
Wenn etwas die Filme aus den Pixar-Studios auszeichnet, dann ihr tapferes Unterfangen, dem Recht auf Anderssein Gehör osder besser gesagt: Sicht zu geben. Mit jeder Menge Vorschusslorbeeren bedacht, lief „Ratatouille“ nun auch in den deutschen Kinos an. Schon lange nicht mehr habe ich einen so tollen, über die Maßen perfekten und witzigen Film gesehen. Die Geschichte der Ratte Remy, die zum heimlichen Chefkoch einen französischen Restaurants avanciert, ist so liebenswert, dass man sich manchmal fragen muss, wie es kommt, dass animierte Figuren mittlerweile zu größeren Sympathieträgern werden können als „reale“ Schauspieler. Fast ebenso gut wie der Haupt- ist der kurze Vorfilm mit dem Titel „Lifted“ über den Versuch zweier Aliens, einen schlafenden Menschen in ihr Raumschiff zu beamen.
Ansonsten bot das lange Feiertagswochenende Tanzen (weil die Tanzsschule zu hatte, im privaten Rahmen, aber trotzdem amüsant: Der Wickler!!! eine Figur beim Discofox), Musical: Tanz der Vampire (hatte, ehrlich gesagt, eher mit fader Soße gerechnet, es war aber sehr, sehr gut – und einer der Songs entpuppte sich als einer meiner Meat-Loaf-Lieblingsstücke: Objects in the rear view mirror may appear closer than they are), Kaffee und Kuchen bei einer guten Freundin und natürlich … schwule Szene Berlin:
Bereits am Freitag mussten mein Freund und ich das „Sissy“ in der Motzstraße testen: Großer Brauner, Apfelstrudel bzw. Marillenkuchen, alles ganz wunderbar und somit empfehlenswert, trotz des unvermeidbaren Preisaufschlags, der mittlerweile im Schöneberger Homo-In-Viertel üblich ist.
Über das Mutschmanns zu schreiben, traue ich mich kaum. Kein anderer Beitrag in diesem Blog hat die Gemüter so erhitzt wie der Eintrag, in dem das Lederlokal in der Martin-Luther-Straße erwähnt wird. Weil die schwule Welt ja heutzutage anscheinend nur noch in den Kategorien Freund und Feind zu denken vermag und Zwischentöne höchstens noch im Analbereich vorkommen, sei es doch vorab gesagt: Das Mutschmanns ist meine Lieblingskneipe! War das jetzt eindeutig genug? Trotzdem erlaube ich mir zu sagen, dass ich die neue Preispolitik für falsch halte, dass es nach wie vor unter meinen Freunden, mit denen ich rede, viel Gemurre deswegen gibt, und dass zumindest an diesem Samstag die Zahl der Besucher überschaubar blieb. Was nichts schlechtes heißen muss: Qualität geht vor Quantität. Noch eine Krittelei: Die Musik war wieder über die Maßen laut, das übliche Hammer-Gedudel, zu dem anscheinend alle Homo-Kneipen mittlerweile zwangsverpflichtet sind.
In punkto Musik genauso schlecht und laut: Das „Woof“ in der Fuggerstraße. Auch hier: Ich wünsche mir nichts so sehr wie eine tolle Bärenkneipe in Berlin, schon deswegen gehe ich ab und zu ins Woof. Es bedient dort auch ein wirklich woofiger Bär! Aber trotzdem bleibt es neben dem Mario’s die Kneipe mit der geschmacklosesten, schlechtesten Dekoration. Überall blinkt irgendein Gartenschlauch, Tarnnetze und Fallschirmseide sind schon seit den 80er Jahren der Nullpunkt an Dekoration – am allerschlimmsten ist aber das von der Decke hängende, orangefarbene Gekräusel der Firma Jägermeister (in deren Klauen sich diese Kneipe zu befinden scheint). Ich sollte aber fairer Weise dazu sagen, dass ich der einzige zu sein scheine, den diese Nicht-Inneneinrichtung stört. Mein Bekanntenkreis stört sich daran nicht: Vielleicht haben alle immer nur irgendwelche netten Bären im Auge.



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