird da wohl eh nichts helfen. Einfach nur Volldeppen.

  2. 2 Stefan März 11, 2008 um 9:39

    Verstehe ich das richtig? Die JU will alleinerziehenden Eltern(-teilen) die Kinder wegnehmen und zur Zwangsadoption an Hetero-Paare weitergeben?
    Wenn nicht: inkonsequent, vgl. Zitat Meier-Augenstein.

    ;-) , aber dennoch kopfschüttelnd und mit Grummeln im Bauch ob derart bescheuert-kleinkariert-unqualifizierter Weltsicht.

  3. 3 Morty März 11, 2008 um 11:02

    Mhhh, den Ausdruck „unerwünscht“ finde ich an dieser Stelle schon bissl hart.

  4. 5 samstagisteingutertag März 12, 2008 um 9:45

    Heute widmet sich auch der „Tagesspiegel“ dem irritierenden Verhalten des Berliner Zoos:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/-Gay-Night-Berliner-Zoo;art270,2492974
    (Link vom 12.3.08)

  5. 6 Sven März 12, 2008 um 4:48

    Es ist schon komisch, da wird in Spanien eine Wahl gewonnen WEIL der Kandidat weltoffen und tolerant ist und der JU fällt nichts anderes ein als gegen uns Stimmung zu machen.
    Nicht auszudenken wenn die JU aus dem Wahlerfolg lernt und plötzlich Weltoffen und Tolerant wird … *fg*


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