Gestern nacht ein interessantes Radio-Feature in Deutschland-Radio Kultur gehört. Es ging um Carson McCullers, die vor 40 Jahren (29.9.1967) starb. Schon lange gehört „Die Ballade vom traurigen Café“ zu meinen Lieblingsbüchern, ebenso wie die Verfilmung mit der wunderbaren Vanessa Redgrave. Umso überraschter war ich wie, wie eindeutig die Autorin des Features, Manuela Reichert, das Verhältnis zwischen dem buckligen Zwerg und Amelias Ex-Mann als ein homoerotisches darstellt. Tatsächlich habe ich es bislang als ein männlich-masochistisches gelesen, ohne sexuelle Konnotation. So bin ich jetzt über meine eigene Lesweise verwundert, die ohne „gaydar“ auskam. Aber natürlich ist die Attraktion, die der Verbrecher Marvin Macy auf den Zwerg ausübt, eine der Aggression und Gewalt, der vermuteten männlichen Stärke. Und „Macht“ und „Sex“ waren schon immer Synonyme.
Homosexualität spielt aber auch in anderen Romanen Cullers’, dann eindeutiger, eine Rolle. Sie selbst, ebenso wie ihr Ehemann, pflegte gleichgeschlechtliche Beziehungen. Und mit W.H.Auden, Benjamin Britten und Truman Capote als literarische Bekannte war sie diesbezüglich im richtigen Zirkel.
Das Radio-Feature gibt es leider nicht zum Nachhören im Internet, dafür aber Auszüge aus der Ballade von McCullers selbst gelesen.
Carson McCullers
Veröffentlicht September 30, 2007 Alltag , Gesellschaft , gay life geschlossenTags: Ballade vom traurigen Café, Carson McCullers, Vanessa Redgrave

