Schwule in der CDU: Vom Klo zur Mitte

Die CDU ist die Mitte, sagte Frau Merkel auf dem CDU-Parteitag in Hannover. Und weil in der Mitte sich alles und alle gerne tummeln, dürfen da jetzt auch Homos ein bisschen mittig mitmachen. Den Stand der LSU, der Lesben und Schwule in der Union, hat man aber nicht in der Mitte der Halle platziert, sondern, laut Süddeutscher Zeitung, auf dem Weg zum Klo. Zufall, ganz bestimmt. So wie es nur Zufall sein kann, dass ausgerechnet Bernhard Vogel, Ex-Thüringer-Ministerpräsident, erklärt, warum im Grundsatzprogramm der CDU im Absatz zur Würde des Menschen die Kategorie “sexueller Ausrichtung” nicht aufgenommen wird. Jetzt heißt es: “Die Würde aller Menschen ist gleich, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Alter, von religiöser und politischer Überzeugung, von Behinderung, Gesundheit und Leistungskraft, von Erfolg oder Misserfolg und vom Urteil anderer.”
Anders konnte sie das auch nicht formulieren, weil Schwule und Lesben für Christdemokraten immer noch Menschen zweiter Klasse sind, die eben NICHT die vollen Rechte bekommen. Da mag es LSU-Chef Reinhard Thole noch so sehr als Erfolg verkaufen, dass erstmals “gleichgeschlechtliche Partnerschaften” erwähnt werden. Bezeichnenderweise im Kapitel „Starke Familien – menschliche Gesellschaft“. Homosexuelle Singles interessieren die CDU nämlich schon mal gar nicht. Höchstens in Beziehungen erhalten Schwule und Lesben einen „Wert“ und auch da dürfte man eher an die soziale Absicherung gedacht haben, die Paare gegenseitig leisten und den Staat dadurch nichts kosten, als an einen menschlichen „Wert“. Eine Ehe (also eine, die keine Mogelpackung ist) bleibt Homosexuellen ebenso verwehrt wie das Adoptionsrecht.
Im Wortlaut heißt die Passage des Grundsatzprogramms (zugleich die einzige Stelle, an der überhaupt das Wort „gleichgeschlechtliche Partnerschaften“ vorkommt):
Wir respektieren die Entscheidung von Menschen, die in anderen Formen der Partnerschaft ihren Lebensentwurf verwirklichen. Wir erkennen an, dass auch in solchen Beziehungen Werte gelebt werden, die grundlegend für unsere Gesellschaft sind. Dies gilt nicht nur für nicht-eheliche Partnerschaften zwischen Frauen und Männern. Dies gilt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Wir werben für Toleranz und wenden uns gegen jede Form von Diskriminierung. Eine Gleichstellung mit der Ehe zwischen Mann und Frau als Kern der Familie lehnen wir jedoch ebenso ab wie ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare.
So bleibt alles ganz modern das Alte: Wir Homos sollen froh sein, dass uns die Christdemokraten nicht mehr wie früher zum (verbalen) Abschuss freigeben, ansonsten aber doch bitte friedlich sein. Denn, wie an der Verweigerung des Adoptionsrechts ersichtlich wird, eigentlich hält man uns doch noch für asoziale Kinderschänder. Den Lesben und Schwulen in der Union steht noch ein langer Weg bevor vom Klo zur Mitte der CDU. Aber das muss nicht das Schlimmste sein: Auch die Schwulenbewegung nahm ihre Anfänge auf den Klappen der Republik.

1 Antwort zu „Schwule in der CDU: Vom Klo zur Mitte“


  1. 1 Thommen Dezember 5, 2007 um 8:13

    Wir sollten unsere Kräfte nicht vergeuden, um uns liebedienerisch irgendwelchen „Mitten“ anzupassen. Wir sollten nach dem AIDS-Schock endlich darauf besinnen, wie wir unsere eigenen Kräfte schützen und kreativ für ein Zusammenleben einsetzen, egal ob mit oder ohne Kinder!
    Zudem sollten wir endlich schon den schwulen Kindern („sowas gibt’s doch gar nicht…“) zuwenden und sie in ihrer Orientierung bestärken, bevor sie scho so kaputt sind, dass sie sich nicht mal mehr vor dem Virus schützen wollen… Bevor wir andere adoptieren!!


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